Malaysia

Gerne erinnern wir uns an unseren ersten Urlaub in Asien. Diese Reise führte uns nach Malaysia, dem aus zwei Teilen bestehenden Land. Man spricht von dem auf der malaiischen Halbinsel gelegenen Westteil und dem auf der Insel Borneo gelegenen Ostteil. West und Ost sind getrennt durch das Südchinesische Meer. Westmalaysia liegt zwischen Thailand und der im Süden vorgelagerten Insel Singapur. Ein weiterer markanter Punkt ist die Straße von Malakka, die wohl meist befahrene und wichtigste Wasserstraße der Welt, zwischen der malaiischen Halbinsel und Sumatra gelegen.

Die Landschaft der malaiischen Halbinsel ist geprägt von endlos langen Küsten mit weiten Ebenen und teilweise sehr hohen Bergen im Hinterland.

Das Klima des Landes ist äquatorial und wird von April bis Oktober durch den Südwestmonsun , und von Oktober bis Februar durch den Nordostmonsun gekennzeichnet.

 

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Als der Handel zwischen China und Indien zu florieren begann, wurde die malaiische Halbinsel zu einem großen Handelszentrum. Ein reges Treiben begann in der Straße von Malakka, die ersten malaiischen Königreiche entstanden von Häfen, die bereits im 10. Jahrhundert gegründet worden waren. Das Sultanat Malakka, welches im 15. Jahrhundert gegründet wurde, zog durch seinen Wohlstand das Interesse von Portugal auf sich. Später wurde der Hafen dann ein Zentrum der Kolonialisierung durch die Niederländer und die Briten. Im Jahre 1826 wurde die britische Kronkolonie Straits Settlements gegründet und England gewann die Kontrolle über den Rest der Halbinsel - bald gehörten hierzu auch Penang, Singapur und Melakka. Francis Light, hatte 1786 Penang als Militär- und Handelsbasis gegründet. Wurde jedoch bald von Singapur überholt, das im Jahre 1819 durch Sir Stamford Raffles gegründet wurde.

Nachdem der Sitz der Britisch -Ostindien-Kompagnie nach London verlegt worden war, wurde die Politik den malaiischen Staaten gegenüber immer aggressiver; immer mehr Staaten kamen unter britischer Kontrolle. Die Staaten, die nicht unter britischer Kontrolle standen, mußten sich britische Berater an den Hof holen um den Frieden zu wahren.

Während des zweiten Weltkriegs wurde Malaysia durch die Japaner besetzt. In dieser Zeit wuchs die Unterstützung für die Unabhängigkeit des Landes. Diese Unabhängigkeit wurde dann endlich 1957 erlangt, unter dem Namen Föderation Malaya - Singapur war nicht enthalten. Am 16. September 1963 wurde eine neue Föderation unter dem Namen Malaysia gegründet, die die Föderation Malaya sowie die britischen Kronkolonien Singapur, Nordborneo (heute Sabah ) und Sarawak umfasste. Die frühen Jahre waren durch territoriale Ansprüche der Nachbarn bestimmt, sowie durch das Ausscheiden Singapurs aus der Föderation im Jahre 1965.

Staatsrelegion des Landes ist der Islam, zu dem sich 60 % der Bevölkerung bekennen. Alle ethnischen Malaien sind nach der Verfassung von Geburt an Muslime. Der Wechsel zu einer anderen Religion wird höchst ungern gesehen und ist nur mit großer Mühe möglich. Hierzu ist zunächst ein „Borang Keluar Islam“ (Formular zum Austritt aus dem Islam) auszufüllen. Anschließend muss ca. zwei Jahre bewiesen werden, dass man nicht doch noch zum Islam bekehrt werden kann. Dies erfolgt in Gesprächen mit einem Imam. Am Ende des Prozederes muss ein Sharia-Gericht über den Austritt entscheiden. Die Verfassung verbrieft jedoch die Religionsfreiheit und so kann der Austritt dem wirklich Willigen nicht verwehrt werden, wird jedoch wegen der massiven Umstände relativ selten genutzt.

