Thekkady - Periyar National Park

Der Tempel in Madurai war wirklich mehr als sehenswert und ein tolles Erlebnis. Trotzdem waren wir froh, als die Fahrt uns wieder in die Natur führte. Unser Ziel war der Periyar National Park bei Thekkady. Steil bergauf ging die Straße und führte durch ausgedehnte Gewürzplantagen hinauf in die Kardamom Hills, den südlichen Teil der Western Ghats. Im Ort Kumily findet sich eine reiche Anzahl an Hotels und man findet schnell eine Unterkunft nach seinen Geschmack. Als Ausgangspunkt ideal um den Park zu erkunden, befindet sich der Eingang ganz in der Nähe.

Wie schon erwähnt, in dieser Gegend gibt es viele Gewürzplantagen. Diese kann man gut besichtigen, natürlich findet sich auch jemand, der einem alles erklärt. Es handelt sich um den Besitzer eines der Läden im Ort und nach der Besichtigung sollte man dort etwas kaufen. Wir fanden es wirklich interessant, zwar kennen wir fast alle Gewürze und nutzen diese, aber wie sie wirklich aussehen? Hier bekommt man einen Eindruck davon. Beim schreiben kommt mir doch glatt der Geruch wieder "in die Nase". Wir fanden es schön, einmal zwischen Kardamom, Vanille, Pfeffer, Kaffee, Betlnuss und anderen Gewürzen umherzustreifen und die exotischen Blüten zu bewundern. 

Hier besuchten wir auch eine Kalarippayattu Vorführung. Es handelt sich hier um eine alte indische Kampfkunst, die noch heute im Süden verbreitet ist und deren Ursprung in Kerala zu finden ist. Die Idee war, unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Man ließ einfach zwei Kalarippayat-Kämpfer gegeneinander antreten, die für die Herrscher einen Kampf auf Leben und Tod austrugen. Diese Krieger galten natürlich als besonders furchtlos und ihren Herrschern ergeben. Während der Kolonialzeit sollen diese Krieger die Briten oft in Auseinandersetzungen verwickelt haben. So ist es nicht verwunderlich, dass die Ausübung während der dieser Zeit verboten wurde. Kalarippayat wird fast nur in ländlichen Gegenden praktiziert und gilt als eine reine indische Kriegskunst, frei geblieben von äußeren Einflüssen. Der Meister oder Lehrer ist in seinem Dorf meistens auch der Dorfarzt und sind im Behandeln von Knochenbrüchen, Quetschungen und Stauchungen sehr gefragt. Sie sind vertraut mit der Ayurveda Heilkunst, die damit verbundene Kalari-Massagen werden mittlerweile auch in der westlichen Welt bekannt. Das Kalarippayat ist eigentlich eine waffenlose Kriegskunst. Die Waffen, die doch eingesetzt werden, werden lediglich als Verlängerung des Körpers verstanden. Wir haben es nicht bereut, uns diese Veranstaltung einmal anzusehen, auch wenn sie uns verdeutlicht hat, etwas mehr Bewegung kann nicht schaden. Zu einem gesunden Geist gehört halt auch ein gesunder Körper, die Beweglichkeit des Körpers sollte eigentlich auch die Beweglichkeit des Geistes wiederspiegeln. Die jungen Männer des Ortes waren auf alle Fälle mit Eifer bei der Sache.

Bei Sonnenaufgang machten wir uns dann, in Begleitung eines Rangers, auf einen ersten Treck in den Nationalpark. Schon in den 1930er kam der damalige Maharadscha darauf, sich für den Schutz des Waldes und ein Jagdverbot einzusetzen. Die Gegend ist bedeckt von immergrünen Dschungel, Laubwald und Grasland. Zu den Bewohnern des Parks zählen große Elefantenherden, viele Hirscharten, Wildschweine und verschiedene Affenarten. Auch wilde Tiger gibt es hier. Aber nur in ganz abgelegenen Gegenden und selbst bei einem mehreren Tage dauernden Treck ist es eher unwahrscheinlich einen zu Gesicht zu bekommen. Nur langsam verzog sich während unserer Wanderung der Bodennebel. Mit Rolf und mir ging einmal wieder die Fantasie durch, was sahen wir nicht alles im Nebel. Etwas unheimlich wurde uns, als wir eine Elefantenherde hörten, aber nicht sahen. Dann ein merkwürdiges Geräusch, schnell wandten wir die Köpfe und wir sahen zum ersten Mal einen Hornbill mit eigenen Augen. Wir entdecken noch einiges Rotwild und verschiedene Vögel, unter anderem eine Art des King Fisher. Die Elefanten waren irgendwie die ganze Zeit in der Nähe, aber zu Gesicht bekamen wir keinen. Eine tolle Wanderung am Morgen.

Mitten im Schutzgebiet liegt ein weitverzweigter Stausee, der bereits 1895 errichtet wurde und das Wasser des Peryar River staut. Heute ist der See ein Ökosystem für sich und die Heimat zahlreicher Vogelarten. Wir wanderten am Nachmittag von Kumily zu diesem See. Unterwegs sahen wir wieder allerlei Tiere und bestaunten eine Affenherde - wir wurden wohl auch bestaunt. Hier trafen wir auch eines der indischen Riesenhörnchen. Dieses Hörnchen wollte wohl Fotomodell werden. Es posierte geradezu für die Kamera. Natürlich machten wir auch eine Bootsfahrt auf dem Stausee. Wir waren in der Trockenzeit unterwegs, entsprechend niedrig war der Wasserstand des Sees. Eine Menge Kormorane konnten wir sehen, die auf den Spitzen der abgestorbenen Bäume saßen, die aus dem aufgestauten Wasser ragen. Eine Familie von Ottern genoss die Sonne, ein Elefant hatte Durst und kam nach an das Ufer. Wir begrüßten noch eine Wildschweinfamilie und eine Menge Rotwild zog es auch zum Wasser.

So langsam konnte ich nicht mehr laufen, etliche Kilometer hatten wir zurückgelegt. Ein Transportmittel musste her. So beschlossen wir zu einem Elefantencamp zu fahren (ja, Bajyu hatte uns aufgegabelt). Hier gab es eine kleine Vorführung, was so ein Elefant alles kann. Dann ging es noch einmal durch die Berge, für mich wesentlich besser als zu Fuß. Viele Tiere bekamen wir allerdings nicht mehr zu Gesicht, trotzdem ein schöner Trip.