Mysore (Mysuru)

Nach zwei Tagen im Dschungel ging die Fahrt über die N212 weiter Richtung Mysore. Die Fahrt führte uns durch das Wayanad Wildlife Sanctuary. Unser Fahrer Bayju berichtete, es könne vorkommen das die Elefanten mitten auf der Straße stehen. Wir haben keinen gesehen. Auffällig war aber, im Naturschutzgebiet lag tatsächlich kaum Müll an den Straßenrändern. Sobald wir das Gebiet verließen war das aber auch schon wieder vorbei, selbst in nicht so dicht besiedelten Gebiet waren dann die Straßenränder gleichmäßig mit Müll bedeckt.

Mysore besticht durch seine baumbestandene Alleen, alte Kolonialvillen, große Plätze, sanfte Hügel, dazwischen der opulente Maharadschapalast. Ein gewisser nostalgischer Flair liegt über der alten Königsstadt. Der Legende nach gehörte die Gegend um das heutige Mysore dem Büffeldämon Mahishasura. Die Göttin Durga soll ihn dort erschlagen haben. Vom Namen des getöteten Dämons leitet sich der Name der Stadt her - Mysore = Stadt des Büffels". Die Attraktion von Mysore ist der Maharadscha-Palast Amba Vilas. Er war Residenz der Maharajas des ehemaligen Fürstenstaates Mysore , deren Nachfahren noch heute einen Teil des Palastes bewohnen. Der Palast zählt zu den berühmtesten Palastbauten ganz Indiens. Auf den ersten Blick erinnert der Palast an den Buckingham Palast in London. Irgendwie strahlt er aber einen ganz anderen Glanz aus. Die goldfarbene Hauptkuppel, umrahmt von vielen kleineren Zwiebeltürmen, glitzert im Sonnenlicht. Sieben große Bögen bilden die Hauptfassade, der mittlere wird von zwei weiteren, kleineren Bögen flankiert. Geradezu verschwenderische Pracht – Marmor- und Mosaikböden, schwere Silber- und kunstvoll geschnitzte Holztüren, unzählige Säulen, kostspieliges Mobiliar aus aller Herren Ländern, Buntglasdekor und Spiegelwände sowie Gemälde und Wandbilder zeugen vom luxuriösen Lebenswandel der Mysore-Herrscher um die Jahrhundertwende. Die Räume sind dabei in einer verwirrenden Vielzahl an Stilen gestaltet. Besonders berühmt ist der mit Blattgold überzogene Thron in der riesigen Durbarhalle. Auf dem Palastgelände befinden sich auch zwölf Hindu-Tempel , die aus dem 14. bis 20. Jahrhundert stammen. Die Sicherheitsbestimmungen waren streng. Vor dem Palast waren Soldaten hinter Sandsäcken und beobachteten alles. Fototaschen mussten abgegeben werden, jeder Besucher musste durch einen Metalldetektor, wie auf den Flughäfen. Die Ereignisse von Mumbai einige Monate zuvor hatten in Indien ihre Spuren hinterlassen.

Eine weitere Sehenswürdigkeit von Mysore ist der heilige Berg Chamundi Hill. Über eine kurvenreiche Straße geht es den Berg hinauf, bis zu dem Platz, wo Mysores Schutzpatronin Chamundeshwari den Büffeldämon Mahisha besiegt haben soll. Ihr zu Ehren wurde hier bereits im 12. Jh. ein Tempel auf den Hügel gebaut. Auf halben Weg bergab steht dann die massive Figur von Nandi, dem Reittier Shivas. Die Skulptur stammt aus dem Jahr 1659 und wurde aus einem Stück Granit hergestellt.  Abends ging es dann in die Altstadt von Mysore, deren Mittelpunkt der alteingesessene Devaraja Market ist. Auf diesen bunten und quirligen Markt werden nicht nur Obst und Gemüse angeboten, sondern auch Blumen in allen Farben, Räucherwerk und vieles mehr. Ein Sturm auf alle Sinne, schlendert man durch die schmalen Gassen des Marktes.

Im Jahre 1932 wurde der Fluss Kaveri durch einen Damm aufgestaut. Unterhalb davon legte man ausgedehnte Terrassengärten mit Teichen und Springbrunnen an. Es entstanden die Brindavan Gardens, die allabendlich illuminiert werden. In vielen Bollywood Produktionen dienten die Gärten als Kulisse. Eine tolle Idee, würde man die ganze Anlage denn auch etwas pflegen. Leider sieht man den Verfall schon deutlich und schlendert man durch die Gärten ist man versucht einfach einmal einen Putzlappen zur Hand zu nehmen. Schade! 

Ein weiteres Highlight der Gegend ist die Insel Srirangapatna. Hier findet man Tipu Sultans Sommerpalast. Inmitten eines mit Blumen bepflanzten Gartens steht der sehenswerte Holzpalast. Um die Malereien vor der Sonne zu schützen ist der ganze Palast mit Planen zugehängt. Doch beim betreten des zweistöckigen Gebäudes wird man sich schnell über die wahre Pracht im klaren. Beeindruckend sind die Miniaturmalereien, die wunderschönen dekorierten Wände. Ganz in der Nähe befindet sich das Mausoleum Gumbaz, das Tipu nach dem Tod seines Vaters Hyder Ali erbauen ließ. Nach seiner Ermordung wurde er dort an der Seite seines Vaters beigesetzt. Heute ist das Mausoleum Ziel muslimischer Pilger.

Der westliche Teil der Insel Srirangapatna wird von einer Festungsanlage umschlossen, deren Mauerreste deutlich sichtbar sind. Nahe der Stelle, wo die Briten mittels eines Spions ins Innere der Festung gelangten und so einen entscheidenden Feldzug gegen Tipu Sultan gewannen, steht heute ein Obelisk. Bezeichnenderweise nennt man die Stelle auch Watergate. Innerhalb der Mauern befindet sich noch der Ranganathaswamy-Tempel. Sein Sanktum beherbergt eine mehrere Meter lange Skulptur Vishnus. Die Händler und Bettler an diesem Tempel sind äußerst Aggressiv und man kann leider kaum in Ruhe die Schönheit genießen.