Dimmuborgir

An einem wunderschönen Sonnentag, der Sonnenaufgang war atemberaubend, verließen wir Akureyri. Der Weg führte uns zunächst wieder Richtung Mývatn. Noch einmal kamen wir am Godafoss vorbei. Spontan hielten wir dann, des tollen Wetters wegen, in Dimmuborgir. Wir wollten uns diese dunklen Burgen (das ist die Bedeutung von Dimmuborgir) noch ansehen. Viel zu viel haben wir in dieser wunderschönen Gegend nicht gesehen, das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Bei einem Vulkanausbruch vor ungefähr 2.000 Jahren lief die Lava hier über ein Sumpfgebiet. Das Ende vom Lavafeld (die Lavafront) kühlte sich ab und bildete einen Damm hinter dem sich ein kochender Lavasee aufstaute. Natürlich kühlte auch die Oberfläche dieses Lavasees allmählich ab. Das darunter liegende Wasser des Sumpfgebietes verdampfte und suchte sich seinen Weg an die Oberfläche. Teilweise wurde der Dampf unter so hohem Druck nach oben gedrückt, dass es die Lava förmlich zerriss. Die Wände dieser Aufstiegswege erstarrten ebenfalls, da dieser Wasserdampf kühler war als die Lava selbst. Es bildeten sich Kamine und Wände aus glühenden Gestein. Irgendwann brach der Lavadamm und das flüssige Gestein floss ab. Dadurch brach natürlich auch die schon erstarrte Decke des Lavasees ein. Zurück blieben Türme, Wände und Höhlen, die eine unheimliche, mystische Landschaft hinterließen. Heute wachsen Pflanzen zwischen diesen Gebilden. Das Lavafeld befindet sich an einem der trockensten Orte von Island. Der Boden ist daher sehr anfällig für Erosion, die Steine sind spröde und zerbrechlich. So war denn auch Dimmuborgir Anfang der 40iger Jahre fast völlig von Sand bedeckt und dieses Naturwunder drohte völlig zu verschwinden. Dank der Eigentumsübertragung des Besitzers der Farm Geiteyjarströnd, auf deren Land Dimmuborgir liegt, an den damaligen Naturschutzverband, wurde dieses Denkmal der Natur gerettet. Das Gebiet wurde eingezäunt, man errichtete Steinbarrieren als Windschutz und säte Lymegras. Dieses Gras bedeckt mittlerweile einen großen Teil des Gebietes und das Problem der drohenden Versandung wurde gestoppt. Schlendert man durch Dimmuborgir, so erinnern einen die Steinformationen an Ruinen von Burgen mit ihren Türmen.

In der isländischen Mythologie wird Dimmuborgir als Unterkunftsort von Elfen und Trollen gesehen. So kommen dann auch ab Dezember jeden Tag die 13 Weihnachtskobolde täglich hierher. Ja, die Isländer geben sich nicht nur mit einem Weihnachtsmann mit roter Mütze ab. Bei den 13 Weihnachtstrollen handelt es sich um die Söhne der Trollfrau Grýla die gerne böse Kinder verspeist. Die faulen Leute werden dagegen von ihrer Hauskatze Jólaköttur (die Weihnachtskatze) gefressen. Die fleißigen Leute dagegen bekommen zu Weihnachten Jólaföt ( Weihnachtskleidung). Einmal im Jahr treffen sich die 13 Kobolde - zu Weihnachten. Ab dem 12. Dezember steigt jeden Tag einer der Kobolde von den Bergen herab und ergattert sich etwas von den Bauernhöfen der Umgebung, bis sich dann alle zu Weihnachten getroffen haben.

Die Länge dieses Abschnittes verrät es, wir haben uns hier eine ganze Weile aufgehalten und ließen unserer Fantasie freien Lauf. Dann mussten wir aber aufbrechen, noch etliche Kilometer bis Djúpivogur lagen vor uns.