Cusco

Nach kurzer Nacht, man gewöhnt sich daran, ging es früh am Morgen wieder zum Busterminal. Dieses Mal war der Bus etwas einfacher, aber erheblich bequemer als der Linienbus. Eine Menge Leute wollten Richtung Cusco, entsprechend war der Trubel auf dem Busbahnhof. Dann stellte sich noch heraus, irgendwie war der Bus überbucht. Nach einer ganzen Weile war aber irgendwie alles im Lot und der Bus fuhr los. Erst einmal den steilen Berg hinauf. Schnell schoss ich ein paar Fotos aus dem fahrenden Bus. Dann ging es durch die Ebene, teilweise wurde die Fahrbahn recht holprig. Dieser Bus war auch mit einer Toilette ausgestattet, aber in einem Ort hielt der Fahrer. Der örtliche Apotheker hatte hier mehr Reisesnacks zu verkaufen als Medizin, im Hinterhof gab es eine ganze Batterie von Toiletten - Nutzungsgebühr 1 Soles. Am höchsten Punkt der Strecke, Abra la Raya auf 4.312 m hielt der Bus noch einmal. Hier hat der Rio Urabamba seinen Ursprung und die Landschaft ist beeindruckend. Selbstverständlich standen am Parkplatz etliche Verkaufsstände, falls man dringendst ein Mitbringsel zu kaufen hatte. Allmählich wurde die Umgebung feuchter und somit grüner, gerade als es steil bergab ging, bin ich eingeschlafen und erst in Cusco wieder aufgewacht.

Unser Hotel hatten wir keine 10 Minuten zu Fuß vom Plaza de Armas entfernt. Ein kleines, nettes und gemütliches Hotel, saubere Zimmer und strategisch gut gelegen. Witzig die individuell eingerichteten Zimmer mit den in den Putz gedrückten Ornamenten, die dann bemalt wurden. Selbstverständlich war der Inhaber und das Personal sehr nett und hilfsbereit, so wie wir es eigentlich schon überall in Peru kennen gelernt hatten. Es heißt, wer in Cusco ist befindet sich im Herzen des Inka-Reiches. Im Zentrum des Andenhochlandes gelegen, eingebettet in einem ausgedehnten Tal liegt die Stadt, die auch der Region in der Umgebung ihren Namen gab. Die Geschichte der Stadt, die Vielzahl leicht zu erreichender Sehenswürdigkeiten ziehen hunderttausende von Touristen in die auf 3.340 Meter Höhe gelegene Stadt. Auch wenn ich jetzt etwas vorweg nehme - die Stadt ist wirklich sehr schön und gemütlich. Für die Inka war Cuzco der Nabel der Welt, der Mittelpunkt ihres Reiches Tahuantinsuyu. Es führten vier Straßen aus den vier Reichsteilen in diese Stadt, und die Quartiere der Stadt waren symbolisch den dazugehörigen Gegenden des Landes und der aus diesen Reichsteilen kommenden Bevölkerung zugeordnet. Cuzco war das politische, religiöse und kulturelle Zentrum des Reiches und für die Bevölkerung war Cuzco ein Symbol für ihr Reich.

Wir schlenderten erst einmal zur über 600 m langen Plaza de Armas. Zu Zeiten der Inka war dieser Platz schon ein heiliger Platz und diente als Fest- und Kultplatz. Heute ist der Platz von Kirchen und Klöstern umgeben, wobei die riesige Kathedrale, die auf Überresten eines Inka-Tempels gebaut wurde, imposant heraussticht. Da wir auch gewaltigen Hunger hatten, gingen wir nur noch ein paar Straßen weiter, dann zog es uns in Paddy's Pub. Hier gab es günstig, viel und gut zu essen und ein schönes Bier dazu. Dann trafen wir uns im Hotel mit einem Vertreter der Reiseagentur zwecks Absprache wie denn nun unser Besuch von Machu Picchu laufen sollte. Da die tausende von Besuchern den Inka-Trail wie auch Machu Picchu selbst zerstören, hat die UNESCO gefordert, den Touristenstrom zu reglementieren. Die Regierung von Peru hält sich zwar in keiner Weise an die Vorgaben, aber man benötigt eine Erlaubnis. Wir erfuhren, den Tag für die Erlaubnis hatte man geändert - o.k. - schnell alle Reisepläne geändert. Es gab zwar jetzt ein paar Probleme mit dem Gepäck und der weitere Verlauf war ein wenig "holprig", aber es ließ sich alles arrangieren - wobei die Reiseagentur bei der Lösung recht fantasielos war.

Mit einem Klick auf die Bilder werden diese vergrößert.

