Höfn/Jökulsárlón/Kirkjubæjarklaustur

Von Djupivogur aus ging es weiter, die Südküste wollte entdeckt werden. Viele Erlebnisse hatten wir schon auf dieser wunderschönen Insel. Die Natur beeindruckte immer wieder mit ihrer Vielfalt. Das Licht auf Island kann einen nur begeistern. Vom Wetter her hatten wir fast alles, was man von Island auch erwartet - Regen, Sonnenschein und Wind. Damit einem der Spaß gerade bei Regen nicht vergeht ist vernünftige Kleidung eine Grundvoraussetzung für einen Urlaub auf Island. Das fahren mit dem Auto, auch das ist kein Problem auf Island. Auf jeden Fall nicht auf der Ringstraße die einmal um die ganze Insel führt. Im Gelände sollte man schon etwas Erfahrung haben. Viele Naturwunder liegen nicht direkt an der Ringstraße, daher würden wir einen Geländewagen empfehlen. Auch wenn man die meisten Orte auch mit einem normalen PKW anfahren kann, es nervt aber doch ganz schön, wenn man Kilometerweit über Holperpisten fahren muss. Wir sind mit unserem Geländewagen gut zurecht gekommen. Wer den 1. Teil schon gelesen hat, wird bemerkt haben, auf dieser Reise sind wir eigentlich nicht einen Millimeter von den Touristenpfaden abgewichen. Trotzdem konnten wir alles genießen, ohne großartigen Rummel, wie man es oft an anderen Orten der Welt erlebt. So waren wir gespannt, was uns im Süden dieser wunderschönen Insel noch so alles erwartet.

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Die Nacht verbrachten wir auf einer Farm, eigentlich schon mehr Hotel, in der Nähe von Djúpivogur. Am Morgen regnete es mal wieder und es war auch ganz schön stürmisch. Immer an der Küste entlang fuhren wir Richtung Höfn. Es ging vorbei an einer grandiosen Berglandschaft aus Gletschern, Wasserfällen und tief eingeschnittenen Tälern. Wobei sich meistens alles ziemlich im Nebel verbarg. Aber man konnte schon erahnen, was die Natur hier so zu bieten hat. Zuerst war die Ringstraße hier nur eine Sandpiste, immer mal durch asphaltierte Strecken unterbrochen. Je mehr wir aber Richtung Westen fuhren, umso besser wurde die Straße. Wir kamen dann an den Gletscherfluss Jökulsá í Lóni und überquerten die Brücke. Vorher machten wir aber noch einen Halt, denn die Aussicht war einfach beeindruckend.

    

Weiter ging es Richtung Höfn. Einige Zeit nach der Brücke geht es dann durch einen Tunnel, so spart man sich die Fahrt über einen Pass. Gegen Mittag kamen wir dann in Höfn an. Das Wort Höfn bedeutet schlicht und einfach Hafen. Auch dieser Ort gilt als eine Versorgungsstätte für die Umgebung und hat mal gerade 2.000 Einwohner. Etwas Industrie hat sich hier angesiedelt und es gibt einige Museen zu erkunden. Am Hafen kann man den Kutter "Akurey" bestaunen. Wenn es nicht gerade regnet, soll man einen wunderschönen Blick auf die Gletscherzungen vom Vatnajökull haben. Wie schon erwähnt, es regnete und war recht stürmisch. So probierten wir eine weitere Attraktion des Orten - Hummer. Wir fanden ein schönes Restaurant und bestellten. Wirklich lecker Hummer! So gestärkt konnten wir unseren Weg Richtung Westen fortsetzen.

Linkerhand der Ringstraße begleitete uns jetzt immer der Gletscher Vatnajökull und seine Gletscherzungen. Immerhin ist der Gletscher mit seinen guten 8.456 qkm einer der größten Gletscher Europas. Er nimmt ungefähr 8 % der Fläche Islands ein. Um einen besseren Eindruck zu bekommen - der Gletscher ist ungefähr halb so groß wie Schleswig-Holstein. Irgendwann konnten wir dem Drang, einmal näher an eine Gletscherzunge heranzufahren, nicht widerstehen. Schnell bogen wir von der Straße ab und gelangten auf eine Allradstrecke. Immer näher kam die Gletscherzunge. Eine merkwürdige Atmosphäre, wie sich die Gletscherzunge so aus dem Nebel herausschält. Wir fuhren heran bis zu dem Gletscherfluss - da kamen wir dann wirklich nicht mehr weiter. Obwohl die Sonne nur ganz schwach durch die Wolken kam erschien das Eis teilweise richtig blau. Eine Weile wanderten wir umher und sogen die Eindrücke nur so in uns auf.