Die Chinesen sind meist Buddhisten (20 %) oder hängen anderen chinesischen Religionen wie Daoismus und Konfuzianismus an (2,6 %). Christen (9 %) gibt es in allen ethnischen Gruppen. Die Inder sind überwiegend Hindus (6 %). Muslime werden gegenüber Angehörigen anderer Religionen bewusst staatlich bevorzugt. Christliche Presse kann in Malaiisch nur unter Schwierigkeiten veröffentlicht werden, Veröffentlichungen in Englisch, Chinesisch und auch Tamil sind jedoch unproblematisch erhältlich. Völlig unbeschränkt ist die Verteilung von Schriften nur an Mitglieder von Vereinigungen oder in Kirchen. Diese unterliegen nicht wie öffentlich angebotene Publikationen der Zensur. Der Bau von Kirchen kann in Ballungszentren mitunter zu kleinen Schwierigkeiten mit der Planungsbehörde führen, Diskriminierungen gegenüber anderen Glaubenshäusern bestehen aber nicht. Im Osten Malaysias gibt es jedoch auch eine Minderheit von christlichen Malayen, die im 16. Jahrhundert von Spaniern christianisiert wurden und ihrer Religion bis heute treu geblieben sind.

2007 hat eine vom Islam zum Christentum übergetretene Frau ihren Kampf um staatliche Anerkennung ihres Religionswechsels verloren. Das malaiische Bundesgericht entschied, dass nur das Islamische Gericht über die Streichung des Wortes Islam aus ihren Dokumenten entscheiden könne. In Malaysia gibt es de fakto zwei nebeneinander existierende Rechtssysteme. Eines basiert auf dem Islam, das andere auf der Verfassung. Die Verfassung garantiert Religionsfreiheit, das islamische Gesetz hingegen verbietet Konversion.

Borneo - ausgestattet mit Wundern und Absonderlichkeiten, um die sich so gerne Gerüchte und Legenden ranken. Über Jahrhunderte kannte niemand die genaue Größe und Beschaffenheit dieser nach Grönland und Neu-Guinea drittgrößten Insel der Welt. Deutschland, Österreich und Italien hätten zusammengenommen in ihr Platz. Auf dieser Fläche leben sowohl in Ostmalaysia als auch im indonesischen Kalimantan durchnittlich etwa 12 Einwohner je Quadratkilometer, wobei weite Teile des Inselinneren nur äußerst dünn besiedelt sind.

Europäische Eroberer hatten an der Küste verstreute Siedlungen gegründet und nahmen für sich in Anspruch, riesige Gebiete, die sie nie gesehen hatten, zu regieren. Merkwürdige Geschichten, zum Beispiel über Kopfjäger, die in führenden Magazinen der "alten" Welt erschienen, wurden veröffentlicht. Die Erzählungen waren eine Mischung aus Wahrheit und Fantasie - ein getreues Spiegelbild von Borneo.

Politisch ist die Insel in drei Staatsgebiete aufegeilt. Etwa drei Viertel der Insel gehören als Kalimantan zu Indonesien. Über 90% des restlichen Gebietes gehören als Bundesstaaten Sabah und Sarawak zu Malaysia. Der verbleibende Rest ist Brunei, bis 1983 britisches Protektorat, danach selbstständiges Sultanat.

