Wannsee bis Potsdam und zurück

Fast ein jeder kennt das Lied "...pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann nischt wie raus zum Wannsee...."  Wer Berlin besucht, landet unweigerlich auch in Wannsee, einem Ortsteil des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Zum größten Teil liegt Wannsee zwischen Seen, wobei den Hauptbereich eine Insel bildet. Heutzutage kommt man über fünf verschiedene Brücken auf die Insel - über die Wannseebrücke, die Alsenbrücke, die Hubertusbrücke, die Parkbrücke und die Glienicker Brücke. Nur die Siedlung Klein Glienicke gehört zu Potsdam. Wir kamen am späten Nachmittag an und suchten uns gleich eine Marina, bei der wir anlegen konnten. Wir fanden einen freien Platz beim "Verein Seglerhaus Wannsee". Es gibt hier wahnsinnig viel zu entdecken und wir beschränken uns einmal auf die Highlights.

Fangen wir mit der schwärzesten Zeit der deutschen Geschichte an. Es geht um die Wannseekonferenz vom 20. Januar 1942. Auf Einladung der SS trafen sich 15 hochrangige Vertreter der NS-Reichsregierung und SS-Behörden in einer Villa in Wannsee. Es ging um den schon begonnenen Holocaust. Während eines reichhaltigen Buffets wurde über die Ermordung aller europäischen Juden gesprochen. Die Frage bei dieser Konferenz war nicht mehr das Ob, sondern das Wie. Wie deportiert man Millionen an Menschen und bringt sie am effizientesten um. Erste Erfahrungen hatte man ja schon in den östlich besetzten Gebieten gemacht, wo die Massenmorde schon im vollem Gange waren. Heute gibt es in der Wannsee Villa eine umfangreiche Ausstellung zum Holocaust. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie man derart Menschenverachtend während eines Essens, im Angesicht einer einzigartigen Natur, so etwas besprechen konnte. Die Zeit zeigt uns aber gerade (2018), viel zu wenig Deutsche Bürger kennen die Geschichte oder sind in der Lage entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Wie kann es sein, dass heutzutage in Deutschland, ja in fast dem ganzen europäischen Raum, solche Menschen wieder herbeigewünscht werden bzw. schon in Machtposition gebracht werden?

Hydrologisch betrachtet ist der Große Wannsee ein Bucht der Havel in Berlin. Er gehört zu der Kladower Seestrecke, die sich zwölf Kilometer lang von der Spandauer Ortslage Pichelsdorf bis zum Meedehorn bei Potsdam-Sacrow erstreckt. Begrenzt wird der Große Wannsee vom typisch flussförmigen Havelabaschnitten flussaufwärts und der Havelenge bei Sacrow flussabwärts. Der verkürzte Name Wannsee bezieht sich immer auf den Großen Wannsee, nie auf den weniger bedeutenden Kleinen Wannsee, der als letzter See des Griebnitzkanals an der Nordseite der Wannseebrücke in den Großen Wannsee einmündet. Der See hat eine Länge von 2,53 Kilometern und gehört zur Bundeswasserstraße Untere Havel-Wasserstraße.

Archäologische Pfunde aus dem Jahr 1837 deuten darauf hin, dass hier schon in der Zeit 2.000 vor Christus Menschen gelebt haben. Ab wann genau die Insel den Namen Pfauenwerder (auch Pauwerder) erhalten hat, kann heute nicht mehr so richtig nachgewiesen werden. Es gibt nur das Wissen, dass zur Zeit des Großen Kurfürsten die Insel so genannt wurde und zwar bevor die Pfauen auf der Insel ausgesetzt wurden. Einige Zeit später nannte man zumindest im Volksmund die Insel Kaninchenwerder, was auf die dortige Kaninchenzucht zurückzuführen ist. Der Alchemist Johann Kunckel errichtete auf der Insel sein Laboratorium. Das betreten der Insel war zu dieser Zeit bei Strafe verboten. Die Angestellten Kunckels konnten die Insel nicht verlassen. Es drangen also keine Nachrichten nach draußen. Schon befürchtete man schwarze Magie eines Hexers oder Zauberers wird auf der Insel ausgeführt. Von schlechten Gerüchen und schwarzen Rauch war die Rede, daraus wurde geschlossen dass dort Gold hergestellt würde oder ganz furchtbare Versuche durchgeführt würden. Die mittlerweile dem Potsdamer Militärweisenhaus gehörende Insel wurde 1790 an König Friedrich Wilhelm II verkauft. In den Jahren 1794 bis 1796 wurde ein Lustschloss gebaut. So wurde aus der Pfaueninsel eine versteckte Residenz zwischen Berlin und Potsdam. Aber Friedrich Wilhelm IV verlor das Interesse an der Insel. Sie diente nur noch kurz als Zufluchtsort für den Prinzen Wilhelm von Preußen, der nach der März-Revolution hier einen Zwischenstopp auf seiner Flucht nach London gemacht hat. Dafür entdeckten die Berliner und Potsdamer die Insel, die sich zu einem beliebten Ausflugsort entwickelte. Allerdings nur für 3 Tage einer Woche, mehr wurde durch das Königshaus nicht erlaubt. Aber auch die Besuche an nur diesen 3 Tagen schädigten die Natur der Insel nachhaltig. Dazu erlangte die Insel die Aufmerksamkeit von Spekulanten. Es war nötig, die Insel von Staats wegen schützen zu lassen. So steht die Insel seit 1924 unter Naturschutz. Noch heute steht die Insel unter Naturschutz und ist in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen. Hauptsächlich wird die Insel von ca. 30 Pfauen und einigen Wasserbüffeln bewohnt. Bei genaueren Hinsehen fällt auf, die Steinmauern des Schlosses sind lediglich auf Eichenholz aufgemalt.

