Ooty

Unser Weg führte uns weiter, über die sich in Auflösung befindende N212 (gem. Zeitungsbericht die gefährlichste und unfallträchtigste Straße Indiens), in Richtung der Nilgiri-Berge. Von der Hitze der Ebenen ging es hinauf in die Berge zum ca. 2000 m hoch gelegenen Ooty. Der Ort wurde im 19. Jahrhundert von den Briten als Residenz der Madras-Regierung gegründet. Der Ort entwickelte sich rasch, ein See wurde angelegt und die Plantagenwirtschaft hielt Einzug in diese Gegend. Vor allem Obst, Tee und Gemüse gedeihen auf dem fruchtbaren Boden. Noch heute versorgt Ooty die Großstädte des Südens mit Kohl, Karotten und Kartoffeln. Beeindruckend die riesigen Teeplantagen.

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Queen of the Hills wird Ooty auch genannt und kann, obwohl der Ort auf uns einen schmuddeligen Eindruck machte, als Luftkurort bezeichnet werden. Recht erfrischend ist es auf dieser Höhe, gegen Abend gingen die Temperaturen auf die 10°C zurück. Waren wir froh über unsere dicken Pullover, die wir bei unserer Abreise anhatten. Viele Inder kennen solche Temperaturen nicht, so war es ein merkwürdiger Anblick zahlreiche indische Touristen mit dicksten Wollmützen und Ohrenschützern zu begegnen. Eine Kleiderordnung die wir bei Minusgraden nutzen würden - also so kalt empfanden wir es nun wirklich nicht. Zahlreiche Hotels stehen zur Auswahl, mit vernünftigen Restaurants wird es schon schwieriger. Der Ort dient als Ausgangspunkt für Wanderungen, einige Wasserfälle gibt es in der Nähe. Im Ort selbst ist der Botanische Garten entlang einem Hügel sehenswert. Wenn auch total überlaufen, so kann man hier seltene Bäume, Orchideen, Rosen und andere Pflanzen bewundern.

Für Blumenliebhaber muss der Rosengarten ein wahres Paradies sein. An einem Hügel gelegen, werden hier sämtliche bekannten Rosenarten gepflanzt. Einen schönen Blick über den Ort hat man auch. Koloniale Atmosphäre kommt rund um das alte Collectors Office auf, wo auch die St. Stephens Church steht. Die Briten legten im Ort einen See als Wasserreservoir an. An dessen Ufer gibt es so etwas wie einen Rummelplatz. Zahlreiche Tret- und Ruderboote stehen zur Verfügung, einige Karussells gibt es auch. Die Anlage wirkte allerdings schon ziemlich heruntergekommen. Im See liegen die ausgebrauchten oder defekten Boote im Uferbereich. Für die indischen Touristen schien es allerdings ein Highlight zu sein. Lohnenswerter fanden wir den Ausblick vom Kodonat-Aussichtspunkt. Auch dieser ist ziemlich überlaufen, aber der Blick auf das Mysore-Plateau ist schon ein Erlebnis.

Das absolute Highlight war für uns die Fahrt zurück in die Ebene mit der Nilgiri Blue Mountain Schmalspurbahn. Am Bahnhof von Ooty ging die Fahrt um 15.00 h los. Gute 4 1/2 Stunden sollte die Fahrt hinunter in die Ebene nach Mettupalayam dauern. Die 46 km lange Fahrt geht durch 16 Tunnel, elf Bahnhöfe und 19 Brücken. Mitunter bekommt man den Eindruck, zu Fuß wäre man erheblich schneller, mit dem Bus wäre man es auch. Aber die Ausblicke, die sich einem während der Fahrt eröffnen sind einfach atemberaubend. Von den Teepflanzern und britischen Bewohnern der Nilgiri finanziert, wurde die Strecke zwischen 1890 und 1908 gebaut. Ein Schweizer Zahnstangensystem, welches den kleinen Lokomotiven ermöglicht extreme Steigungen zu bewältigen, wurde genutzt. Von Ooty bis Conoor wird noch eine Diesellok genutzt, ab Conoor geht es dann mit einer Original Dampf-Lokomotive weiter. Nur diese hat die Vorrichtung für das Zahnstangensystem. Richtig romantisch hört sich das Pfeifen und Schnauben an, welches über die Täler hallt. In Mettupalayam angekommen wartete unser Fahrer Bayju schon um uns auf einer irrsinnigen Fahrt nach Coimbatore zu bringen, wo wir übernachteten. Ehrlich - wir sind nicht zu ängstlich, aber eine Autofahrt in Indien bei Dunkelheit sollte man vermeiden. Gut, dass wir einen routinierten Fahrer hatten.