Indien - Der Süden

 

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Indien - der fast den gesamten indischen Subkontinent umfassende Vielvölkerstaat. Was hatten wir nicht schon alles über die vielfältige, teilweise auf jahrtausendealte Traditionen zurückblickende Kultur Indiens gehört. War und ist Indien Treffpunkt verschiedenster Völker, Religionen und Kulturen, die sich in vielen Bereichen gegenseitig beeinflusst haben, trotzdem aber ihre Eigenständigkeit bewahrt haben. Ein Land, das mit seinen über 1.300.000.000 Einwohnern an zweiter Stelle der bevölkerungsreichsten Länder dieser Erde steht, der bevölkerungsreichste demokratische Staat der Erde. Uns war bei unseren Planungen klar, ein so großes Land kann man nicht während eines Urlaubes entdecken. Irgendwo mussten wir anfangen. Wir entschlossen und für den Süden. Die Bundesstaaten hier sollen zu denen mit der besten Ausbildung gehören, die Natur soll wunderschön sein, die Tempel sich in einigen Gegenden fast zu Tempelstädten auswachsen. So planten wir ab Cochin (oder auch Kochi) ein Auto zu mieten und die südlichen Bundesländer zu erkunden.

Eine Reise durch den Süden führt durch viele Welten und man wird mit all den Gegensätzlichkeiten des Subkontinents konfrontiert. Wo genau eigentlich Südindien anfängt, keiner kann es genau sagen. Im Zentrum des Subkontinents erstreckt sich die Dekkan-Hochebene, einen breiten Korridor markierend. Hier stoßen die Kulturen des Nordens und des Südens aufeinander. Das Herz Südindiens bilden aber die Staaten Kerala, Karnataka, Tamil Nadu und Andhra Pradesh. Die Türme der Tempel sehen hier anders aus, als die der Tempel im Norden. Dampfender Reis in verschiedenen Sorten ersetzt die knusprigen Brotfladen des Nordens, jede Menge Chili, Tamarinde und Kokosnuss würzen das Essen. Mahlzeiten werden auf einem Bananenblatt serviert. Viele bezeichnen den Süden als den ursprünglichen Teil Indiens. Religiöse Glaubenvorstellungen und Traditionen sollen unverfälschter sein als im Norden. Kerala an der Südwestküste soll eine wahre Schatztruhe lokaler Traditionen sein. Tanzformen wie der Kathakali oder die altehrwürdige Heilkunst des Ayurveda zeugen davon. Die Küsten waren das Ziel von Händlern, Seefahrern und Eroberern. Man erinnere sich an die Holländer, Portugiesen, Franzosen und nicht zu vergessen die Briten - multikulturelle Gesellschaften entstanden. 

Offenheit für Neues bei Bewahrung kultureller Traditionen - zwischen diesen Polen bewegt sich der Süden. Geht man durch die Städte, sieht man modern gekleidete Manager, neben einen in Safrangelb gehüllten Asketen, während Ochsenkarren und streunendes Vieh sich unter japanische Kleinwagen mischen. Dieses Mal hatten wir absolut keine Zeit für großartige Reisevorbereitungen. Daher haben wir uns, voller bedenken, an einen Reiseveranstalter gewandt. Nach einigen E-Mails wurden wir uns einig. Indian-Flavours hat die Organisation übernommen, wir konnten trotzdem unseren Urlaub individuell gestalten. Ein passenden Flug via Emirates hatten wir schnell selbst gebucht. So war nach Ankunft in Kochi - oder auch Cochin - der Fahrer schon organisiert und alles wesentliche gebucht. Gerne nehmen wir vorweg, die Planung war genial, die Hotels einfach großartig. Wir können Indian-Flavours nur empfehlen.

Die kulturellen Highlights, die Tempel und Paläste haben uns mehr als beeindruckt. Von dieser Warte aus gesehen ist Indien mit Sicherheit eine Reise wert. Wir haben auch viele nette, freundliche Menschen kennen gelernt. Auf der anderen Seite, auf keiner unserer Reisen haben wir soviel Dreck und Müll gesehen. Ein Spaziergang in einem Ort ist fast unmöglich, ohne das an einem gezerrt wird und man Rupien verteilen soll. Nach der Reise war uns klar, warum Reiseveranstalter durchaus Rundreisen anbieten, aber der Strandurlaub eher auf den Malediven angeboten wird. Dabei gehören die von uns bereisten Gegenden Indiens noch zu den sauberen. Ehrlich - wir möchten nicht wissen wie es dann woanders aussieht. Die Probleme der Überbevölkerung, die Armut des größten Teiles der Bevölkerung - vieles sind eher politische Probleme. Vielleicht können wir uns da nicht rein versetzen, die totale Ignoranz gegenüber der Umwelt und das sich selbst aufgeben (diesen Eindruck machte die Haltung auf uns) - unverständlich. In anderen Ländern, in denen weitaus weniger Know-How und finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, haben wir ganz andere Dinge kennen gelernt. Wir wünschen den Indern nur, dass all diese Probleme einmal angegangen werden und so über die nächsten Jahrzehnte eine Besserung eintritt. Ansonsten haben wir es wohl bald mit der größten Müllhalde auf dieser Erde zu tun.