Taman Negara

Taman Negara - das grüne Herz Westmalaysias. Übersetzt heißt Taman Negara nichts weiter als Nationalpark, so hat der einzige Nationalpark Westmalaysias keinen richtigen Namen. Insgesamt ist der Park 4343 Quadratkilometer groß, also fast doppelt so groß wie das Saarland. Mitten in diesem, von dichtem Dschungel überwucherten Gebiet, erhebt sich das Massiv des Gunung Tahan, des höchsten Gipfels der Halbinsel, umgeben von zahllosen Kalksteinbergen. Die einzigen Verkehrswege sind die Flüsse. So dauert die Fahrt von Kuala Tembeling bis zum Hauptquartier des Parks Kuala Tamban mit dem Boot zwischen 3 bis 4 Stunden - eine Herausforderung für das Hinterteil und die Beine. 

130 Millionen Jahre Evolution haben einheimische Pflanzen und Tiere mit außergewöhnlichen Fähigkeiten ausgestattet. Gerade unter den Pflanzen gibt es hochspezialisierte Einzelgänger, aber auch symiotische und parasitäre Verbindungen der unterschiedlichsten Art. Die Rattan-Pflanze hat zum Beispiel einen dicke Reben an einem riesigen Stamm; in ihren kleinen, zarten Ranken verheddert man sich leicht auf dem Weg durch den Dschungel. Auch in der Familie der Orchideen, die mehrere hundert Unterarten hat, gibt es Exemplare, die auf eine solche Mitnahmegelegenheit warten. Ein sehr ominöser Zeitgenosse ist die Würgeranke, die als harmloser Samen auf einen Baum fällt, dann zu einem kleinen Anhängsel auswächst und sich immer dichter um ihren Wirt schlingt, bis schließlich nichts mehr von ihm zu sehen ist. Nach 100 Jahren hat sie ihn erstickt und steht als hohle Spirale in der Landschaft, bis das Gewicht ihrer eigenen Schmarotzer sie zu Fall bringt.

Ein aufregendes Erlebnis ist es, bei Nacht durch den Dschungel zu spazieren. Man sollte dies unbedingt mit einem Führer tun. Schon am Tage stellt man fest, dass der Dschungel keineswegs ein Ort der Ruhe ist, das Summen der Insekten, das Zwitschern der Vögel ergeben eine akustische Kulisse, wie man sie in dieser Konzentration und Lautstärke nur von der Großstadt kennt. Von einem Hochstand aus kann man in der Dämmerung gut das Großwild des Dschungels beobachten. Häufig kann man Hirsche sehen, mit viel Glück einen Tapir - mit noch mehr Glück einen Elefanten oder malaiischen Tiger. Ist es ganz Dunkel geworden, flirren geisterhafte Lichter durch die Gegend; es sind Glühwürmchen und Leuchtkäfer mit ihren fluoreszierenden Körpern. Auf dem Boden glimmen trockene Blätter, die von leuchtenden Flechten überzogen sind. Im Unterholz trifft man auf Spinnen, Frösche, Schlangen und Kröten. Bei uns ist der Respekt vor den Kreaturen des Waldes und den Menschen, die dort leben, gewaltig gestiegen. 

Großen Spaß mach auch die Beobachtung von Vögeln. Auf dem Canopy-Walkway kann man das hervorragend realisieren. Etwas Schwindelfrei sollte man schon sein. Geht es doch bis in die Baumwipfel. Schaukelt ganz schön, da oben - aber macht wirklich Spaß.

Den Tembeling River hinab geht es zur Goa Telinga - der Ohrenhöhle, unter deren niedrigen Decke tagsüber Fledermäuse hängen. Der Eingang ist eine winzige Spalte im Fels. Zunächst geht es durch eine enge Passage durch die man sich vorarbeiten muß. Es geht durch einige Schlammstellen und den zentimeterdicken Mist der Fledermäuse - Ausgehkleidung ist hier nicht angesagt. Schließlich kommt man in eine mannshohe Höhle, in der beim Licht der Taschenlampen die zwei verschiedenen Arten von Fledermäusen, die hier leben, zu sehen sind. Die eine Art, die sich von Früchten ernährt, versammelt sich in der Nähe der Risse, durch die ein wenig Sonnenlicht flutet; die Spezies, die sich von Insekten ernährt, drückt sich in die dunklen Ecken. Kröten von der Größe einer starken Faust beäugen das Ganze, und eine lange weiße Schlange, die sich ausschließlich von den Höhlenbewohnern ernährt, hängt von der Decke und schlägt von hier aus ihre Zähne in eine fiepende Maus. Auf dem Boden wimmelt es von großen Spinnen und Schaben, wie in einer Szene aus Indiana Jones.

Gut baden kann man am Lubok Simpon. Natürlich kann man auch hervorragend Angeln, die Berge besteigen und tagelang durch den Dschungel wandern.