Die Hälfte der Insel liegt weniger als 150 m über dem Meeresspiegel. Im Zentrum allerdings ist sie gebirgig. Der höchste Berg Südostasiens liegt im äußersten Norden der Insel - der 4101 m hohe Mount Kinabalu. Die ganze Insel ist von einem gewaltigen System von Flussläufen durchzogen, die noch Heute die Hauptverkehrsadern der Insel sind. Große Teile der Insel sind von tropischen Regenwald bedeckt, der leider im rasanten Tempo abgeholzt wird. Nur die küstennahen Gebiete und der durch Straßen erschlossene Teil des Landesinneren werden von sesshaften Bauern landwirtschaftlich genutzt, während die Eingeborenen in unzugänglichen Gebieten zum größten Teil Wanderfeldbau betreiben. An Bodenschätzen ist Borneo vor allem mit Erdöl- und Erdgasvorkommen gesegnet. Daneben werden vereinzelt Gold, Bauxit und Edelsteine gefördert. Die Regenwälder bilden die Basis für eine intensive Holzwirtschaft. Landwirtschaftlich sind Reis, Kautschuk, Kokospalmen, Sago und Pfeffer sowie Palmöl von Bedeutung. 

Touristisch ist Borneo nur teilweise erschlossen. In Kuching und Kota Kinabalu ist die touristische Infrastruktur, auch auf hohem Niveau, schon vorhanden. Nicht organisierte Fahrten über Land bedürfen aber einer genauen Planung. Für uns eine wahrhafte Herausforderung, der wir uns gerne stellten.

 

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Sarawak - ein Name, der romantische Assoziationen weckt. Man denkt an weiße Rajas und Kopfjäger und vergißt die 125000 Quadratkilometer Dschungel, Berge und Sumpfland dicht am Äquator. Reiche Niederschläge und zahllose Flüsse, die sich über die Landesgrenze bis in das indonesische Kalimantan ihren Weg bahnen und die einzigen Zugänge in die entlegenen Dschungelgebiete bilden, kennzeichnen dieses Land. Sarawak steht für vieles zugleich: für die Landwirtschaft der Kelabit, für die Fischerdörfer der Malaien, für die Langhäuser der Iban, die Dschungelsiedlungen der Punan, für die Sagofabrikation der Melanan und die Reisfelder der Land-Dayaks.

 Die heutige Flagge von Sarawak wurde 1988 eingeführt. Sie erinnert an die Flagge des Königreichs, jedoch zeigt sie kein schwarz-rotes Kreuz und keine Krone. In der Mitte der Flagge ein elfstrahliger gelber Stern, änhlich dem in der Flagge Malaysias. Er steht ebenfalls für die elf Bundesstaaten Malaysias und soll wohl ein Bekenntnis Sarawaks zur Föderation sein.

Mittlerweile haben wir schon diverse Male das Land besucht (zwischen 1995 - 1999). Die Landschaft ist atemberaubend, die Menschen stets freundlich und hilfsbereit. 

Die Gastfreundschaft ist lange Tradition und macht das Reisen angenehm. Man darf aber nicht vergessen, der Tourismus steckt noch in den Kinderschuhen und die Erkundung erfordert einiges an Improvisationskunst. Als James Brooke 1839 mit seinem Schiff in Kuching landete, stand es nicht so gut um das Land. 

Die Dayaks rebellierten gegen die brutalen Tributforderungen des Sultans von Brunei, unterstütz von einheimischen Malaien und Chinesen. Die Herausforderung das Land zu befrieden nahm der junge Mann an und vollbrachte es innerhalb einem Jahres. Zum Dank erhielt er Sarawak und den Titel eines Rajas. Er führte eine gerechte Regierung ein, die auf Gerechtigkeit ohne Günstlingswirtschaft basierte. Vollendung fand die Bildung des Staates mit dem Neffen von James Brooke - Charles Brooke.Unter seinem Regime erlebte das Land eine wirtschaftliche Blütezeit und eine längere Periode des Friedens als jemals zuvor. So wurde 1895 das erste Öl vor Miri gefördert, ebenso wurden Gummibäume eingeführt und brachten die ersten landwirtschaftlichen Exporteinnahmen. Dem Fort, das er in Kuching bauen ließ, gab er den Namen seiner Frau - Fort Margherita. 1963 wurde die Förderation Malaysia ausgerufen und die Zeit der weißen Rajas ging zu Ende.

