Richtung Westen nach Selfoss

Weiter ging es heute Richtung Westen - die Ringstraße ist einmal mehr die Richtschnur für unseren Weg. Etwas hinter Kirkjubæjarklaustur beginnt das Lavafeld Eldhraun, auf Deutsch bedeutet das Feuerlava. Dieses Lavafeld entstand bei einem Ausbruch des Laki-Krater im Jahre 1783 und hat eine Größe von guten 600 qkm. Die Lava ist hier mit einem dicken Teppich aus Zackenmützenmoos bedeckt, was dem Boden eine grau/grüne Farbe verleiht. So sahen die eh schon skurrilen Lavaschollen noch skurriler aus. Unvermeidlich, wir kamen dann auch an Laufskálavarða vorbei. Hier stand früher einmal der Bauernhof Laufskógar der bei einem Vulkanausbruch der Katla 804 zerstört wurde. Jeder, der hier zum ersten Mal hinkommt, baut ein Steinmännchen. Von Reisenden zu Reisenden weiter gegeben scheint dies jetzt eine Art Tradition zu sein.

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Einmal wieder durchquerten wir eine Sanderfläche, den Mýrdalssandur. Die Gletscherläufe des Vulkans Katla, der unter dem Eis des Mýrdalsjökull liegt, sind für die Entstehung dieser Sanderfläche verantwortlich. Immerhin verschob sich die Küstenlinie nach einem großen Gletscherlauf 1918 um einen halben Kilometer Richtung Süden. Am Ende des Mýrdalssandur liegt die Vulkaninsel Hjörleifshöfði. Fasziniert blickten wir auf diese Insel, die vulkanischen Ursprungs ist. Zu Urzeiten war die 221 Meter hohe Insel von Meerwasser bedeckt. Im Laufe der Jahrtausende hob sich die Insel und war eine richtige, vom Meer umspülte Insel. Etliche Gletscherläufe der Vergangenheit spülten soviel Sand und Geröll mit sich, dass die Insel jetzt nicht mehr Meerumschlungen war, sondern sich mittlerweile auf dem Festland befand. Der Fjord war mit Wasser angefüllt. Durch den schon erwähnten Ausbruch des Katla wurde dann noch einmal soviel Sand, Stein und Geröll heruntergespült, dass die Landzunge Kötlutangi jetzt weit ins Meer hinausreicht, die Insel liegt gänzlich auf dem Trockenen. Wann kann man schon einmal eine Insel trockenen Fußes umrunden und sehen, was sonst das Meer verbirgt? Quasi Tauchen ohne Tauchgerät. Kurzentschlossen umrundeten wir die Insel und staunten der bizarren Formen und der Höhlen, die die Brandung in den Fels geschliffen hat. 

Am Fluss Múlakvísl bogen wir noch einmal von der Ringstraße ab, dieses Mal Richtung Inland. Wir durchfuhren eine geradezu malerische Landschaft. Grün bewachsene Berge tauchten aus dem Nebel auf. Wir kamen an verfallenen Hütten vorbei, die an und in die Felswände gebaut wurden. Warum und wieso, wir haben es nicht in Erfahrung bringen können. In einem Reiseführer wird vermutet, es handele sich um Filmkulissen. Nur - für welchen Film? Vom Aussichtspunkt Höfdabrekkuheidi hat man eine grandiosen Blick auf den Múlakvísl der sich vom Selfjall aus seinen Weg ins Meer bahnt. Das trübe, graue Wasser riecht hier deutlich nach faulen Eiern, ein Zeichen für den aktiven Vulkanismus unter dem Eis des Mýrdalsjökull. Unter diesem Gletscher verbirgt sich der Vulkan Katla. Da wachsende Wassermengen dieses Flusses ein wichtiger Indikator für bevorstehende Vulkaneruptionen der Katla sind, wird er sehr genau überwacht. Wir kamen nach Pakgil, einer tollen Schlucht mit Campingplatz. Dieser Platz hat nur im Juni und Juli geöffnet. Auf den Weg dorthin mussten wir durch einen Fluss fahren, der aber nicht viel Wasser führte. So war die Durchfahrt mehr ein großer Spaß und unser Auto wurde ein wenig sauberer. Trotzdem, immer Vorsicht, wenn es mit dem Auto durch Flüsse geht. Auch wenn der Fluss nicht viel Wasser geführt hat, so sind wir erst einmal recht langsam hindurch gefahren. Am Campingplatz gibt es eine Lavahöhle, die als Esszimmer benutzt wird. Wir fuhren dann noch weiter ins Inland, ein weiterer Fluss musste durchquert werden. Wieder eröffnete sich uns ein wunderhübsches Tal, mit Wasserfall am Ende und allem drum und dran. Leider war der Weg dann so weit ausgefahren, dass wir mit unserem Fahrzeug nicht mehr weiter kamen - wir hatten einfach nicht genug Bodenfreiheit. So blieb uns nichts anderes übrig, als die Strecke die wir gekommen waren wieder zurück zur Ringstraße zu nehmen.

