Titicaca-See / Puno

Natürlich waren wir am Abend noch einmal in der Stadt, richtig schön Essen. Wir konnten sogar richtig ausschlafen, der Bus fuhr erst gegen 8.30 h. Trotzdem sind wir schon um 6.00 h aufgewacht. O.k. - die Rucksäcke wieder packen und ein ordentliches Frühstück - das dauert auch so seine Zeit. Wieder ging es zum Busterminal, dieses Mal das Nachbar-Terminal. Für die ca. 495 km von Arequipa nach Puno nahmen wir nicht den Linienbus, sondern einen der guten Busse. Es stellte sich heraus, es war sogar ein richtig guter Bus - ja - man kann von Luxus reden. Wir hatten Tickets von der Gesellschaft Cruz del Sur. Bus fahren kann wirklich angenehm sein. Der Sitz ließ sich fast zum Bett umbauen und man konnte richtig schlafen. Es gab eine Stewardess, die Kaffee und kleine Snacks servierte. Ein wenig gewöhnungsbedürftig die Videoaufnahme, die von einem jeden Fahrgast gemacht wird, bevor der Bus losfährt. Schaut man sich die Bilder im Internet an, was so alles mit einem Bus passieren kann (und auch passiert), ein tröstliches Mittel damit die Hinterbliebenen einen wiedererkennen können. Dieser Bus hatte noch einen Vorteil - eine Toilette. Was soll ich sagen, die von uns nicht benötigt wurde. Zunächst ging die Fahrt wieder die Berge hinauf, dann durch die weiten Ebenen. Immer weiter und weiter durch die grandiose Gebirgslandschaft. Nach guten 6 Stunden Fahrt kamen wir dann in Puno an. Schnell fanden wir zu unserem Hotel, hier direkt an der Plaza.

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Puno selbst kam uns so vor wie Blankenese, nur in einem Riesenformat. Ansonsten hat die Stadt nicht viel zu bieten. Eine Kirche und eine Fußgängerzone. Wir gingen zunächst in die Fußgängerzone und suchten die Reiseagentur, bei der wir die Tour inklusive Übernachtung auf dem Titicacasee gebucht hatten. Hier sei angemerkt, die Attraktion ist nicht die Stadt Puno, sondern der Titicacasee. Im Reisebüro wurden wir dann über den weiteren Ablauf informiert - wecken um 5.00 h usw. Die nette Dame bekam mit, ich hatte ein Problem mit Fuß und Arm. Auf Reisen haben wir zwar immer eine kleine Notapotheke mit, so hatten wir eine gute Salbe gegen Prellungen, aber die mitgeführte Mullbinde gab weder Fuß noch Arm den notwendigen Halt. So kam die Dame kurzerhand mit in die Apotheke, wo wir erst zwei Elastikbinden erstanden. Zurück im Hotel verarztete Rolf mich erst mal, danach kam ich mir vor wie eine wandelnde Mumie. Trotzdem machten wir uns auf die Stadt zu erkunden. Erstes Ziel war die Kirche, dann ging es durch die Fußgängerzone. Hier gibt es zahlreiche Restaurants, der kulinarische Höhepunkte sich aber nur knapp über den Boden halten. Daneben unzählige Souviniershops - mein Gott - gibt es einen Schrott zu kaufen. Dazwischen aber ein paar Geschäfte, da konnte man wirklich gute Bekleidung aus Alpaka und ähnlichem erstehen. Verständlich, diese Sachen hatten ihren Preis. Wir schlenderten aus der Fußgängerzone heraus und kamen zum Marktplatz, etwas später kamen dann Bahngleise. Interessant ist es in die Hinterhöfe zu schauen. Wunderschöne Fußböden gibt es hier, zumindest die Überreste kann man hier und da bewundern. Wir fanden für das Abendessen ein Restaurant in einer Seitenstraße, das Essen war halbwegs gut. Die Sonne war lange unter gegangen und es wurde bitterkalt.

