Halbinsel Reykjanes

Die Halbinsel Reykjanes wartete auf uns. Aktiver Vulkanismus beherrscht die Halbinsel, stellt sie doch die über dem Meeresspiegel liegende Fortsetzung des Mittelatlantischen Rückens dar. Es warteten also so einige Entdeckungen auf uns. Die Strecke führte direkt am Fjord entlang, auf der anderen Straßenseite die 70 m hohen Klippen des Krisuvikurberg. Diese Klippen sind ein Paradies für Seevögel, diese hatten sich aber an diesem Tage rar gemacht. Das lag bestimmt an den ausgewachsenen Sturm. Es sah schon ein wenig komisch aus, wie die Wellenkämme förmlich vom Wind weggeblasen wurden.

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Einige Zeit später waren wir beim Geothermalgebiet Seltún angekommen. Als wir aus dem Auto ausgestiegen waren, mussten wir aufpassen nicht vom Wind umgeblasen zu werden. Der Sturm hatte gewaltig an Kraft zugelegt. Zuerst waren wir an einem kleinen See mit Namen Grænavatn. Es handelt sich um ein bläulich/grünlich schimmerndes, mit Wasser gefülltes, Maar. Gleich daneben der große Schlammtopf Fúlipollur. Etwas weiter die Straße hinauf dann das eigentliche Gebiet von Seltún. Hier gibt es eine Menge Schlammtöpfe und heiße Quellen zu sehen. Einige Kilometer weiter kam der See Kleivarvatn. Wie auch in einigen anderen Seen, so soll auch in diesen ein Seeungeheuer leben, wobei es uns nicht begrüßt hat. Natürlich gibt es in dieser aktiven Vulkanzone auch noch häufig Erdbeben. Nach einem dieser Erdbeben im Jahr 2.000 senkte sich der Wasserspiegel des Sees dramatisch und die Fläche verringerte sich um ein 1/5 - nach einige Zeit stieg das Wasser wieder. Für das absinken des Wasserspiegels macht man Spalten unter der Wasseroberfläche verantwortlich, in denen das Wasser versickert. Im Laufe der folgenden Jahre stieg der Wasserspiegel aber wieder. Dieses Phänomen hat man in der Vergangenheit schon öfters beobachtet. Unter dem Seewasser liegen einige heiße Quellen. Wir konnten so eine heiße Quelle sehen, als wir am Ufer entlang gingen. 

Kurz hinter dem Geothermalgebiet hielten wir noch einmal bei den Grundmauern einer alten Kirche. Dann kam ein abenteuerlicher Abstecher zu einen Punkt an der Küste, von dem aus man eigentlich sehr gut Vögel beobachten können soll. Es ist ja schon erwähnt worden, dieser Tag war äußerst stürmisch und uns war klar, auf den Felsen werden wir alles sehen, nur keine Vögel.  Witzig war aber, dort wo man eigentlich die Vögel sieht, hatten sich Schafe verkrochen, um so Schutz vor dem Sturm zu bekommen (das glauben wir zumindest). Weiter ging es Richtung Grindavik, wobei wir an der Abzweigung zur blauen Lagune vorbei gefahren sind. Viele werden sagen: "Warum denn das?" Wir wollten nicht einfach nur Baden gehen. Auch wenn die Blaue Lagune eine der Attraktionen von Island ist, wir können uns das Badevergnügen dort nicht vorstellen. Unser nächster Halt war dann am südlichsten Punkt der Halbinsel, in Reykjanesviti. Ab und an kam die Sonne durch die Wolken und strahlte den Nachbau des ersten Leuchtturms Islands an, der 1878 errichtet wurde. Der wirkliche erste Leuchtturm wurde bei einem Erdbeben 1878 zerstört. Die Küste an dieser Stelle sieht wirklich, unwirklich schön aus.

