Hekla/Hjálparfoss/Landmannalaugar

Unsere Hütte für die nächsten Tage lag also bei Hveragerði. Die Gegend liegt in einem Hochtemperaturgebiet. So ist es nicht verwunderlich, dass man hier diese geothermale Energie nutzt. Hier gibt es viele Gewächshäuser, in denen Tomaten, Orangen und andere Südfrüchte angebaut werden. Außerdem gibt es viele heiße Quellen in der Umgebung. In einer dieser Quellen soll 1906 ein Mann ums Leben gekommen sein, als er bei Dunkelheit hineingefallen ist. Dies soll der Anlass gewesen sein, die Straßen von Hveragerði nachts zu beleuchten. Von unserer Hütte aus hatten wir einen schönen Blick über die Stadt und wir können bestätigen, es ist wirklich hell bei Nacht. Direkt auf der Wiese vor unserer Hütte war auch eine heiße Quelle die so vor sich hin dampfte. Auch auf dem Grundstück gab es eine Quelle aus der Energie gewonnen wurde. Wir waren ja schon an verschiedenen Orten, an denen die geothermale Energie genutzt wurde. Man merkt es, sobald man den Warmwasserhahn aufdreht - es riecht eindeutig nach verfaulten Eiern, also Schwefel. Daran muss man sich beim Duschen schon etwas gewöhnen. 

Mit einem Klick auf die Bilder werden diese vergrößert.

Nach den ganzen Erlebnissen vom Vortage sind wir diesen Tag ruhig angegangen. Erst einmal mussten wir unsere Vorräte auffrischen, zuerst also in einen Supermarkt. Dann aber wollten wir mehr von Island entdecken. Zunächst fuhren wir Richtung Hekla, einem der bekanntesten und aktivsten Vulkane der Insel. Die Hekla muß schon seit langer Zeit bekannt sein, wird sie doch in vielen Mythen als "Eingangstor zur Hölle" bezeichnet. Dieses schlechte Immage mag an den fürchterlichen Ausbrüchen der Vergangenheit liegen. Die Hekla hat während ihres Bestehens ein Lavavolumen von etwa 8 km³ ausgestoßen und immer wieder weite Teile des Landes zerstört, aber auch Land neu geformt. Dabei sieht sie bei Sonnenschein mit ihrer Schneekappe harmlos aus. Obwohl, so richtig zu sehen bekommen haben wir den Vulkan zunächst nicht, dicke Wolken verbargen die Hekla. Unser Weg führte uns durch alte Lavafelder und sandige Ebenen. Die Umgebung wirkte eher verlassen. Wir sahen zwar einige Schilder, die unserer Deutung nach Land zum Kauf anboten, kamen aber für uns zu dem Schluss, das ist zu weit ab von allem.

Mit einem Klick auf die Bilder werden diese vergrößert.

Weiter die Straße entlang kam dann eine Abzweigung zum Wasserfall Hjálparfoss. Kurz vor dem Zusammenfluss mit der Fossá stürzen sich die Flussarme der Þjórsá gute 9 Meter in die Tiefe. Obwohl es mal wieder regnete, sah der Sturz der Wassermassen zwischen Basaltsäulen hindurch schon ein wenig malerisch aus. Frei übersetzt aus dem Isländischen bedeutet der Name Hjálparfoss so etwas wie "Hilfewasserfall". Diesen Namen verdankt der Wasserfall der Tatsache, dass in der Vergangenheit, nach einer Inlandquerung über wüstenähnliche Landschaften, hier die erste Stelle war, an der man wieder frisches Wasser und Futter für die Pferde bekam.

Wir fuhren weiter durch die wüstenähnlichen Berge. Die Straße war nur eine Sandpiste und wir waren froh niemanden vor uns zu haben. Das hätte die Sicht auf Null reduziert. Weite, trockene Lavafelder begleiteten uns. Unterwegs kamen wir an einer neu gebauten Brücke vorbei. Daneben aber noch eine alte Brücke, scheinbar nur für den Transport von Schafen gedacht, um diese unbeschadet über den Fluss zu bringen. Mittlerweile waren wir schon sehr weit in die Berge vorgedrungen, da sahen wir ein Hinweisschild Landmannalaugar. Im Reiseführer hatten wir gelesen, ein lohnenswerter Ausflug. Also folgten wir den Weg dorthin. Zuerst war die Straße ja auch ganz in Ordnung, als wir aber beim Kraftwerk Búrfell abbogen, wurde die Strecke zusehends schlechter. Die Landschaft wurde jetzt wirklich faszinierend. Weite Lavafelder erinnerten an eine Mondlandschaft, teilweise kamen wir uns vor wie auf einen anderen Planeten. Etwas später beeindruckten uns die Berge durch ihre Farbenvielfalt. Gegensetzlich, grandios, so würden wir diese Gegend beschreiben. Unterwegs hielten wir noch einmal am Zusammenfluss mehrerer Flüsse. Ein idyllischer Ort an dem wir ein wenig verweilten. Dann ging die Fahrt weiter, an einem See vorbei, immer durch die total verlassene Landschaft die absolut ursprünglich auf uns wirkte. Vorbei ging der Weg an den Vulkankrater Hnausapollur und Ljótipollur. Kurz vor Landmannalaugar mussten dann noch zwei Flüsse durchfurtet werden.