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Einmal wieder war die Nacht viel zu früh zu Ende - Aufstehen um 4.30 h war angesagt. Die Hotels sind aber auf diese Stunden eingestellt, wir haben immer ein vernünftiges Frühstück bekommen. Ehrlich - ohne Frühstück kann man zu so einer Stunde den Tag gar nicht beginnen. Mit einem Kleinbus wurden wir abgeholt, nach uns noch einige andere Touristen. Es ging zum Hafen von Puno. Da wir vor hatten, auf einer der Inseln bei einer Familie zu übernachten, kauften wir noch ein paar Kleinigkeiten, von denen wir der Meinung sind/waren, die können von Nutzen sein (Reis, Batterien, Öl zum Kochen und Braten). Dann ging es mit einer Gruppe auf eines der kleinen Boote. Der Reiseführer berichtete erst einmal vom Titicaca-See. Wir lernten, mit Kaka - so wie der durchschnittliche Europäer das Wort ausspricht, hat das alles nichts zu tun. Der See liegt ca. 3.820 m über dem Meeresspiegel und ist damit der höchstgelegene schiffbare See der Welt. Die größte Tiefe erreicht der Titicaca See mit 284 m in seinem nordöstlichen Abschnitt. Gespeist wird der See durch mehr als 25 Flüsse, wobei es nur einen einzigen Abfluss gibt, den Río Desaguadero. Hier werden aber nur ungefähr 10% des überschüssigen Wassers abgeführt, die restlichen 90% verdunsten in der trockenen Luft. So nimmt der Wasserspiegel trotz kurzzeitiger Wasserhochstände kontinuierlich ab. Der Name des Sees soll auf zwei Aymara -Wörtern beruhen: titi heißt „Große Katze“ oder „Puma“ und kaka heißt „grau“. Der erste Inka, Manco Cápac soll über einen Felsen auf der Sonneninsel auf die Erde gestiegen sein.

Die schwimmenden Inseln gehören den Urus und sind eine der Attraktionen des Titicaca-Sees. Um sich vor den kriegerischen Inkas zu schützen, begannen die Urus schwimmende Inseln zu bauen. Hierfür wird das am See üppig wachsende Totora-Schilf kreuzweise, in mehreren Lagen, geschichtet. So entstehen die Schilfinseln, die weich und federnd, aber auch schwankend sind. Drohte ein Angriff, wurde die Verankerung der Insel gelöst und die Uros zogen sich mit den Inseln auf den See zürück. Auch die Boote für den Fischfang und die Matten für den Bau der Hütten bestehen aus dem Schilf. Die Urus sind sehr stolz auf ihre traditionelle Lebensweise und lehnen es strikt ab, auf das Festland überzusiedeln. Allerdings haben sie den Tourismus als Einnahmequelle entdeckt und erlauben heute Besuchern die nachgiebig-schwankenden Inseln zu besuchen. Genau das taten wir dann auch, wir besuchten diese Inseln. Deutlich war zu merken, ja - die Urus haben den Tourismus als Einnahmequelle entdeckt. Insofern ist es für uns schwer zu unterscheiden gewesen, was ist ursprünglich und was ist einfach nur Show. Der Reiseführer erzählte und erklärte etwas über die Urus und es wurde gezeigt, wie eine solche Insel gebaut wird. Immerhin, alle 25 Jahre muss die Insel erneuert werden, dann fängt sie an zu vergammeln. Selbstverständlich konnte man auch einige Souvenire kaufen. Eine Fahrt mit einem Schilfboot stand auch auf dem Programm. Zum Abschied versammelten sich die Frauen der besuchten Insel und trugen Lieder vor. Aber keine peruanischen Gesänge drangen an unsere Ohren, nein, irgendein gewitzter, höchstwahrscheinlich jung, dynamisch und ohne Gewissen und Verstand arbeitender Jungmanager (wie heutzutage üblich), war wohl der Meinung, Lieder aus den Ländern der Gäste wären wesentlich schöner. So wurden dann wohlbekannte Lieder aus dem guten, alten Europa vorgetragen, so was wie Vater Jakob usw. - Schade!