Wir kamen an der Heilandskirche oder Sacrower Kirche vorbei. Eine außergewöhnliche Kirche, die 1844 errichtet wurde. Friedrich Wilhelm IV wünschte sich eine Kirche in italienischem Stil mit einem freistehenden Glockenturm. Und was so ein König sich wünscht wird dann auch umgesetzt. Nach der Wende 1990 wurde die Kirche dann aufwendig restauriert. Auch diese Kirche steht, als Teil der Potsdamer Havellandschaft, unter dem Schutz der UNESCO. Das Kirchensiegel trägt die lateinische Inschrift " Ecclesiae sanctissimi Salvatoris in portu sacro." Übersetzt: „Siegel der Kirche des allerheiligsten Erlösers im heiligen Hafen“. So ganz genau ist der Name Heilandskirche nach der lateinischen Übersetzung des Kirchensiegels nicht.

Als der König Friedrich Wilhelm III- im Jare 1819 Besuch von seiner Tochter bekam, zusammen mit ihrem Mann natürlich, ließ er das Gebäude im Stil eines russischen Bauernhauses errichten. Nachdem die "Hütte" 1984 bei einem Brand schwer beschädigt wurde, wurde sie anschließend wieder originalgetreu aufgebaut. Im Jahre 1837 wurde ganz in der Nähe die russisch inspirierte Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoe errichtet. Heute dient das Blockhaus Nikolskoe als Gasthaus.

Ihrem Namen verdankt die Brücke dem in der nähe gelegenen Gut Klein Glienicke, an dessen Stelle heute das Schloss Glienicke steht. Sie führt über die Havel und verbindet Berlin und Potsdam. Ja - wir reden über die berühmte Glienicker Brücke. Eigentlich hieß die Brücke, immerhin jetzt das 4. Bauwerk an dieser Stelle, nach seiner Fertigstellung Kaiser-Wilhelm-Brücke. Diesen Namen nahm die Bevölkerung aber nicht an, also sagt man Glienecker Brücke. Genau auf der Mitte der Brücke ist die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Berlin, oder halt zwischen Berlin und Potsdam. Berühmt wurde die Brücke zu Zeiten der Teilung Deutschlands, hier wurden zwischen Ost und West Spione oder politische Gefangene ausgetauscht.

Das Jagdschloss Glienicke liegt in Sichtweite der Schlösser Glienicke und Babelsberg. Der Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg gab den Auftrag zum Bau der 1693 beendet wurde. 1701 erhielt das Schloss im Auftrag von Friedrich I. den Stil des französichen Barocks und wurde auch noch verschönert. Man nannte Friedrich Wilhelm I. ja auch den Soldatenkönig, so ist es nicht verwunderlich, dass das Jagdschloss als Lazarett für das Garderegiment eingerichtet wurde. Danach wurde das Jagdschloss eine Fabrik zur Herstellung von Wachstuchtapeten, denn Friedrich der Große schenkte dem Unternehmer Isaac Levin Joel das Schloss. Die Geschichte dieses Schlosses geht aber weiter, denn 1827 gelangte es in die Hände von Wilhelm von Türk, der aus dem Schloss und jetzt ehemaligen Fabrik ein Waisenhaus machte. Einer der letzten großen Umbauten fanden dann 1859 statt, Prinz Carl von Preußen ließ das Schloss für seinen Sohn Friedrich Karl noch einmal umbauen. Die barockisierenden Formen des Schlosses wurden bearbeitet. 1889 stockte Albert Geyer den Mittelbau auf und fügte einen Turm hinzu. Nahe der Glienicker Brücke liegt dann auch das Schloss Glienicke, welches als Sommerschloss für den Prinzen Carl von Preußen gedient hat. Gebaut wurde das Schloss in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und steht seit 1990 als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO.