In Vik angekommen machten wir eine kleine Pause und betrachteten die drei Felsnadeln, die das Wahrzeichen der Gegend darstellen. Diese Felsnadeln haben natürlich auch Namen - Skessudrangar, Landdrangar und Langhamrar. Sie sind bis zu 66 Meter hoch und natürlich gibt es eine Geschichte dazu. Es sind nämlich gar keine Felsnadeln, es handelt sich hier um versteinerte Trolle, die von der aufgehenden Sonne überrascht wurden, als sie Schiffbrüchige an Land ziehen wollten. Wir verließen Vik und fuhren nach Reynisfjall. Hier gibt es auch einen wunderschönen Strand mit schwarzem Lavasand. Bemerkenswert die Höhle Hálsanefshellir die mit schönem Säulenbasalt geradezu verziert ist. Von hier hat man auch einen guten Blick auf Kap Dyrhólaey. Selbstredend, wir fuhren danach auch zu diesem Kap - mit deutschen Namen Türlochfelsen. Das Loch im Felsen, welches die Brandung hier hineingefressen hat, ist so groß, da kann man sogar mit einem Boot durchfahren. Entsprechende Touren mit Landungsbooten werden angeboten. Entstanden ist der Felsen vor guten 80.000 Jahren durch einen Vulkanausbruch unter Wasser.

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Ein weiterer Halt an diesem Tag war bei dem Sólheimajökull, einer Gletscherzunge des Mýrdalsjökulls. Eine fürchterliche Piste führt entlang des Jökulsa a Solheimasandi bis zur Gletscherzunge. Hier kommt man wirklich direkt an den Gletscher heran. Zuerst muss man aber die Schotterfläche überwinden, die der sich zurückziehende Gletscher hinterlassen hat. Achtung, das schwarze Geröll gibt an einigen Stellen extrem nach und man kann hier ziemlich tief einsinken. Das Eis des Gletschers ist auffällig mit schwarzen Schichten durchzogen, die von den Ascheregen früherer Vulkanausbrüche stammen. Von hier kann man auch geführte Wanderungen auf den Gletscher unternehmen, Steigeisen zum klettern auf dem Eis werden gestellt. Wir schauten direkt in das Gletschermaul - was für ein Anblick. Der Fluss soll extrem nach Schwefel riechen, Grund einmal mehr die vulkanische Aktivität unter dem Eis. Uns ist der Geruch allerdings nicht in die Nase gestiegen. Leider hatten wir nicht mehr genug Zeit uns auch einer der geführten Touren anzuschließen. Trotzdem hat sich der Ausflug gelohnt.

