Kirkjubæjarklaustur

Die Nacht über hatte es gestürmt, richtig gestürmt. An Schlaf war so richtig nicht zu denken, das ganze Haus erzitterte. Trotzdem starteten wir um die Umgebung zu erkunden. Aber erst einmal stand Einkaufen auf den Plan, wir mussten unsere Vorräte auffüllen. Dann aber ging es Richtung Skaftafell. Wieder fuhren wir durch das riesige Sandergebiet der Skeiðará. Die Skeiðará entspringt dem Gletscher des Skeiðarárjökull und ist berüchtigt für die gewaltigen Gletscherläufe die regelmäßig wiederkehren. Unter der Eiskappe des Vatnajökull befinden sich mehrere Vulkane, unter anderem auch der Grímsvötn. Durch die vulkanische Aktivität entstehen unter dem Eis zum Teil riesige Seen. Alle 5 - 10 Jahre steigt der Wasserspiegel derart, dass der See sich entleert und als Flutwelle - sog. Gletscherlauf - über die Sanderebenen abfließt. Die Skeiðará entspringt dem Gletscher des Skeiðarárjökull und ist berüchtigt für die gewaltigen Gletscherläufe die regelmäßig wiederkehren. Unter der Eiskappe des Vatnajökull befinden sich mehrere Vulkane, unter anderem auch der Grímsvötn. Durch die vulkanische Aktivität entstehen unter dem Eis zum Teil riesige Seen. Alle 5 - 10 Jahre steigt der Wasserspiegel derart, dass der See sich entleert und als Flutwelle - sog. Gletscherlauf - über die Sanderebenen abfließt. Normalerweise fließen im Sommer ca. 200 cbm Wasser pro Sekunde ab. Während einer der normalen Gletscherläufe erhöht sich die Wassermenge dann auf bis zu 7.400 cbm pro Sekunde. Im Jahr 1996 aber geschah das Unglaubliche - ganze 45.000 cbm pro Sekunde stürzten zu Tal und überschwemmten das ganze Gebiet. Die Ringstraße wurde durch die Fluten und die mitgerissenen Eisberge, von denen einige bis zu 10 m hoch waren und ein Gewicht von etlichen Tonnen hatten, zerstört. Auch eine Brücke wurde total zerstört, wir hielten auf einen Parkplatz, wo Reste dieser Brücke an dieses Ereignis erinnern. Bedingt durch diese immer wiederkehrenden Gletscherläufe entstand der Skeiðarásandur, ein riesiges Sand- und Geröllfeld mit einer Fläche von 1.000 km.

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Der nächste Halt war an der Gletscherzunge Svinafellsjökull, die durch einen wilden Bergkamm vom breiteren, ruhigeren Skaftafellsjökull getrennt wird. Hier kann man sehr nahe an den Gletscher herankommen, wobei man auf keinen Fall ohne entsprechend ausgebildeten Führer auf das Eis gehen sollte. Irgendwie sah die Umgebung faszinierend und bedrohlich zugleich aus. Durch den Rückzug des Gletschers haben sich viele Spalten gebildet, so dass diese Gletscherpassage nicht mehr begehbar ist. Eine Gedenktafel erinnert an zwei junge Deutsche, die hier zu Tode gekommen sind. Man nimmt an sie wollten versuchen den Hvannadalshnukur zu erreichen. Im Jahr 2007 fand man ihr Basislager. Trotz intensiver Suche hat man die beiden Männer bis heute nicht gefunden. Im Vorfeld, sehr beeindruckend, der kleine Gletschersee. Deutlich wird hier die Kraft, den der Gletscher auf die Erde ausübt und wie sehr sich die Landschaft verändert.

Jetzt ging es zum Besucherzentrum des Nationalparks. Von hier ist es ein kurzer Weg bis zur Gletscherzunge Skaftafellsjökull an deren Ende wir die Möränen sahen, die der Rückzug des Gletschers hinterlässt. Der Regen setzte wieder ein und wir wurden so richtig nass. Das hielt uns aber nicht davon ab, weiter zu wandern. Die Landschaft wird hier geprägt durch die 1.000 - 1.500 m hohen Berge und macht einen fast alpinen Eindruck. Man sollte nicht vergessen, unter diesem Teil des Gletschers liegt einer der größten Vulkane Europas, der Hvannadalshnúkur. Im Gegensatz zu anderen Vulkanen auf Island steht seine Aktivität nicht in einem Zusammenhang mit dem Vulkanismus am mittelatlantischen Rücken. Schon vor 3 - 4 Mio. Jahren war dieser Vulkan aktiv und brach zuletzt 1727 aus. Der Vulkan gilt als der gefährlichste und unberechenbarste von Island. Auf der anderen Seite besticht die Umgebung durch ihre Pflanzenvielfalt. So ist die ganze Umgebung sehr Kontrastreich und mit jedem Schritt verändert sich der Eindruck, den die Landschaft hinterlässt.