Im äußersten Nordosten der Insel Borneo gelegen - Sabah. Die Hauptstadt dieses malayischen Bundeslandes ist Kota Kinabalu. Sabah ist, wie Sarawak auch, von

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tropischen Regenwäldern bedeckt. Diese werden jedoch im erschreckenden Tempo abgeholzt und nach Japan, Korea und Taiwan exportiert. Die landwirtschaftlichen Produkte sind hier vielfältiger, als in benachbarten Bundesland. So wird vor allem Palmöl, Kakao und Gummi, Faserbanane, Reis, Eßbananen, Mais, Süßkartoffeln und Maniok angebaut. Auch wird hier im größeren Ausmaße Viehzucht betrieben - Schweine, Rinder und Büffel.

1773 errichteten die Briten hier eine Niederlassung und die East India Company legte einen Handelsposten auf der Insel Balambangan an. Diese wurde aber bei Angriffen der Sulus nach zwei Jahren wieder zerstört. Erst nachdem sich James Brooke als Rajah von Sarawak einen Namen gemacht hatte, kam es auch in Sabah zu dauerhaften europäischen Niederlassungen. Später gelang es dann englischen Geschäftsleuten, von den Sultanen von Brunei und von den Sulu die Küstenstreifen des heutigen Sabah zu erwerben. 1882 wurde die British North Borneo Company gegründet, die Sabah bis zur japanischen Besetzung im 2. Weltkrieg quasi als Privateigentum verwaltete. 1898 hatte dieses Gebiet die heutige Größe und Form von Sabah erreicht. 

Nach dem Anschluss an die Föderation Malaysias wurde Sabah von den Philippinen und Indonesien nicht anerkannt und auf das Gebiet Anspruch erhoben. Es kam zu einem Dschungelkrieg an der Grenze zum indonesischen Kalimantan, der jedoch mit der Entmachtung Sukarnos 1966 endete. Die vielfältigen kulturellen Beziehungen zu der philippinischen Provinz Mindanao bringen auch heute noch einen umfangreichen, nicht immer legalen Warenaustausch mit sich. Auch Moslem-Rebellen flüchten sich immer wieder von Mindanao nach Sabah.

Selten mussten wir derart improvisieren auf unseren Reisen wie in Sarawak und Sabah. Aber gerade das machte den Spaß an der Sache aus. Autofahren in Sabah - alleine das ist ein Erlebnis für sich. Die Straßenverhältnisse sind halt nicht so, wie wir es gewohnt sind. Aber mit ein wenig Vorsicht kommt man gut zurecht. Wobei wir unsicheren Autofahrern dringend abraten würden, hier als Selbstfahrer zu reisen. Wir haben hier ein paar Beispiele, was auf einen zukommen kann.

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Wir erlebten bei allen unseren Besuchen ein tolles Land mit freundlichen Menschen. Man sollte aber trotzdem nicht vergessen, der Hauptanteil der Bevölkerung ist streng muslemisch und als Gast, nichts anderes ist man als Urlauber, sollte man das respektieren. Es ist schlicht unpassend und beschämend, wenn Europäer mit Badebekleidung in die Stadt gehen oder halbnackt auf dem Motorrad herumfahren . Das kann sehr peinlich sein oder gar gefährlich werden. Ansonsten gibt es hier keine Anzeichen für Hass oder Missgunst dieser Menschen gegen "Ungläubige" der westlichen Welt. Die normalen Muslime sind keine Terroristen. Sie sind Menschen wie Du und ich, die ihre tägliche Arbeit verrichten, um für sich und ihre Familie die Butter auf das Brot zu bekommen, oder in diesem Fall eher, den Reis in den Topf. "Cari Makan" sagt man hier, das "Essen suchen", keinen Streit.