Mývatn - Námaskjað - Krafla - Jarðböð

Der Mývatn ist ungefähr 100 km von Akureyri entfernt und kann als einer der Höhepunkte einer jeden Islandreise angesehen werden. Übesetzt bedeutet Mývatn der Mückensee - diese, in Island nicht stechenden, Plagegeister sind aber auch eine gute Beute für Fische und Vögel. So ist der Mückensee auch für seine Artenvielfalt bekannt. Entstanden ist der See durch einen Vulkanausbruch vor 3.800 Jahren. Die ausfließende Lava verschloss das Mývatnbecken, so konnte der See entstehen. Sein heutiges Aussehen verdankt der See einen weiteren Vulkanausbruch vor 2.000 Jahren. Heute hat der See eine Fläche von 37 qkm mit einer Uferlänge von 70 km. Tief ist der See nicht gerade, die mittlere Wassertiefe beträgt 2,5 - die größte Tiefe beträgt 4,5 m. Neben zwei Zuflüssen mit kaltem Wasser, wird der See aber noch von Quellen unter dem durchlässigen Untergrund mit ca. 20°C warmen Wasser gespeist. Daher friert der See im Winter auch nicht vollständig zu. Das ganze Gebiet ist auch heute noch vulkanisch aktiv, da die Grenze zwischen der Eurasischen und der Amerikanischen Kontinentalplatte hier verläuft.In dieser Gegend finden sich extrem viele Arten von unterschiedlichen Vulkankratern, ungewöhnliche Lavaformationen, kochende Schlammtöpfe und farbenfrohe Geothermalgebiete. Kürzer ausgedrückt - es gibt sehr viel zu entdecken.

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Eines der bekanntesten Solfatarengebiete von Island ist das von Námaskjað (in einigen Quellen wird das Gebiet auch Hverarönd genannt). Was ist eigentlich ein Solfatar? So nennt man Stellen, an denen Wasserdampf, richtiger Schwefel und andere Mineralien aus der Erde austreten. Hier finden wir laut blubbernde Schlammtöpfe und zischende Hügel aus denen Dampf austritt. Das ganze wird begleitet durch den Geruch fauler Eier, dem Schwefelgeruch. Die Schlammtöpfe haben eine Farbgebung von lebhaft schwarz/grau bis blau. Daneben sind in allen möglichen gelblichen Tönen die Schwefelablagerungen. Um das ganze abzurunden, auch noch rötliche Farbe durch das austreten von Eisenoxiden. Der Boden ist warm bis heiß und man sollte sich nicht von den ausgeschilderten Pfaden bewegen. Teilweise kann der Boden bis zu 100 °C heiß sein. Das hält keine Schuhsohle aus, also Vorsicht. Außerdem soll das Gebiet auch noch möglichst lange erhalten bleiben. 

Direkt hinter dem Solfatarengebiet (vom Parkplatz aus gesehen) ist der Námafjall, der Bergwerksberg. Seinen Namen verdankt er dem Schwefelabbau, der hier noch bis in das 19. Jahrhundert stattfand. Der Berg ist ein aktiver Vulkan, der zum Kraflasystem gehört. Bedeckt ist der Berg auch mit Solfataren und Fomarolen (= Dampfaustrittsstellen; zumeist handelt es sich um Wasserdampf und vulkanische Gase). Wir sahen, wieder vom Parkplatz aus gesehen, auf der linken Seite einen Pfad den Berg hinaufführen. Diesen nahmen wir und kletterten die 482 Meter den Berg hoch. Nehmt diesen Pfad nicht! Der hört nämlich gute 100 Meter unter dem Gipfel auf und man muss zusehen, wie man die glatte Felswand hinauf kommt. Ich nehme es mal vorweg, auf der rechten Seite ist ein sehr schöner Pfad den Berg hinauf. Völlig außer Atem kamen wir oben an, aber mit frischer Luft war hier nichts - der Schwefelgeruch war wirklich stark (wie auch schon unten, aber da haben wir uns nicht so angestrengt). Die Aussicht über das Hochtemperaturgebiet ist einfach genial. Man wanderten ein wenig durch die Dampfschwaden und genossen die Umgebung. Auch wenn der Aufstieg mehr als anstrengend war, es hatte sich gelohnt. Nachdem wir uns den Gipfel ausgiebig angesehen hatten und die Landschaft versuchten förmlich in uns aufzunehmen, nahmen wir den leichteren Weg bergab. Immer wieder sind wir angehalten, weil es wieder etwas Neues zu entdecken gab. Zurück am Parkplatz überlegten wir uns, was wir uns als nächstes ansehen wollten. Die Attraktionen in diesem Gebiet sind vielfältig, also mussten wir uns entscheiden, was wir noch so entdecken wollten.

