Jökulsárgljúfur-Nationalpark

Nun ging es zum Jökulsárgljúfur-Nationalpark. Der erste Halt war beim Vesturdalur und wir beschlossen, trotz des einsetzenden Regens etwas spazieren zu gehen. Unser Weg führte uns Richtung Rauðhólar. Der Weg führte uns zum Fluss Jökulsá á Fjöllum und wir erblickten die eigentümlichsten Basaltformationen. Die ganze Gegend scheint aus bizarren Schluchten und sehr markanten vulkanischen Bergen zu bestehen. Es stellte sich uns gleich die Frage, wie können solche Basaltgebilde entstehen? Normalerweise kühlt Lava recht schnell ab und bildet ein zusammenhängendes Gesteinsgefüge. Verzögert sich jedoch die Abkühlung, bilden sich durch das zusammenziehen häufig sechseckige Säulen, die sich senkrecht zur Abkühlungsfläche bilden. Man nennt das ganze dann Säulenbasalt. Man hätte hier noch stundenlang weiter wandern könne, aber der Regen wurde stärker und wir wollten uns noch mehr ansehen.

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Weiter ging es über die nur für Allrad-Fahrzeuge geeignete Straße, die parallel zum Jökulsá á Fjöllum verläuft. Einige Flüsse führten zu dieser Jahreszeit kein Wasser, so mussten wir diese nicht durchfurten, sondern konnten durch das trockene Flussbett fahren. Der Name Jökulsá á Fjöllum bedeutet soviel wie: " Gletscherfluss aus den Bergen". Wir stoppten bei einem Parkplatz, von dem ein Wanderweg zum Hafragilsfoss führt. Unser Ziel war aber der etwas kürzere Weg zum Jökulsá-Canyon. Schließlich kamen wir zum Urridafoss. Ein total schöne Umgebung tat sich auf, viele kleine Bäche und Flüsse münden in den Jökulsá. Eine ganze Weile kletterten wir hier herum. Von einer Insel im Fluss hat man den besten Ausblick auf die Umgebung. Die Erosion ist so stark, das der äußere Teil der Insel gesperrt war. Hier war der Untergrund schon ausgehöhlt und es besteht die Gefahr, das der Felsen jederzeit abbricht. Leider wurde der Regen wieder stärker, aber auch ohne Sonnenschein war es ein toller Spaziergang. Nur bis zum Hafragilsfoss wollten wir dann nicht mehr gehen, der dritten Fallstufe des Jökulsá.

Die Schotterstraße ging weiter und führte durch eine wirklich urige Gegend. Wir kamen dem Dettifoss, der zweiten Fallstufe des Jökulsá, immer näher. Die Landschaft änderte sich, bestaunten wir eben noch die Sträucher, deren Farbenpracht an den Indian Summer erinnerten, so wurde die Gegend jetzt eher zu einer Mondlandschaft. Na ja, der Fluss mit einer Länge von guten 206 km durchfließt halt die verschiedensten Landschaften. Er beginnt an der Nordseite des Gletschers Vatnajökull, hinzu kommen Abflüsse der Gletscherzungen Dyngjujökull und Brúarjökull. Auf den ersten 150 km fließt er gemächlich dahin und unterscheidet sich nicht so sehr von anderen Flüssen. Auf diesen ersten Abschnitt beträgt das Gefälle pro Flusskilometer gerade mal einen halben Meter. Wir kamen dem Dettifoss immer näher, als sich plötzlich eine riesige Baustelle auftat. Die Straße wird hier neu gemacht. So schlängelten wir uns durch die Baustelle und umfuhren die riesigen Baustellenfahrzeuge. Dann gelangten wir zum Parkplatz. Zunächst ist vom Wasserfall absolut nichts zu sehen, der Weg führt weiter durch eine Mondlandschaft. Dann aber hört man das Donnern der Wassermassen. Die Schlucht des Jökulsá tut sich auf. 

Wir sahen zum ersten Mal die zweite Fallstufe des Flusses, der hier auf einer Breite von rund 100m über 44m in die Schlucht stürzt. Die Wassermenge, die hier so herunterstürzt, beträgt im Sommer gute 1.500 cbm pro Sekunde. Damit ist der Dettifoss der wasserreichste Wasserfall Europas. Beeindruckend sind auch die Schwebeteile und Geröllmassen die dieser Fluss so mit sich trägt. Würde man die Geröllmenge eines Tages in Waggons laden, so hätte man einen Güterzug mit 2.400 Waggons, was einer Menge von ungefähr 120.000 Tonnen entspricht. Gerade diese Geröllmenge trägt zur besonders starken Erosion bei. So verändert sich die Landschaft täglich. Der Fluss vertieft sich und die Fallkanten der Wasserfälle wandern, im Bereich des Dettifoss pro Jahr etwa einen halben Meter bis einen Meter flussaufwärts. Wir werden bestimmt nicht vergessen, wie sehr der Boden bebte, als wir am Rande des Wasserfalles entlang gingen.

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Der Regen setzte wieder heftig ein, wir ließen uns davon aber nicht beeindrucken und wanderten weiter zum ersten Wasserfall des Flusses, dem Selfoss. Der Selfoss ist erheblich breiter als der Dettifoss und hat eine Höhe von 13 Metern. Auch dieser Anblick ließ uns wieder den Atem stocken. Von allen Seiten stürzt das Wasser in eine V-förmige Schlucht. Regen hin oder her, auch hier verweilten wir noch eine ganze Zeit. Wir hatten jetzt die gesamte Strecke der Wasserfälle des Jökulsá abgefahren, immer entlang der größten Schlucht Islands. Der Fluss überwindet im Bereich der Wasserfälle eine Höhendifferenz von 300 Metern, wobei das Gefälle pro Kilometer 10 Meter beträgt. Alles in allem, ein tolles Schauspiel der Natur. Glücklich und erschöpft fuhren wir zurück nach Akureyri.