Wat Phou

Wir fuhren also wieder hinunter vom Bolaven-Plateau in Richtung der Provinz Champasar. Der Mekong musste überquert werden, natürlich mittels Fähre. An dem Anleger ging es ganz schön lebhaft zu. Diverse Händler sorgen für das leibliche Wohl während der Wartezeit auf die nächste Fähre. Die Überfahrt ist schon ein kleines Abenteuer, wir waren froh schwimmen zu können. Sagen wir mal so, es gibt einem ein Gefühl der Sicherheit.

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Den 1497 Meter hohen Phou Kao, an dessen Fuße sich der Wat Phou (= Bergtempel) großflächig liegt, konnte man schon vom weitem sehen. Der Wat Phou zählt zu den archäologischen Hauptattraktionen von Laos. Die ältesten Teile der Tempelruinen datieren aus dem 5./6. Jahrhundert und sind somit 200 Jahre älter als die ältesten Teile von Angkor Wat in Kambodscha. Mittlerweile gilt es als sicher, hier befand sich die Hauptstadt des Khmer Reiches Chenla. Unterstützt wird die These auch durch Funde auf halber Strecke zwischen Champasar und dem Wat Phou, die der Hauptstadt von Chenla, Chestapura, zugeschrieben werden. Heute nennt man den Ort auch Muong Kao (=Altstadt).

Uns viel auf, wie streng symmetrisch die Anlage ausgerichtet ist - exakt in Ost-West Richtung. Eine schnurgerade "Promenade" verbindet drei Ebenen. Eine 280 Meter lange Prozessionsstraße führt von der ersten Ebene zum Heiligtum. Die erste Ebene soll den Königen als Ruheplatz gedient haben, bei der Betrachtung von Prozessionen oder Wasserspielen in dem davor liegenden Becken. Nur noch wenige Löwenfiguren, Darstellungen von mystischen Tieren und Phallusstäbe, die ursprünglich wohl die gesamte Prozessionsstraße säumten, sind übrig geblieben. Am Ende dieser Prozessionsstraße befindet sich eine Ebene die bestimmt wird durch die Ruinen zweier Pavillons, die wohl aus dem 12. Jahrhundert stammen. Danach kommt noch der sog. Nandi-Pavillion. Ein Nandi ist ein Bulle - das Reit- oder Zugtier von Shiva. Ein Nandi-Pavillon gehört eigentlich immer zu einem Hindu-Heiligtum. Selbst uns vielen die Parallelen zu Angkor Wat auf.

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Dann geht es über eine steile Treppe hinauf zur nächsten Ebene. Auffällig die vielen kreisrunden Löcher in den Blöcken. Diese sollten wohl dem leichteren Transport dienen. Es geht weiter über die Treppe bis zur dritten Ebene, 90 Meter über dem Fuß des Berges. Durch ein Tor gelangt man zum eigentlichen Hauptheiligtum, welches ursprünglich Shiva gewidmet war. Am Ende dieser Ebene kommt man zu einer Quelle, aus der heiliges Wasser heraus kommt. Der vordere Teil der Gebäude ist jüngeren Datums. Hier finden sich fantastische Reliefs - z. B. Asparas, einen tanzenden Vishnu, Indra auf einem dreiköpfigen Elefanten reitend. Es gibt noch viele Reliefs mehr - alle wunderbar gearbeitet und Figuren aus der hinduistischen Mythologie darstellend. Erst sehr viel später in der Geschichte wurde die Anlage in ein buddhistisches Heiligtum verwandelt.

Etwas weiter nach rechts in einiger Entfernung zum Tempel befinden sich drei bedeutende Felsen. Der Elefanten-, der Krokodil- und der Naga-Stein. Zu Zeiten der Khmer gab es jedes Jahr große Prozessionen. Die Legende sagt, diese seien mit Menschenopfern verbunden. Ein Freiwilliger ließ sein Leben im Krokodilstein. Sein Blut wurde anschließend dem Naga-Stein geopfert. Heute gibt es keine Menschenopfer mehr, vielmehr ist seit Jahrhunderten die Opferung eines Büffels bekannt, der dem Erdgeist von Champasak gewidmet ist. 

Wir hätten hier noch erheblich länger verweilen können. Aber, wir hatten ja einen engen Zeitplan.