Wieder auf der Ringstraße kam dann schon nach einigen Kilometern die nächste Attraktion - der Jökulsárlón - die Gletscherflusslagune. Schon von weitem konnten wir das Naturschauspiel erahnen. Auf diesem Gletschersee schwimmen riesige Eisberge. Der Breiðamerkurjökull kalbt in die Gletscherlagune, die Eisberge werden dann langsam Richtung Meer getrieben. Noch Ende des 19. Jahrhunderts reichte die Gletscherzunge fast bis ans Meer, jetzt ist sie über 3 km von der Küste entfernt. Immer wieder brechen Haushohe Eisklötze vom Gletscher ab und schwimmen auf dem Wasser. Man sieht allerdings nur 1/7 der Eisberge, der Rest ist unter Wasser. Kaum zu glauben, es eröffnet sich eine farbenfrohe Welt. So sind frisch abgebrochene Eisblöcke schillernd blau. Da dieses Eis frei von Luftblasen ist reflektiert es den blauen Anteil des Lichts. Wieder waren wir von dieser Farbgebung beeindruckt. Wie muss das alles bei Sonnenschein aussehen? Ach so, warum das Eis später dann weiß wird? Nach einigen Tagen dringt Luft in das Eis ein und der gesamte Spektralbereich des sichtbaren Lichtes wird reflektiert. Man kann eine Bootsfahrt zwischen diesen Eisblöcken machen. Klar, da waren sofort dabei und bestiegen schon kurz nach unserer Ankunft eines der Landungsboote auf denen diese Ausflüge stattfinden. Um der Gefahr einer Kollision mit dem unter dem Wasser liegenden Teilen der Eisblöcke zu entgehen, sind die Boote mit Sonar ausgestattet. Eine gute halbe Stunde schipperten wir durch die Eisblöcke - eine absolut faszinierende Welt. Wen wundert es da, dass eine solche Gegend als Filmkulisse dient. So wurden hier Filmszenen für James Bond – Stirb an einem anderen Tag , Tomb Raider und Batman Begins gedreht. Der 248 Meter tiefe See hat ja eine direkte Verbindung zum Meer und wird dadurch mit Salzwasser versorgt. Das sorgt unter anderem dafür, dass der See nicht zufrieren kann. Damit Fahrzeuge auf dem See fahren können, wurde beispielsweise für den James-Bond-Film der Zugang zum Meer verschlossen, was innerhalb von 24 Stunden zu einer geschlossenen Eisdecke führte. Als wir schon wieder ins Auto steigen wollten entdeckten wir noch zwei Seehunde. Natürlich sind wir nicht eingestiegen und schauten den beiden Gesellen noch eine Weile zu. Dann wurde es aber wirklich Zeit aufzubrechen.  Auf der Fahrt über die Brücke des Jökulsárlón blickten wir noch einmal über die Eisgebilde, dann ging es weiter Richtung Skaftafell.

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Jetzt erstreckten sich ausgedehnte Sand- und Geröllfelder, die mit Moränen durchsetzt sind, entlang der Ringstraße. Entstanden ist dieses Gebiet durch die Gletscher und den immer wieder auftretenden Gletscherläufen. So gibt es in dieser Gegend auch wenige Höfe, da die Vulkanausbrüche und Gletscherläufe das Leben in dieser Gegend dann doch zu schwer machen. Man nennt das Gebiet auch Öræfasveit - Ödland. Früher war das Gebiet fast unzugänglich - Erleichterung brachte erst die Fertigstellung der Ringstraße. Man überbrückte das Sandergebiet und traf auch Vorsorge für die nächsten Gletscherläufe. Die Brücken wurden auf schwimmfähige Pontons gebaut. Werden sie jetzt weggerissen, können zumindest Teile der Brücke wiederverwendet werden. Es braucht nur ein Boot auf dem Meer danach Ausschau halten und die Teile wieder an Land ziehen. So ist die Ringstraße zumeist schnell wieder repariert, wenn etwas passiert. Unser Tagesziel war für heute aber Kirkjubæjarklaustur. Wir machten zwar noch einmal einen Ausflug zu einer Gletscherzunge, mussten dann aber zusehen zum Zielort zu gelangen. Wir durchfuhren das durch den großen Gletscherlauf von 1996 total veränderte Skeiðarársandur. Die Straße verläuft hier über einen 17 km langen Damm und über Brücken. Dann kamen die Berge wieder näher, über denen die Wolken dicht dahinzogen - was für ein Anblick. Dann waren wir endlich in Kirkjubæjarklaustur und fanden auch recht schnell unsere Hütte. Für das Abendessen war dann Grillen angesagt. Da es ohne Ende geregnet hat und der Sturm immer stärker wurde, war auch dies ein Erlebnis der besonderen Art. Aber wir hatten ein wirklich tolles Abendessen und ließen den Tag langsam ausklingen.