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Wir entschieden uns dafür, weiter zum Krater der Krafla, der Stóra Viti, zu fahren. Wie schon erwähnt, gehört die Krafla zur aktiven Vulkanzone Islands. Der Krater Viti entstand bei einem Ausbruch im Jahre 1724 und der Name spricht eigentlich für sich, um zu beschreiben was damals geschah - Viti = Hölle. Man nennt diesen Ausbruch auch das "Mývatn-Feuer". Das Land war damals im Umkreis von 10 km hoch mit schwarzer Asche bedeckt. Ausbrüche bis vor 100.000 Jahren sind nachgewiesen. In diesen vorgeschichtlichen Ausbrüchen muss die Caldera entstanden sein. Es kam aber immer wieder zu heftigen Ausbrüchen, der Mývatn entstand dadurch, es bildeten sich Spalten und die Umgebung veränderte immer wieder ihr aussehen. Die letzte große Ausbruchsserie nennt man das Krafla-Feuer und ist noch gar nicht so lange her, wir sprechen hier von den Jahren 1975 bis 1985. Es kam zu Grabenbildungen und noch immer dampfen die Solfatare und Fumorolen. Teilweise weiteten sich die Spalten während dieser Zeit um bis zu 900 mm. Mittlerweile sprechen die Wissenschaftler davon, ein erneuter Ausbruch in diesem System sei überfällig. Deutlich erinnern wir uns an die Diskussion und die Befürchtungen aus dem Frühjahr diesen Jahren (2010) als der Eyjafjallajökull ausgebrochen ist. Unser Weg führte uns erst einmal entlang der Dampfrohre des Kraftwerkes. Man fährt dann fast durch das Kraftwerk hindurch, eine Rohrbrücke überquert hier die Straße. Kurze Zeit später erreicht man dann einen Parkplatz. Natürlich geht es erst einmal sehr steil den Berg hinauf. Der Blick auf den türkisblauen See entschädigt für die Anstrengung. Wir umrundeten den 320 Meter im Durchmesser großen See. Der Krater selbst hat eine Tiefe von 33 Metern. Auf der gegenüberliegenden Seite des Parkplatzes kommt man nach einen weiteren Abstieg an einigen Solfataren vorbei. Es eröffnet sich bei der Umrundung ein wunderschöner Blick auf die Umgebung, auch auf die Spalte Leihnjukur, aus der noch immer Schwefeldämpfe austreten. Auch hier kann noch eine sehr schöne Wanderung machen, wir hatten aber andere Pläne.

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Wir wollten jetzt etwas entspannen und fuhren ein wenig die Strecke zurück zum Naturbad Jarðböð. Hier kann man in dem warmen Wasser die Umgebung betrachten und im warmen Wasser entspannen. Wenn nur nicht der Weg von der Umkleidekabine bis zum Wasser wäre - puh - war das kalt. Wie gesagt, das Wasser ist aber warm und hat eine konstante Temperatur von 36°C - 40°C. Gespeist wird die Lagune über Leitungen die vom Bohrloch der Nationalen Energieversorgung in Bjarnarflag bis hier reichen. Dabei wird das Wasser mittels Dampfdruck durch die gut 1 km lange Leitung gepumpt. Allerdings, wenn das Wasser an der Lagune ankommt, hat es noch gute 130°C und wird erst einmal gekühlt. Es handelt sich hier also nicht um eine natürliche Lagune, sonder um eine rein künstlich geschaffene. Der Boden ist mit Kiesel und Erde bedeckt. Aufgrund der Zusammensetzung des Wassers gedeihen in der Lagune keinerlei unerwünschte Bakterien und es kommt zu keinen unerwünschten Pflanzenbewuchs, sodass der Zusatz von Chlor oder anderen Desinfektionsmitteln nicht nötig ist. Wegen des hohen Schwefelgehalts des Wassers sollte man Kupfer- und Silberschmuck lieber ablegen, das verfärbt sich. Man kann hier auch ein schönes Dampfbad genießen. Alles in allem, eine schöne Erholung zum Abschluss des Tages. Danach ging es wieder zurück nach Akureyri. Wir fuhren um den restlichen Teil des Sees und hielten noch ein paarmal an. Immer wieder faszinierten die urigen Lavagebilde. Die vielen Inseln im See lassen die Gegend geradezu mystisch aussehen. Ein toller Tag mit vielen Erlebnissen und Eindrücken ging zu Ende.