Auf alle Fälle hatten wir den gesamten nächsten Tag, um erste Eindrücke von Cusco zu sammeln. So schlenderten wir erst einmal durch die schmalen Straßen der Stadt, die schon zur Inka-Zeit gepflastert waren, so wie auch die beiden Flüsse Tullumayo und Huatanay schon damals kanalisiert waren. Die Inka-Bauten waren sehr stabil. Als die Spanier die Stadt besetzten, zerstörten sie nur die religiösen und staatlichen Gebäude der Inka, um ihre Kirchen und Kolonialbauten daraufzusetzen. Eines Tages gab es ein kräftiges Erdbeben. Viele Bauten der Spanier stürzten ein. Was von den Inkas noch da war, blieb unbeschädigt. Lange schlenderten wir durch die schönen Straßen von Cusco, ab und an ging es in ein Museum. Höhepunkt war natürlich der Besuch von Coricancha, einem der wichtigsten Inkatempel. Man nennt ihn, der Übersetzung wegen, auch Sonnentempel. Hier wurden Riten nationaler Bedeutung abgehalten, Hochzeiten und Krönungen zelebriert, oder es fanden Bestattungen statt. Coricancha war der heiligste Ort der Inka. So durfte der Tempel nur nüchtern und mit einer Last auf dem Rücken betreten werden. Die Last diente dazu, die Demut darzustellen.

Das Tempelinnere soll unglaubliche Schätze beherbergt haben, so wurde hier auch die goldene Scheibe, die die Sonne repräsentierte und darüber hinaus eine Darstellung des gesamten inkaischen Pantheons. In trapezförmigen Nischen in den Wänden und auf goldenen Thronen waren die Königsmumien aufgestellt und mit goldenen Masken und überaus fein gewebten Stoffen dekoriert. Die Mumien wurden durch Diener mit Speisen und Getränken rituell versorgt. Boden und Wände waren ursprünglich mit 700 soliden Goldplatten bedeckt. Die massivgoldene Sonnenscheibe in Gestalt eines Menschen war vor einer mit Smaragden und Türkisen reich geschmückten Wand so aufgestellt, dass die aufgehende Sonne vom Metall und den Edelsteinen reflektiert wurde und jene ein blendend goldenes Licht zurückwarfen. Ein weiterer Raum soll vollständig mit Silber ausgeschlagen gewesen sein. Hier wurde eine Scheibe aus Platin, mit einem Durchmesser von 10 Meter, in Form einer Frauengestalt, angebetet. Auch sollen in diesem Raum die Mumien der Königinnen aufgestellt worden sein. Der Tempel wurde ca. 1438 am Ort der ältesten Ansiedlung Cuscos errichtet. Ursprünglich hatte Manco Cápac den Ort aus militärischen und bewässerungstechnischen Gründen zwischen die beiden Flüsse Río Huatanay und Río Tullumayo gebaut. Aber Pachacútec steigerte die sakrale Bedeutung des Orte extrem. Cusco wurde in Form eines Pumas umgestaltet, wobei die Crocancha genau unterhalt des Pumaschwanzes, an der Stelle der Sexualorgane, platziert wurde. Der Sonnentempel und vier weitere kleinere Tempel waren durch eine Umfriedung eingefasst. Die Mauern bestanden aus feinsten Steinmetzhandwerk, einheitlich verziert mit einem fortlaufenden Streifenband aus purem Gold in drei Meter Höhe. Das ganze wurde durch ein Strohdach geschlossen. Perfekt, fugenlos und ohne Zement fügen sich die Natursteine, die eine leichte Kissenform an den Seiten haben, zusammen. Der Umfang des Tempels betrug mehr als 365 Meter, der Haupteingang, wie auch die Nebeneingänge waren mit Goldplatten versehen. Die Spanier vermuteten wegen der reichen Opfergaben, dass dieser den Inka als allerheiligster Ort galt, weshalb sie hier eine Kirche mit Konvent errichteten. Lediglich vier Räume wurden weiterhin vom Kloster genutzt. Ein weiteres schweres Erdbeben 1950 beschädigte die Kirche und legte längst vernichtet geglaubte Mauerreste des Tempels wieder frei.

Kirchen hätten wir hier in Cusco noch sehr, sehr viele besuchen können. Man bekommt fast den Eindruck, Cusco besteht nur aus Kirchen. Aber wir genossen es, in der Sonne durch die Stadt zu schlendern. Da Rolf noch unbedingt einen Pullover haben wollte, sind wir natürlich auch durch diverse Geschäfte gestreift. Dann war der Tag auch schon wieder zu Ende.