Kochi (Cochin)

Kochi, als einer der Touristenziele Südindiens überhaupt, war also unser erstes Ziel und schien uns als Ausgangspunkt auch ideal. Die Stadt erstreckt sich über Inseln und Landzungen zwischen dem Arabischen Meer und den Backwaters. Die alten Stadtteile Mattancherry und Fort Cochin liegen auf einer Halbinsel im Westen, verbunden durch zahlreiche Brücken und Fähren. 

Nach einer Überschwemmung, Anfang des 13. Jahrhunderts, verschob sich die Mündung des Periyar und ein sicherer Naturhafen wurde geschaffen. Muziris, bis dahin Haupthafen dieser Gegend wurde verdrängt. Immer mehr arabische, christliche und jüdische Siedler zog es hierher. 1405 verlegte dann auch die königliche Familie ihren Hof von Muziris hierher. Im 16. Jahrhundert kamen dann die Portugiesen, gefolgt von den Holländern und den Briten. Alle versuchten die Kontrolle über dieses Gebiet, speziell den Hafen und den lukrativen Gewürzhandel zu erlangen. Die Briten gewannen schließlich und bauten den Hafen aus, so dass dieser für die Ozeanriesen der damaligen Zeit schiffbar wurde. Trotz der vielen Touristen bildet traditioneller Handel die Einnahmequelle der Stadt. Mit Säcken beladene Handkarren werden zwischen den godowns (Lagerhäuser) hin- und hergeschoben. Überall gibt es kleine Geschäfte, in denen Tee, Jute, Gummi, Chili, Cashewnüsse, Ingwer, Kardamom und Pfeffer verkauft werden. Die Geschichte der Stadt ist gerade in den alten Stadtteilen an jeder Ecke spürbar. Die pastellfarbenen Häuser mit ihren Ziegeldächern, ein Anblick der sich im Laufe der Jahrhunderte nicht änderte, oder nur in sehr geringem Umfang.

Am Abend unserer Ankunft haben wir auch Kultur genossen. Wir gingen zu einer Tanzveranstaltung in der den Touristen der Kathakali näher gebracht werden sollte. Bei diesem Tanz geht es viel um Symbolik. Aber, wir gestehen es, scheinbar sind wir Kulturbanausen, bei uns ist der Tanz nicht angekommen. Vielmehr verbrachten wir fast die gesamte Veranstaltung im tiefen Schlummer. Die Darsteller mögen uns verzeihen! Spaziert man durch Fort Kochi geht man teilweise an verfallenen, mit Gestrüpp bewachsenen Häusern vorbei. Mitten in Kochi gibt es den Platz der Fischhändler und Andenkenverkäufer. Wie riesenhafte Spinne reihen sich am Ufer die Chinesischen Fischernetze und verrichten ihre Dienste wie vor hunderten von Jahren. Chinesische Fischer, die Kaufleute vom Hof des Kublai Khan begleiteten, sollen sie im 14. Jahrhundert eingeführt haben.

Südlich von diesem Platz finden sich viele der alten portugiesischen und holländischen Villen, die heute zu Hotels umgebaut wurden. Auch die St. Francis Church und die St. Cruz Basillica sind hier zu finden. Nahe der St.Francis Church findet man den Dutch Cementery, Kochis alter holländischer Friedhof. In der Bazaar Road wird man gewahr, dass Kochi noch immer ein bedeutendes Handelszentrum für Gewürze ist. Sie werden hier gelagert, verpackt und verladen. Lastwagen und Handkarren verstopfen den Weg. Der scharfe Duft von Ingwer steigt in die Nase, Berge von Chili quellen aus Jutesäcken, Kurkuma und Kardamom liegen zum Verkauf bereit. Die Portugiesen schenkten als Gegenleistung für Handelsprivilegien dem Raja Veera Kerala Varma den Palast von Mattancherry, der sehenswert ist, der Palast ist auch bekannt unter dem Namen Dutch Palace. Südlich des Palastes schliesst sich das Jüdische Viertel an, sichtbar durch die Pardesi-Synagoge. Unter dem Schutz der einheimischen Rajas hatten sich verschiedene jüdische Gemeinden aus Kodungallur niedergelassen. Eine Kupferplatte aus dem 10. Jahrhundert gilt als Schenkungsurkunde des Rajas Bhaskara Ravi Varma an die damalige jüdische Gemeinde. Heute leben angeblich nur noch 13 - 15 Juden in Kochi. Beim Bummel durch die engen Gassen ist ein Verfall all der schönen Gebäude nicht zu übersehen. Alles erscheint etwas dreckig, scheinbar kümmert sich niemand um den Erhalt von Gebäuden oder legt Wert auf den Gesamteindruck der Stadt.

Noch immer gibt es die Pfefferbörse, auch wenn hier nicht mehr mit Handzeichen gehandelt wird, sondern die Händler in klimatisierten Gebäuden am Computern die Ware verkaufen. Man geht vorbei an unzähligen Läden mit Antiquitäten (bzw. auf alt getrimmte Objekte). Die Jugend freut sich einen zu sehen und die Englischkenntnisse zu zeigen, ansonsten wird man so ca. alle 2 Meter angebettelt - zumeist von durchaus wohlhabenden Menschen, die das Betteln in keiner Weise nötig haben (eine lästige und unschöne Eigenart die uns den ganzen Urlaub über begleiten sollte - ärgerlich - diese Leute haben das Betteln absolut nicht nötig - wir reden hier nicht von Menschen, die keine andere Wahl mehr haben). Am letzten Tag in Kochi trafen wir dann unseren Fahrer für die nächsten zwei Wochen - Bayju. Wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut und freuten uns auf die folgenden Tage. Bayju erklärte uns erst einmal, Bier oder andere alkoholische Getränke gibt es nur in lizensierten Biershops oder in lizensierten Bars oder Restaurants. Er zeigte uns gleich, wo in Kochi ein solcher Biershop ist und wir besorgten uns zwei Fläschchen für den Abend. Am nächsten Tag starteten wir dann zu unserer Rundfahrt.