Distrikt Wayanad

Als wir Kochi verließen viel uns auf, irgendwie hörte die Stadt gar nicht auf, man kam irgendwie einfach nicht in eine ländliche Gegend. Uns wurde vor Augen geführt, wir befinden uns in einem der bevölkerungsreichsten Land der Erde. Nach einigen Stunden kamen dann aber von Dschungel bewachsene hohe Berge in Sicht. Die Region ist 700 - 2100 Meter hoch, tiefe Täler, felsige Landschaften, hohe Bergrücken und dichte Wälder wechseln sich ab. Deutlich ist aber auch der Raubbau durch die Abholzung zu sehen. Trotzdem wird versucht die Natur der Region, die in den Westghats liegt, zu erhalten. So versucht zum Beispiel das Wayanad Wildlife Sanctuary die einheimischen Elefanten und andere bedrohte Tierarten zu schützen. In Wayanad wächst der berühmte Malabar-Pfeffer, gedeihen Kardamon und Zimt, Vanille und Betelnuss. Riesige Teeplantagen bedecken große Teile des Gebietes. So ist es nicht verwunderlich, dass die Gewürzkammer der Malabar-Küste schon immer das Interesse fremder Mächte auf sich lenkte.

Abgelegene Bergtempel, vom Dschungel überwucherte Heiligtümer und abgelegene Dörfer erinnern daran, dass seit jeher Menschen hier gesiedelt haben. Unterstrichen wird dies durch Archäologische Nachweise, die belegen das Wayanad schon seit über 3000 Jahren bewohnt ist. Die Region bietet Trekking- und Wandermöglichkeiten, Ausflüge in das Wildschutzgebiet, den malerisch gelegenen Tempel Thirunelly oder die Eddakal-Höhlen. Zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten auf Plantagen, in Baumhäusern oder ganz normalen Hotels stehen zur Verfügung. Für jeden Geschmack sollte etwas dabei sein. Wir entschieden uns für die Übernachtung in einem Baumhaus. Nach gut 5 1/2 stündiger Autofahrt, die letzten Kilometer über reine Holperpisten, erreichten wir das Hotel, welches die Baumhäuser bewirtschaftet. An der Rezeption mussten wir dann erst mal Gepäck aussortieren, da man nur eine leichte Tasche mitnehmen kann. Mit einem Jeep ging es dann mitten in den Dschungel und nach einem kleinen Fußmarsch standen wir vor dem Baumhaus. In ca. 20 Meter Höhe sollten wir die nächsten zwei Nächte verbringen. Mit einem Käfig-Fahrstuhl, der mit Wasser-Gegengewicht funktioniert, angetrieben von drei Hotelangestellten, ging es in luftiger Höhe. Es schon ziemlich abenteuerlich, vor allem das Ein- und Aussteigen in dieser Höhe, wenn der Käfig hin und her schwenkt. Das Baumhaus selbst besteht aus einem Schlafzimmer mit Badezimmer - duschen ist kein Problem. Ringsum das Baumhaus verläuft dann eine Terrasse. Ein tolles Erlebnis, in den Wipfeln eines Urwaldriesen zu übernachten, umrahmt von Urwaldgeräuschen. Am Morgen wird man durch das Gebrüll der Affen geweckt, welche dann auch mal gerne über das Dach toben. Oder einem beim Duschen frech zuschauen und sich um den besten Platz balgen.

Wir machten einige Wanderungen. Unter anderem kletterten wir auch hinauf zu den Eddakal-Höhlen. Eddakal bedeutet soviel wie "Stone in the Middle". Man sollte schon Schwindelfrei sein, wenn man zu den Höhlen hochklettert, die letzte Etappe führt über diverse Leitern, die als Kletterhilfen angebracht wurden. Die Höhlen selbst sind bekannt für ihre eindrucksvollen Felsritzungen aus dem Neolithikum. So richtig ist es eigentlich keine Höhle, nach oben hin gibt es eine schmale Öffnung - daher der Name "Stone in the Middle". Man kann den Berg noch weiter erklimmen. Es geht durch einen äußerst schmalen Felsspalt, an Seilen einen steilen Abschnitt hinauf, dann immer weiter Bergauf. Man wird durch einen atemberaubenden Blick über die Region belohnt.