Es erwartete uns der Ort Skógar mit sage und schreibe 24 Einwohnern. Zuerst besuchten wir das Heimat- und Freilichtmuseum des Ortes, wobei wir uns auf das Freigelände beschränkten. Zuerst kommen die Grassodenhäuschen, die verdeutlichen in welch ärmlichen Verhältnissen die Bauern des 19. Jahrhunderts lebten. Die Häuser sind begehbar, so dass man sich die gute Stube, den Vorratsraum und den Schlafraum ansehen kann. Für die Erbauung dieser Häuser verwendete man Treibholz, die Wände bestehen aus aufgeschichtetem Tuffgestein und Basalt, die mit großen Steinplatten bedeckt sind. Das Dach besteht, wie der Name dieser Häuser verrät, aus Grassoden. Die Schule, die zum Museum gehört, stand einmal in Litli-Hvammur und wurde dort 1901 erbaut. Auch das erste Holzhaus der Region wurde hier wieder aufgebaut; es besteht zu 100 % aus Treibholz. Man scheute wirklich keine Mühen, ein ganzes Gehöft wurde hier wieder aufgebaut, samt Kuhstall und darüber liegendem Wohnraum, Schuppen, Küche und gute Stube - alles kann bestaunt werden. 

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Es folgte die zweite Attraktion dieses kleinen Ortes - der Skógafoss. Nachdem sich die Küstenlinie Richtung Süden verschoben hatte, blieb über hunderte von Kilometern ein Steilabfall Richtung Meer zurück. Über eine solche Stelle ergießt sich der Skógafoss über eine Breite von 25 Metern 60 Meter in die Tiefe. Der Wasserfall wird gespeist durch die Skóga. Interessant noch, Skógar liegt unterhalb des Eyjafjallajökull, der im Frühjahr 2010 durch seinen Ausbruch für Schlagzeilen sorgte. Jetzt sah man aber gar nichts mehr von dieser Katastrophe. Wir sind gar nicht mehr erstaunt, auch zu diesem Wasserfall gibt es eine Geschichte. Einer der ersten Wikingersiedler in dieser Gegend, Þrasi Þórólfsson, vergrub einen Goldschatz in einer Höhle hinter dem Skógafoss. Þrasi riet einer Frau ihren Sohn auf seinen Namen zu taufen und bis zu seinem 12. Lebensjahr nur mit Schafs- und Pferdemilch aufzuziehen. Wenn er dann zum Wasserfall geht, würde er die Goldkiste finden. Jedoch ging der junge Þrasi zu früh zum Wasserfall und fand nur den Griff der Schatzkiste. Die Sonne stand schon relativ tief, so wurde der Wasserfall, zu unserer großen Freude, durch einen herrlichen Regenbogen verziert. Teilweise kann man sehen, wie auf natürliche Art und Weise das Licht polarisiert wird. Stürzt das Wasser eher mit bräunlicher Farbe über die Klippe, so sind die schäumenden Wassermassen im Einzugsbereich des Regenbogens richtig weiß.

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Unser Tag war aber noch nicht zu Ende. Wir kamen jetzt zum Seljalandsfoss der auch über die ehemalige Küstenlinie 66 Meter in die Tiefe stürzt. Die Sonne schien direkt auf diesen Wasserfall, das Licht war atemberaubend und ein schöner Regenbogen tat sich auch hier auf. Das besondere an diesem Wasserfall ist, man kann komplett um ihn herumgehen. Wer hat denn schon mal einen Wasserfall von hinten gesehen? Für uns war das schon ein Erlebnis der besonderen Art durch den Wasserschleier auf das Land draußen zu blicken. Auch dieser Wasserfall liegt unterhalb des großen Gletscherschildes Eyjafjallajökull. Zurück auf der Ringstraße wurde diese gerade repariert, scheinbar hatte diese durch den Gletscherlauf im Frühjahr etwas gelitten. 

Nun mussten wir uns aber wirklich beeilen um noch zu einer halbwegs zivilisierten Zeit zu unserer Unterkunft in der Nähe von Selfoss zu gelangen. Zu unserem Glück habe ich auch noch eine wichtige Abfahrt verpasst und wir mussten einen ziemlichen Umweg fahren bis wir nach Hveragerði gelangten. Den Schlüssel zu unserer Hütte sollten wir einen Ort vorher an einem Hotel abholen. Dort angekommen war keine Menschenseele zu finden. Wir fragten an einem Haus in der Nähe und eine wirklich nette Frau rief dann jemanden an, der uns den Schlüssel brachte. Zum Glück fanden wir im Ort ein Restaurant, so war für das Abendessen auch gesorgt. Das war vielleicht ein ereignisreicher Tag.