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Die Fahrt auf dem Schilfboot dauerte nicht lange, dann landeten wir bei einer anderen Schilfinsel. Auch hier konnte man noch einige Andenken kaufen, wenn man denn wollte. Dann ging es mit dem Motorboot weiter über den See. Wir fuhren zur Insel Amantani. Die Fahrt sollte gute drei Stunden dauern. So kamen sich die Gäste die sich auf dem Boot befanden und aus aller Herren Länder kamen, näher. Eigentlich verstehen wir uns mit fast jeden gut - man will ja schließlich nicht heiraten. Aber dieses Mal war einer auf dem Boot, ein wahrer Idiot. Um nicht irgendwelche rassistische Dinge zu schüren, beschreibe ich den Typen jetzt nicht näher. Kurz gesagt, es gibt halt ewig gestrige, obwohl teilweise gar nicht so alt. Leute - wir fahren in den Urlaub und andere Länder, Kulturen und Menschen kennen zu lernen. Wenn ihr das alles nicht wollt, und alle anderen Menschen nur doof und dumm für Euch sind - bleibt doch einfach zu Hause, am besten schließt Euch ein und werft den Schlüssel weg. So - genug der unangenehmen Mitmenschen. In Amantani angekommen warteten schon die Frauen der Gastfamilien auf ihre Gäste. Wir wurden der Familie von Jolanda zugeteilt, zusammen mit drei wirklich netten Damen aus Holland. Vom Hafen aus ging es erst einmal sehr steil bergauf, aber mit so einigen Pausen meisterten wir auch diesen Weg. Dann auf das Zimmer, gleich darauf gab es in der Küche erst einmal einen Tee. Es stellte sich heraus, die eine Dame aus Holland, Helma, sprach sehr gut Quechua. Das half natürlich ungemein, um sich mit unserer Gastfamilie zu verständigen.

Nach dem Tee gingen wir dann zum Sportplatz der Insel, von wo aus es einen sehr steil bergauf ging. Die Insel hat zwei Hügel, "Pacha Tata" (= Vater Erde) und "Pacha Mama" (= Mutter Erde) - jetzt kletterten wir auf einen dieser Hügel. Sie tragen archäologische Reste, es sind Kultstätten aus alter Zeit. Ich brauchte mit dem kaputten Fuß natürlich eine ganze Zeit bis ich oben war. Außerdem wurde es richtig kalt, obwohl die Sonne noch nicht unter gegangen war. Was für ein Glück, ich hatte entsprechende Wetterkleidung mit. Man darf halt nicht vergessen, die Jahresdurchschnittstemperatur am Titicaca-See beträgt man gerade 10°C - 12°C - mehr nicht. Oben angekomment konnten wir die Reste einer der Kultstätten ansehen und den Sonnenuntergang bestaunen. Sofort, nachdem die Sonne untergangen war, stiegen Rolf und ich wieder hinunter. War uns doch bewusst, es wird jetzt sehr schnell dunkel und auch den Weg hinunter würde ich nicht mit großer Geschwindigkeit hin bekommen. So kamen wir dann auch als letzte den Berg runter. Frierend wartete Jolanda unten auf uns, froh zu sehen das uns nichts passiert war. Jetzt gab es erst einmal Abendessen bei der Familie. Danach sollte es zum Tanz gehen. Dafür mussten sich alle Touristen wie die Einheimischen kleiden. Jolanda half mir in die drei Röcke, samt diverser Gürtel, die als Korsett dienen. Dann noch Unterhemd und Bluse und die Kopfbedeckung nicht vergessen. Rolf musste nur einen Poncho anziehen und eine der komischen Mützen aufsetzen. Der "Tanz" fand im Gemeindehaus statt. Es gab ein paar Bier und die Bewohner der Insel führten einige Tänze auf, natürlich zu der Musik der "Kapelle", die aus den Jugendlichen des Dorfes bestand. Alle mussten tanzen, auch die Touristen. Das ganze war recht witzig, ich bezweifle aber, dass das alles so richtig was mit dem alltäglichen Leben der Inselbewohner zu tun hat. So gegen 10.00 h sind wir dann todmüde ins Bett gefallen.

