Þingvellir

Für diesen Tag hatten wir uns ein reichhaltiges Programm ausgedacht. Was heißt ausgedacht - warum das Rad neu erfinden, wenn es das schon gibt. Wir begaben uns auf den Weg des "Golden Circle", oder wie man in Island sagt " Gullni hringurinn", was soviel bedeutet wie "Goldener Ring oder Goldene Rundfahrt". Die meisten Touristen besuchen die drei wichtigsten und sehenswertesten Sehenswürdigkeiten von Island während eines Tagesausfluges von Reykjavik aus. Da man diese Sehenswürdigkeiten fast wie in einem Kreis abfahren kann der Name "Golden Circle".

Unser Weg führte uns erst einmal zum See Þingvallavatn zu dem Ort Þingvellir. Es handelt sich hier um eine altisländische Thingstätte, die Ebene der Volksversammlung. Ein Ort von wahrer historischer Bedeutung, war hier von 930 bis 1789 der Regierungssitz. Jedes Jahr wurde hier zwei Wochen lang das sogenannte Alþing abgehalten, quasi eine Gesetzgebende Versammlung. Wobei alle drei Gewalten - Legislative, Judikative und Exekutive - ausgeübt wurden. Nach den Griechen eine der ältesten Parlamente. Die Dänen lösten dann 1789 das Alþing auf. Im Jahr 1.000 wurde hier auch das Christentum beschlossen (woraufhin Þorgeir nach der Pingsitzung seine Götterbilder in den nächsten Wasserfall der seitdem seinen Namen hat - Goðafoss). Gleichfalls wurde hier 1944 die Unabhängigkeit vollendet. Die Dänen konnten nicht zu Verhandlungen erscheinen, so konnte durch einen Parlamentsbeschluss, also auch durch eine Volksabstimmung darüber entschieden werden, den Unionsvertrag mit Dänemark formell aufzulösen. Noch heute finden alle wichtigen Staatsfeierlichkeiten in Þingvellir statt. Pingvellir liegt mitten in der aktiven Vulkanzone am mittelatlantischen Rücken, also dort, wo die nordamerikanische und europäische tektonischen Platten aufeinanderstoßen. Sichtbar wird die "Tätigkeit" im Untergrund durch die imposanten Felsspalten und Risse. In den letzten tausend Jahren hat sich der Boden um 40 Meter gesenkt und das Land beidseits der Schlucht Almannagjá ist um 20 Meter auseinandergedriftet. Es gibt hier dann noch die scheinbar erste Kirche von Island zu sehen, die Þingvalla-Kirche. Daneben stehen noch fünf Holzhäuser, die auch noch bewohnt sind. Hier sind der Direktor des Nationalparks und der Pfarrer zu Hause. Seit 1939 ist hier auch der Ehrenfriedhof von Island, wobei bis dato nur drei Dichter hier begraben wurden, die sich im Unabhängigkeitskampf engagiert haben. Durch das Tal fließt der Fluss Öxará, wir wanderten zum Ende der Schlucht Almannagjá um uns den Wasserfall Öxarárfoss anzusehen. Teilweise war es so windig, da ging das Wasser nicht nach unter, sondern wurde nach oben weggeweht. Ein erstaunlicher Anblick - ein Wasserfall rückwärts, oder so ähnlich.