Für den Namen Landmannalaugar haben wir zwei Übersetzungen gefunden, die wie folgt lauten: - 1. die warmen Quellen der Menschen aus Land - 2. warme Bad der Landmänner. Wie auch immer, es hat alles etwas mit den 70°C heißen Wasser, welches aus der Lava des Lavastromes Laugahraun fließt und sich mit kaltem Wasser eines Gletscherflusses mischt, so dass eine angenehme Badetemperatur erreicht wird. Wir sahen hier tatsächlich ein Vorsicht-Schild, welches vor der zu heißen Temperatur im Bach warnte. Zahlreiche Besucher kommen jedes Jahr an diesen Ort. So soll sich die Keimzahl im Badewasser erheblich erhöht haben. Wir sahen auch einige Tümpel, die schon mit Algen zugewachsen waren. Wir konnten nicht so richtig unterscheiden, ob die Blubberblasen in einigen Tümpeln Wasser war, was aus dem Untergrund kam, oder ob es sich um Faulgase handelte. Wir sind jedenfalls nicht zum Baden gegangen. Bei unserem Besuch waren nicht arg soviele Menschen hier, aber der Toilettenanlage sah man schon an, sie ist für eine Masse an Menschen errichtet. Ehrlich - im Sommer möchte ich hier nicht sein. Obwohl die Wanderungen, die man von hier aus unternehmen kann, wirklich toll sind. Es gibt kürzere Strecken, aber auch Wanderungen für richtig Anspruchsvolle. Uns interessierte jetzt noch, warum die Berge in einer solchen Farbenpracht erscheinen. Es liegt an den unterschiedlichen Gesteinen der Vulkane in der Umgebung. Der Vulkan Bláhnjúkur besteht zum Beispiel aus grau blauem Pechstein, während der Brennisteinsalda aus Rhyolithgestein besteht, der eine rötlich-braune Farbe hat. Es kommt aber auch zu Schwefel- und Kalkbildung, dies hinterlässt eine bläuliche und weiße Farbgebung. Zum Schluss kommt dann auf allen noch ein wenig Moos für einen entsprechenden Grünton. Das Laugahraun besteht aus Obsidian, welches eine schwarze Farbe hat, fehlt nur noch ein Schneerest, dann haben wir auch glänzendes weiß dabei. Schöne Beschreibung, aber ehrlich - man muss es einfach gesehen haben. Wir haben versucht etwas dieser Farben auf die Bilder zu bannen, so richtig gelungen ist es uns aber nicht. Es war später Nachmittag und wir mussten leider wieder zurück fahren. Ich wollte eigentlich den Weg über Jökuldalir, die Gletschertäler, und zur Eldgjá nehmen. Rolf meinte aber, wir kämen dann doch leicht in die Dunkelheit. Da aber mehrere Flüsse zu furten waren, haben wir die Strecke gelassen und sind zurückgefahren wie wir gekommen sind. Am Kraftwerk machten wir noch einmal Halt und bewunderten den dortigen Wasserfall.

Mit einem Klick auf die Bilder werden diese vergrößert.

Es war schon recht spät, als wir wieder in Hveragerði eintrafen. Viel Spaß hatten wir wieder beim Grillen. Leider war der Hot Pott der Hütte eher ein Cold Pott, so konnten wir diesen nicht benutzen. Zum Glück funktionierte die Dusche, so war für die nötige Hygiene gesorgt. Dann machten wir Pläne für den nächsten Tag. Ach so - auch hier war das Bett ein Bett und keine Schlafkuhle. Die Erlebnisse der ersten Nächte in Island wiederholte sich nicht mehr - zum Glück.