Oranienburg bis Wannsee und zurück

Gegen frühen Abend erreicht wir von Mildenberg aus kommend die am nördlichen Rand von Berlin gelegene Stadt Oranienburg. Kurz vor Oranienburg mussten wir die größte Schleuse auf unserer gesamten Fahrt nutzen. Puuhhh - es ging so tief hinab, da wurde mir schon etwas mulmig. Aber dann kamen wir ja in Oranienburg an und entschieden uns für einen kleinen, gemütlichen Hafen, mitten in der Stadt. Auf der anderen Seite des Flusses standen ein paar Plattenbauten, die Seite mit dem Hafen ein wahres, natürliches Natur-Kleinod. Zum Schloss Oranienburg waren es nur ein paar Meter über die Straße. Zur anderen Seite gab es nach wenigen Metern ein tolles griechischen Restaurant. Noch ein paar Meter weiter ein Supermarkt, so dass wir unsere Vorräte wieder auffüllen konnten. Doch nun ein paar Informationen über Oranienburg.

Bötzow, wie Oranienburg ursprünglich hieß, wurde erstmalig 1216 urkundlich erwähnt. Der Markgraf von Salzwedel, mit dem schönen Namen "Albrecht der Bär" und seine Nachfolger kolonisierten die noch heidnisch-slawisch Gebiete jenseits der Elbe. Das Herrschaftsgebiet wurde bis an die Länder Teltow und Barnim und an strategisch wichtigen Punkten an den Grenzen wurde eine Anzahl an Burgen gebaut. So wohl auch die Wasserburg Bothzowe an der Havel, aus der dann später die Stadt Oranienburg wurde. 1483 wurde Bützow dann Amtssitz und es entwickelte sich eine mittelalterliche Stadt, beherrscht von Gilde und Zunft. Die Reformation in Oranienburg wurde 1541 die Reformation eingeführt. So um das Jahr 1950 ließ Kurfürst Joachim der II das alte Wasserschloss abreißen um an die gleiche Stelle ein Jagdschloss. Gleichzeitig bestätigte er den Bürgern ihre alten Privilegien, die ihren Ausdruck im ursprünglichen Stadtwappen fanden. Es zeigte einen Eichenbaum auf grünem Rasen, rechts davon (heraldisch bzw. wappenkundlich gesehen) einen Fisch, links sieben Rohrkolben.Auch dieser Ort blieb nicht vom dreißigjährigen Krieg verschon. Kriegshorden plünderten die Stadt und Brände vernichteten Häuser und Scheunen. Auch der schwarze Tod, die Pest, wütete in dem Ort.

Die gerade einmal 19 Jahre alte Prinzessin Louise-Henriette von Oranien-Nassa ehelichte am 07. Dezember 1646 den Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Sie fand gefallen an der wasser- und wiesenreichen Landschaft, erinnerte sie diese doch an ihre holländische Heimat. Der liebende Ehemann fand das so toll, dass er ihr kurzerhand im September 1650 den Ort Bützow mit allen dazugehörigen Dörfern schenkte. Sie ließ das kurfürstliche Jagdschloss abreißen und ein Schloss im holländischen Stil errichten und nannte es 1652 Oranienburg. Mit der Übertragung des Amtes Bötzow setzte für den Ort eine entscheidende Wende ein. Der Name Oranienburg wurde 1653 in das Stadtsiegel aufgenommen. Louise Henriette verstarb im Alter von nur 39 Jahren in Berlin. Sie hatte sechs Kinder geboren, darunter ein Zwillingspaar. Jedoch verstarben fünf ihrer Kinder in jungen Jahren. So viel Leid und Kummer zerrten natürlich an dem Gesundheitszustand. Man beachte die Zeit, zu der LouiseHenriette von Oranien das Schloss erbauen ließ. Es war kurz nach dem Ende des 30-jährigen Krieges, die Bevölkerung war total verarmt, da ist es kein Wunder, dass der Bau für die wenigen Menschen, die den Krieg überlebt hatten, ein Zeichen der Hoffnung war. Die Kurfürstin sorgte dafür, dass neue Siedler aus den Niederlanden, aber auch aus anderen europäischen Ländern, sich in Oranienburg ansiedelten. Schnell begannen die neuen Siedler Musterwirtschaften, eine Molkerei und andere soziale Einrichtungen, wie das erste Weisenhaus der Mark Brandenburg, zu schaffen. Dieses Weisenhaus wurde mittlerweile liebevoll restauriert und kann besichtigt erden. Eine besondere Vorliebe für Oranienburg zeigte der Sohn, Kurfürst Friedrich III, seit 1701 auch König Friedrich I. Er ließ das Schloss prunkvoll umbauen, so dass das erste barocke Lustschloss der Mark Brandenburg entstand. Von ihm wurde das Schloss mit einer lateinischen Inschrift versehen die auf Deutsch lautet:

"Dieses, von Louise der Prinzessin von Oranien, der besten Mutter, erbaute und durch den Namen ihres Geschlechts ausgezeichnete Schloss hatte der Kurfürst Friedrich der III. zum Gedenken der sehr frommen Mutter erweitert, geschmückt, vermehrt 1690".

Oranienburg hatte sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer guten Industrie- und Villenstadt entwickelt. Die Berliner Stadtbevölkerung kam gerne in die naturreiche Landschaft, z. B. rund um den Lehnitzsee, um sich hier zu erholen. Diverse Ausflugslokale, Seeterrassen und ein reger Touristenschiffverkehr belebten den Ort zu dieser Zeit und ließen den Geist der "goldenen Zwanziger" atmen. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten ließen Oranienburg, wie auch den Rest des Landes, tief fallen. Mitten in Oranienburg wurde eines der ersten Konzentrationslager Deutschlands angelegt. Damit aber nicht genug, 1935 errichtete das faschistische Regime das KZ Sachsenhausen als Muster- und Ausbildungslager. auch die zentrale "Inspektion der Konzentrationslager" im Reich hatte ihren Sitz von 1938 bis 1945 in Oranienburg. Es sollte eigentlich jedem bekannt sein, allein im Konzentrationslager Sachsenhausen waren mehr als 200.000 Menschen inhaftiert und Zehntausende ermordet. Und das nur in Sachsenhausen - heute wissen wir, im gesamten sogenannten Reich, kamen Millionen an Menschen grauenvoll um. Nach dem Krieg wurde das Lager Sachsenhausen weiter Menschen inhaftiert, jetzt waren die Naziverbrecher die Insassen. Aufgrund der stalinistischen Willkür kamen aber auch viele unschuldige Menschen an diesen furchtbaren Ort.  Zu Zeiten der DDR wurde das Gelände 1961 zur nationalen Mahn- und Gedenkstätte. Nach dem Zusammenbruch der DDR wurde die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten ins Leben gerufen, die seither die Gebäude und Relikte des Lagers als "Garanten der Erinnerung" pflegt.

Während des 2. Weltkrieges war Oranienburg gab es in Oranienburg viel chemische Industrie und viele Rüstungsbetriebe. Dadurch wurde die Stadt zu einem vorrangigen Ziel der alliierten Luftangriffe. Wie so viele andere Städte wurde Oranienburg dabei zum größten Teil zerstört. Oranienburg liegt in direkter Nähe zum Stadtteil Reinickendorf. Währen Reinickendorf zum Westteils der Stadt Berlin gehörte, verbrachte Oranienburg die Zeit der DDR im Schatten der Mauer. Nach Öffnung der Mauer wurde viel getan, um das zerstörte Antlitz wieder aufzupolieren. Ein schönes Beispiel ist das Schloss und sein Umfeld.

Wir genossen die zwei Tage, die wir in Oranienburg verbracht haben. 

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