Was für ein Luxus, wir konnten bis kurz nach 6.00 h schlafen. Dann gab es Frühstück und gleich danach ging es wieder zum Hafen. Zuvor überreichten wir der Familie unsere Mitbringsel, was für Freude sorgte. Ich glaube, die Batterien sind gut angekommen. Auf der Insel gibt es nur sehr, sehr begrenzt Strom. Am Hafen verabschiedeten wir uns herzlich von Jolanda. Das Boot nahm Kurs auf die Insel gegenüber mit dem Namen Taquile. Die Fahrt dauerte eine ganze Weile und es war noch recht kühl. So hatten Rolf und ich das Oberdeck fast allein, zwei junge Mädchen aus Israel waren bei uns. Herrlich - diese Ruhe. Wir sogen den Blick auf die scheinbar nahen Gletscher geradezu ein und ließen uns den Wind um die Nase wehen. Die Insel Taquile (oder Intika auf Quechua) ist 5,5 km lang und 1,6 km breit. Also mehr als geeignet einmal drüber zu wandern. So ging es dann auch vom Hafen aus steil bergauf. Heute noch wohnen auf der Insel ungefähr 1.700 Einwohner und leben noch heute nach den Traditionen und Gesetzen des Inka-Reiches. So vereint der Ältestenrat die gesamte Macht der Insel und es gilt das Gebot "Ama suwa, ama llulla, ama qilla " (nicht stehlen, nicht lügen, nicht faul sein). Lange Zeit gelang es den Einwohnern, sich vor den Spaniern so zu verstecken, dass sie diese Insel für unbewohnt hielten. Berühmt ist Taquile für seine Weberei und Strickerei , deren Textilprodukte zu den hochwertigsten in Peru gehören sollen. Das Spinnen, Weben und Stricken wird vor allem von Männern durchgeführt. Die Textilkunst von Taquile wurde im Jahr 2005 in die UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. Eine weitere Begebenheit erzählte uns der Reiseführer. Lernt ein junger Mann ein junges Mädchen kennen, so ziehen diese für ein Jahr erst einmal auf Probe zusammen. Im Elternhaus des Mannes teilen sie sich ein Zimmer und über praktisch die Ehe. Klappt alles, wird geheiratet, klappt es nicht zieht das Mädchen einfach wieder zu ihren Eltern zurück. Das alles ohne irgendwelche Nachteile. Ein ungewollter Kindersegen soll angeblich durch die Gabe eines Tees aus einer empfängnisverhütenden Pflanze gegeben sein. Mmmhhh.......

Die Landschaft der Insel ist wirklich hübsch. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke zum höchsten Punkt der Insel liegt der Hauptort. Hier gab es dann auch ein Mittagessen, welches o.k. war - mehr aber auch nicht. Rolf und ich probierten jetzt das erste Mal Inka-Kola. Oh je - stellt euch einen Kaugummi vor, der getrunken wird. Also, meine Geschmacksnerven signalisierten - nicht gut. Dann ging es weiter bergauf und wir gelangten bald an den höchsten Punkt der Insel, der immerhin 4.050 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Zur Erinnerung - die Wasseroberfläche des Titicaca-Sees ist auf 3.820 m. Man hatte einen tollen Blick über den See und dem glasklaren Wasser. Über Treppenstufen ging es auf der anderen Inselseite steil bergab. Auch dafür brauchte ich fast das doppelte an Zeit wie mit heilen Fuß. Unten wartet das Boot und es ging gute 4 Stunden zurück nach Puno. Die Zeit vertrieben wir uns mit Unterhaltungen. Ein Kanadier hatte eine Jokolele mit, und wir versuchten es mit singen. Keiner, wirklich keiner, konnte auch nur halbwegs singen - aber es war lustig. Bemerkenswert nur, wie schwer es war in dieser Höhe, überhaupt so etwas ähnliches wie Gesang hin zu bekommen. Unglaublich, wie wenig Luft man dort hat. Wie gesagt, ich mache fast jeden Tag Sport - trotzdem - Luft war knapp. Am späten Nachmittag kamen wir dann wieder in Puno an. Noch einmal schlenderten wir durch die Straßen, dann war auch dieser Tag zu Ende. Man könnte rund um den See noch so einiges entdecken, aber wir hatten ja mal wieder nicht genügend Zeit - ist wohl grundsätzlich so im Urlaub.