Tay Ninh - Cao-Dai-Sekte

Eine der schillerndsten Religionsgemeinschaften Asiens, wenn nicht sogar der Welt, hat in der Provinzhauptstadt Tay Ninh, an der Grenze zu Kambodscha, ihre Heimat. Graham Greene, von der Sekte und ihrem "Heiligen Stuhl" fasziniert, schauderte wie folgt:

"Christ and Buddha looking down from the roof of the Cathedral on a Walt Disney fantasia of the East, dragons and snakes in Technicolor."

Für manchen mag diese Mischung aus Ost und West, aus Buddhismus, Konfuzianismus, Katholizismus, Taosmus, Hinduismus, Islam und Tiger Balm Gardens interessant sein. Im Zeitalter von New Age und Esoterik stellt dies ja vielleicht eine Art Idealreligion für derart angehauchte Menschen dar.

Nach einigen Jahren der Repression unter der sozialistischen Regierung, nicht ganz unverständlich, hatten die Caodisten traditionell stets an der Seite der Fremdherrscher gestanden, kann die Sekte seit 1985 ihren Glauben (nicht aber ihre Politik) wieder so gut wie unbehelligt ausüben. Ihre bis an die Zähne bewaffnete Privatarmee beherrschte nach der Kapitulation der Japaner 1945 weite Teile des Südens und kollaborierte mit den Franzosen gegen den Viet Minh, andererseits bekämpfte sie aber auch Diem und den wachsenden Einfluss der Amerikaner. Während des Vietnamkrieges fungierte die Provinz Tay Ninh als einer der Endpunkte des Ho-Chi-Minh-Pfads. Die Khmer Rouge legten 1976 - 1979 weite Teile der Grenzregion in Schutt und Asche.

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Teilweise hatte die Sekte mehr als 4 Millionen Anhänger, bis zu 100.000 lebten allein auf dem Geländer des "Heiligen Stuhls", und bildete einen Staat im Staat mit eigener Verwaltung, eigenen Schulen und einer Armee. Heute beträgt die Zahl der Anhänger kaum mehr als ein Zehntel der ehemaligen Gemeinde, soll aber wieder in Wachstum begriffen sein.