Natürlich sind wir auch zum Svartifoss gewandert. Auf dem Weg kamen wir aber noch an einem anderen, wirklich sehr schönen Wasserfall vorbei. Leider finde ich absolut nicht den Namen. Zuerst führte uns der Weg immer den Berg hinauf, was ganz gut anstrengend war. Aber die Landschaft entschädigte uns für die Mühen. Svartifoss bedeutet "schwarzer Wasserfall". Den Namen verdankt der Wasserfall den schwarzen Basaltsäulen die ihn wie Orgelpfeifen förmlich umrahmen. Der Stórilækur stürzt hier über die Felskante. Der Name Stórilækur verrät es eigentlich schon - großer Bach - es handelt sich hier nicht gerade um einen der wasserreicher Fluss. Auf den Weg zum Svartifoss hörte es allmählich auf zu regnen, dafür wurde es nebelig. Eigentlich hat man auf dem Weg zum Wasserfall einen schönen Blick auf diesen, aber es verschwand bei uns alles im Nebel. Erst als wir schon sehr nahe dran waren, löste sich der Nebel auf. Irgendwie eine beeindruckende Szene, wie sich der Wasserfall aus den Nebelschwaden herausbildete. Unsere Wanderung ging dann auf der anderen Flussseite wieder zurück zu unserem Parkplatz. Ein wenig lichteten sich auch die Wolken und gaben die schneebedeckten Berge etwas frei. Alles in allem eine tolle Wanderung.

 

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Mittlerweile war es Nachmittag und wir machten uns so langsam auf den Weg zurück nach Kirkjubæjarklaustur. Unterwegs hielten wir noch bei den Basaltsäulen Dverghamrar. Man nennt diese Basaltsäulen auch die Zwergfelsen. Ursprünglich ist die Lava hier nicht an die Oberfläche vorgedrungen, sondern das darüber liegende Erdreich wurde abgetragen und legte die Basaltsäulen frei. Der Ort ist seit Jahrhunderten sagenumwoben, viele Geschichten sind verloren gegangen, einige haben die Zeit überstanden. Die meisten Geschichten beziehen sich auf den Durchlass zwischen den beiden Blöcken und dem Gesang der hier gehört wurde, was wohl auf das Pfeifen des Windes in den Säulen zurückgeht. Steht man in der Mitte der beiden Blöcke hat man einen schönen Blick auf den Wasserfall Foss á Siðu, der sich vom Plateau ergießt. Man sollte nicht vergessen, erst durch die Anhebung des Landes und die Gletscherläufe wurde das Land, auf dem sich auch Dverghamrar liegt, dem Meer entrungen. Die Küstenlinie hat sich nach Süden verschoben, davor waren die Berge mit ihren 767 m Höhe die höchste Steilküste der Welt.

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Zurück in Kirkjubæjarklaustur erkundeten wir die Umgebung des Ortes. Übrigens, Kirkjubæjarklaustur zählt mit seinen 120 Einwohnern zum größten Ort der Umgebung. Von 1186 bis zur Reformation 1550 gab es hier eine Benediktinerinnen-Abtei die dem Ort vermutlich auch seinen Namen gaben. Sehenswert ist der Kirkjugólf, das so genannte Kirchenpflaster. Es handelt sich um sechseckige Lavasäulen, die durch Gletscherschliff so mit dem Erdboden nivelliert sind, dass sie tatsächlich wie Pflastersteine aussehen. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, es handelt sich tatsächlich um den Fußboden einer Kirche. Ein kleines Stück hinter dem Kirkjugólf gibt es einen wunderschönen Wasserfall. Diesen betrachteten wir erst einmal von der einen Flußseite, dann von der anderen. Es ist nur ein kurzer Weg, aber die Eindrücke sind schon schön.

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Unser letzter Besuch galt dem am Ortsrand gelegenen Systrafoss, dem Nonnenwasserfall. Der Systrafoss teilt sich wenige Meter nach dem Fall, sodass zwei Teile des Wasserfalls nebeneinander verliefen und anschließend am Fuße des Berges wieder zusammen fließen. Der Wasserfall hat seinen Ursprung im See Systravatn, der oberhald der Felsen liegt. Ein sehr steiler Weg führt am Rande dieses Wasserfalles auf den Berg. Oben angekommen eröffnete sich uns ein hervorragender Blick über die Küste. Auf dem Plateau führen noch einige Wanderwege entlang, aber es war mittlerweile recht spät geworden. So kletterten wir den Berg wieder herunter und fuhren zu unserer Hütte.