Eines der größten Freibäder an einem Binnengewässer Europas ist das Strandbad Wannsee. Es befindet sich am Ostufer des großen Wannsees, südlich der Insel Schwanenwerder. Es wurde 1907 als so genanntes Familienbad eröffnet und verfügt über 1.275 m Sandstrand mit einer Breite von 80 Metern - alles mit Ostseesand aufgefüllt. Auf einer Gesamtfläche von 355.000 Quadratmetern haben bis zu 30.000 Badegäste Platz. Rund 10 % der Fläche sind FKK-Bereich. Dabei lässt das Strandbad keine Wünsche offen, es wird Beachvolleyball oder Fußball gespielt, ein Bootsverleih ist vorhanden und ein Kinderspielplatz. Es gibt einen Parkbereich und eine Uferpromenade die zum Flanieren einlädt, natürlich kann man sich auch den verschiedenen kulinarischen Angeboten hingeben. Das Eingangsgebäude steht heute unter Denkmalschutz.

Wie gesagt, es gibt noch viel, viel mehr rund um den Wannsee zu entdecken.

Seit Jahrzehnten zieht die Stadt Potsdam, gelegen inmitten ruhiger Havelseen und stiller Laub- und Kiefernwälder, Gäste aus aller Welt an. Potsdam besticht durch die Schönheit seiner Schlösser und Gärten, sowie dem Holländischen Viertel. Am bekanntesten dürfte das Schloss Sanssouci mit seinem Park sein, der Neue Garten mit dem Marmorpalais und Cecilienhof sein. Genauso wie der Babelsberger Park mit Schloss und Flatowturm. Aber auch viele Bürgerhäuser und Gesellschaftsbauten gestalten das Bild von Potsdam zu einem Gesamt-Kunstwerk der Bau- und Gartenarchitektur. Es wird angenommen, dass die erste Besiedlung des Potsdamer Gebietes um 700 durch den slawischen Stamm der Heveller erfolgt. Urkundlich erwähnt wurde Potsdam auf einer Schenkungsurkunde von Otto III. im Jahre 993 an seine Tante, Äbtissin von Quedlinburg. Die Bezeichnung "Potzupimi et Geliti" wird als Potsdam und Geltow gedeutet. Um 1150 wurde durch Markgraf Albert der Bär eine Burgstätte errichtet. Als Städtlein wurde Potsdam 1317 in einer Urkunde bezeichnet und erhielt dann 1345 das Stadtrecht. Trotzdem blieb Potsdam aber nur eine kleine Siedlung, wurden 1573 nur 2.000 Einwohner und 192 Häuser angegeben. Leider sind Überlieferungen zur Potsdamer Geschichte bis in das 16. Jahrhundert äußerst gering. Die eigentliche Geschichte Potsdams beginnt erst nach dem 30 jährigen Krieg (1618 bis 1648). Während des Krieges wurde Potsdam fast vollständig zerstört. Bedeutung gewann Potsdam dadurch, dass Kurfürst Friedrich Wilhelm (der große Kurfürst) die Stadt zur seiner zweiten Residenz erklärte. Er gab den Auftrag zur Errichtung eines Schlosses im holländischen Stil an der Langen Brücke und förderte die Erweiterung der Stadt. Schon 1679/1682 wurde das Schloss erweitert und die Entwicklung zur Residenzstadt des preußisch-brandenburgischen Staates begann. Zu den ältesten Gewerben Potsdams gehörten die Tuchmacher, Schneider, Kürschner und Fleischer. Dadurch, dass den Hugenotten als französische Glaubensflüchtlinge die Niederlassung in Potsdam gestattet wurde, gab es einen regelrechten Aufschwung in der Stadt. Brachten die neuen Einwohner doch reichlich Kenntnisse in Handwerk, Kunst und Kultur mit. Zur Garnisonsstadt wurde Potsdam gegen 1713. Friedrich Wilhel I. hatte erhebliche Einquartierungsprobleme für seien Soldaten und veranlasste die Erweiterung der Stadt. Es wurden die Heiliggeistkirche, die Nikolaikirche und die Garnisionskirche gebaut. Im Jahre 1722 wurde eine Gewehrfabrik in Potsdam gegründet und es entstanden militärische Einrichtungen wie das Potsdamsche Militärwaisenhaus. Unter der Herrschaft Friedrich II. wurde das Stadtschloss umgebaut und es wurde das Sommerschloss Sanssouci erbaut. Es entstanden die ersten Prunkstaßen mit den typischen Barockhäusern. Im zweiten Weltkrieg wurde Potsdam durch heftige Bomardierungen weitgehend zerstört. Vor allem traf es die historische Altstadt. Im August 1945 fand die Potsdamer Konferenz im Schloss Cecilienhof statt, auf der die Aufteilung Deutschlands durch die Siegermächte Amerika, England und Russland beschlossen wurde. Die historische Altstadt wurde nicht wieder aufgebaut. Unter dem DDR Regime wurde Potsdam Bezirkshauptstadt. Nach dem Fall der Mauer wurde Potsdam dann wieder Landeshauptstadt von Brandenburg. Viele der alten Bürgerhäuser wurden und werden noch immer saniert und verschönern das Gesicht der Stadt.