Madurai

Unser nächstes Ziel sollte die Stadt Madurai sein. Früh morgens fuhren wir los, lagen doch so einige Kilometer vor uns. Unterwegs wollten wir uns in Palani den Muruga-Tempel ansehen. Auf der ganzen Strecke bis Pelani sahen wir Gläubige mit Opfergaben wandern. Baiyu erklärte uns, die Gläubigen müssen zu Fuß von zu Hause zum Tempel wandern. Dabei tragen sie die ganze Zeit ihre Opfergabe. Er meinte, jeder gute Hindu sollte einmal diese Wallfahrt machen. In Pelani angekommen, war der Tempel aber für Besucher gesperrt. Schade - dieser lag auf einem Berg, den die Pilger besteigen, manchmal tanzender Weise (so wurde uns berichtet). Für andere gibt es auch eine elektrische Seilwinde. 

    

Am Nachmittag kamen wir dann in Madurai an. Eine Stadt, deren Geschichte und deren Ruhm sich, häufig verwoben mit zahlreichen Mythen, ca. 2000 Jahre zurückverfolgen lässt. Ein Tropfen göttlichen Nektars aus Shivas Locken soll hier auf die Erde gefallen sein. Daher der Name "Stadt des göttlichen Nektars" = Madhupur. Die hiesige Lokalgöttin trug den Namen (die Fischäugige) und war mit drei Brüsten ausgestattet. Ihr wurde prophezeit, sobald sie den richtigen Mann träfe, würde die überzählige Brust verschwinden. Sie traf Shiva und die beiden heirateten in Mandurai und so verwandelte sich die Gottheit in die Frau Shivas. Ihre Vereinigung wird jedes Jahr im April/Mai aufs neue gefeiert.

Der lukrative Handel mit Seide, Perlen und Gewürzen erlaubte es den Pandya-Herrschern den mächtigen Tempel Meenakshi-Sundareswarar zu erbauen. Die gewaltige Anlage, mit unzähligen mythologischen Figuren in allen Farben und gekrönt von goldenen Spitzen, ist nach wie vor die größte von Menschenhand geschaffene Sehenswürdigkeit des Südens. Gut 15.000 Menschen passieren täglich die Tempeltore. An einem Freitag (der Freitag ist der Göttin Meenakshi heilig) können es auch 25.000 Menschen sein. So sind die vier Gopurams der Tempelanlage, die weithin sichtbar sind, die augenfälligsten Wahrzeichen des Heiligtums. Gut 50 m in die Höhe ragend sind sie über und über bevölkert mit himmlischen Wesen, Helden und Dämonen, die als bunt bemalte Gipsfiguren die Oberfläche der Torbauten bedecken. Von der East Market Street führt der Haupteingang ins innere des Tempels.

Die Vielzahl an Schreinen, Skulpturen und Kolonnaden ist schier verwirrend. Unser erster Besuch führte uns am Abend in den Tempel - die ganze Atmosphäre erschien uns irgendwie mystisch. Man muss sich schon viel Zeit lassen, um einen Überblick zu gewinnen. Immer wieder bleibt man bei einer der ca. 33.000 Götterdarstellungen aus Stein und Stuck stehen. Wie jeden Abend, so wurde auch an diesem Abend Meenakshi in einer aufwendigen Prozession quasi zu Shiva ins Bett gebracht. Wir konnten uns kaum losreißen, von diesem Tempel, der Rolf irgendwie an einen Indiana Jones Film erinnerte. Am nächsten Tag kamen wir wieder in den Tempel. Man sagte uns, irgendeine Zeremonie findet fast immer statt. Sei es eine der endlosen puja-Zeremonien, Brahmanen-Jungen, die in den Veden unterwiesen werden, laute nagswaram- und tavil-Musik oder Hochzeiten. Irgendeine Zeremonie war auch im Gange, leider haben wir nicht herausgefunden was für eine. Trotzdem war es für uns Interessant. Der Tempel - einfach ein faszinierender Ort. 

Gerne wären wir hier, außerhalb des Tempels etwas schlendern gegangen, aber auf jeden Schritt wird man angefasst, nach Geld gefragt (eigentlich so gut wir gar nicht von Bettlern) oder soll etwas kaufen. Wir flüchteten in ein "Antiquitäten"-Geschäft. Hier durften wir auf das Dach und Fotos über die Tempeldächer machen. Natürlich sollten wir auch etwas kaufen. Am besten einen echten, ganz hochwertigen Seiden- oder Wollteppich aus Kashmir. Ich fragte dann, ob denn im Preis auch das Echtheitszertifikat mit inbegriffen ist. Uns wurde gesagt, braucht man nicht. Doch, wenn das ganze, den Versprechungen des Verkäufers entsprechend Zollfrei sein soll, ist die Vorlage notwendig, ansonsten sind neben den 19 % Steuern noch 8 % Zollabgaben fällig (Stand 2009). Kann ein Händler kein Echtheitszertifikat vorlegen, kann es sich auch nicht um Handarbeit handeln, sondern es handelt sich um billige Konfektionsware. Lasst euch hier nicht das Geld aus der Tasche ziehen. Selbst wenn sich das alles lohnt, ist fraglich ob die Ware den Empfänger erreicht. 

Mit einem Klick auf die Bilder werden diese vergrößert.

Die Spediteure arbeiten nicht ganz so, wie bei uns in Europa. Sicherheit wird eher klein geschrieben. Sollte die Sendung dann doch in Deutschland ankommen, sind meist, entgegen den Versprechungen, zig Kosten nicht beglichen. Also, so ein Kauf kann ein sehr, sehr teurer Spaß werden. Überlasst den Import den Fachleuten, letztendlich spart ihr bei dieser Variante mehr Geld. Ohne Fachkenntnisse seid ihr den Händlern einfach nur ausgeliefert - lasst sie stehen - alles was sie sagen ist gelogen. Nach diesem, wenn auch für mich mit Spaß verbundenen Erlebnis, war der Händler froh das wir den Laden verließen. Wieder auf der Straße kamen wieder alle an, die meinen alles was kein Inder ist, ist eine Rupien-Maschine. So machten wir uns doch schnellsten zur nächsten Sehenswürdigkeit auf.

Mit einem Klick auf die Bilder werden diese vergrößert.

Also fuhren wir zum Thirumallai-Nayak-Palast. Nur noch Reste sind von dem 1636 durch Thirumallai Nayak errichteten monumentalen Palast übrig. Im 19. Jahrhundert wurde der Palast von den Briten renoviert, trotzdem ist nicht mehr viel übrig. Geht man durch das Tor, kommt man direkt in den Innenhof von Säulen flankierten Innenhof. Gegenüber befindet sich die Audienzhalle mit dem geschmückten Thronsaal, der von einer großen Kuppel überwölbt ist. Alles ist mit reichem Stuckwerk, bestehend aus Elefantenprozessionen, Yatis, Vögeln und menschlichen Figuren geschmückt. Zum Ende des Tages ging es dann zum alten Tamukkam-Sommerpalast aus dem Jahr 1670. Hier ist das Gandhi Memorial Museum untergebracht. Wir erhielten einen detaillierten Einblick in den indischen Unabhängigkeitskampf und Gandhis Lebensweg. Auch wenn wir schon viel über diesen Mann gehört und gelesen hatten, wir waren einmal wieder, des außergewöhnlichen Menschen wegen, beeindruckt. Das ganze wird durch eine gut ausgestattete Bibliothek mit Werken von über über Gandhi abgerundet.

Mit einem Klick auf die Bilder werden diese vergrößert.