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Der Tag war aber noch lange nicht zu Ende. Nächste "Attraktion" - die Brücke über die Kontinente. Die Brücke wurde über eine Lavaspalte zwischen den beiden Kontinentalplatten gebaut. So kann man bequem von Europa nach Amerika gehen, das ganze ohne Ausweiskontrolle. Auf den Grund unter der Brücke wurden allerhand Stein-Gebilde gelegt, das ganze sieht recht witzig aus. er Sturm brauste noch immer mit aller Gewalt. Um den Wind etwas zu entgehen bin ich in die Spalte hineingegangen, um etwas Schutz zu suchen. Funktionierte auch, aber Rolf entdeckte immer wieder etwas und rief mich dazu. Es ist faszinierend zu sehen, welche Gewalten auf unserer Erde wirken und dieser Spalt hat es uns noch einmal verdeutlicht - wie dies vorher ja auch schon an vielen anderen Stellen in Island geschehen ist. Hier also driften die beiden Kontinentalplatten auseinander. Auf Tafeln wird der Vorgang veranschaulicht und erklärt. Die Brücke gilt übrigens auch als Symbol für die Freundschaft zwischen Europa und Amerika und soll eine Brücke des Glücks sein.

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Der Weg führte zum Ort Hafnir, der früher ein bedeutender Handelsposten und Fischerort war. Danach kam Hvalsnes mit dem für Island bedeutensten Gotteshaus, der aus behauenen Naturstein gebauten Hvalsneskirkja. Bedeutend ist diese Kirche deshalb, weil der berühmte Dichter, der Pastor Hallgrímur Pétursson, hier von 1644 - 1651 Kirchenvorstand war. Auf dem Friedhof sieht man noch den Grabstein seiner Tochter mit einem Gedicht des Meisters. Über Sandgerði fuhren wir nach Garður, bis zum alten und neuen Leuchtturm. Auf einer Tafel wird auf die vielen Schiffsuntergänge hingewiesen. Die Riffs und Untiefen der Gewässer dieser sturmumtosten Küste fordern immer wieder ihren Tribut. Hier gab es eine Menge Vögel zu beobachten, aber der Wind war so stark, man konnte kaum die Kamera halten, geschweige denn das Stativ benutzen (das wäre sofort umgeweht worden). Da es aufgrund des Sturmes hier wirklich nicht gerade einladend war, machten wir uns wieder auf den Weg. Kurze Zeit später fuhren wir am Flughafen Keflavik vorbei - wir hatten die Insel einmal komplett umrundet. Für unsere letzte Nacht auf Island quartierten wir uns in einem Motel in Vogar ein.

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In Vogar gibt es eigentlich nichts, absolut nichts. Aber - wir waren noch gar nicht in Reykjavik. Lange fahren mussten wir von Vogar aus ja nicht und das es schon später Nachmittag war, fanden wir auch sofort einen Parkplatz. Wir schlenderten eine ganze Zeit durch die Innenstadt. Vorbei am Parlament, dem Rathaus, dem Nationalmuseum, der lutherischen Domkirche und natürlich auch zu der alles überragenden Hallgrimskirkja. Die untergehende Sonne schien fast direkt auf dieses Bauwerk und ließ es wunderschön erleuchten. Benannt ist die Kirche nach dem uns nun schon bekannten Dichter und Pastor Hallgrímur Pétursson. Alles in allem, eine tolle und schöne Hauptstadt haben die Isländer. Zum Abendessen suchten wir uns ein schickes Restaurant und genossen richtig schönen, frisch zubereiteten Fisch. Ein schöner Ausklang für unser Abenteuer Island.

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Früh, sehr früh am nächsten Morgen ging es dann zum Flughafen. Das Auto abgegeben, dann ging auch schon bald der Flieger Richtung Frankfurt. Dann noch ein paar Stunden Zug fahren - wir waren wieder zu Hause. Ein toller, abenteuerlicher Urlaub war zu Ende. Dafür, dass ich eigentlich gar nicht nach Island wollte, wirklich bemerkenswert. Wir haben viel nicht gesehen, aber das was wir gesehen haben war einfach nur traumhaft. So viele Schönheiten der Natur, alle gebündelt auf relativ kleinen Raum. Ein unglaublich abwechslungsreiche Landschaft, die eine Kraft ausstrahlt, die ich gar nicht beschreiben kann. Das Licht auf der Insel, auch das kann ich nicht in Worte fassen. Ich bin eigentlich jetzt schon sehr sicher, Island wird uns noch einmal wieder sehen. Da warten noch eine ganze Menge Abenteuer auf uns. Wenn ich nur an das Hochland denke, da waren wir gar nicht. Aber auch in allen anderen Regionen gibt es noch sehr viel zu entdecken.