Cu Chi

Heute sind die Tunnel von Cu Chi nicht nur Symbol für den Widerstand des vietnamesischen Volkes gegen Fremdbestimmung und Unterdrückung, sondern auch eindrucksvolles Beispiel für den neuen Pragmatismus. Gegen harte Dollars kriechen ergraute "Vietcong" gemeinsam mit ihren ehemaligen Feinden durch das riesige unterirdische Labyrinth.

Schon im Kampf gegen das französiche Kolonialregime trieb man 1948 die ersten Tunnel in den Lehmboden von Cu Chi. Die Kämpfer wurden von Bauernfamilien der Umgebung mit Nahrungsmitteln versorgt, die sich manchmal auch selbst dort in Sicherheit brachten. Als die Amerikaner hier das Hauptquartier der 25. Division, nur wenige Kilometer vor den Toren Saigons, errichteten, ahnten sie nichts davon, dass ihr Feind direkt unter ihren Stiefeln lauerte. Nachdem die Amerikaner dann von der Existenz der Tunnel erfuhren, erklärten sie das Gebiet um Cu Chi zur "free fire zone". Die Bevölkerung wurde zwangsweise umgesiedelt und in Lagern kaserniert. Danach belegten sie die so "gesäuberten" Gebiete mit Bombenteppichen. Das Gelände wurde nacheinander mit Napalm, Giftgas und Dieselöl besprüht. Man drang in die Tunnel ein, hierzu wurden zumeist Thais oder Koreaner verpflichtet - der Bundesgrenzschutz lieferte Schäferhunde, die letztendlich durch Chilipfeffer oder amerikanische Rasierseife förmlich an der Nase herumgeführt wurden.

Zur Zeit der Tet-Offensive 1968 war das Tunnelsystem, mit allen seinen Seitenzweigen und Querverbindungen, etliche hundert Kilometer lang, von der kambodschanischen Grenze bis direkt vor die Tore Saigons. Teilweise bestanden die Tunnel aus drei bis vier Stockwerken, die bis zu 20 m tief in die Erde reichten - durchnittlich waren sie 5 - 6 Meter tief. Durch Falltüren verbunden wie getrennt, enthielten sie Lazarette, Konferenzräume, Schlafsäle, Werkzeugdepots, Frischwasserbrunnen und Vorratslager, sogar Pagoden und Feldküchen, deren Rauch hunderte Meter entfernt abgeleitet wurde. Einige Tunnel verliefen sogar unter Flußläufen hindurch oder besaßen Aus- und Eingänge, die nur unter Wasser zu erreichen waren. Ein ganzes Heer von Widerstandskämpfern verbrachte ohne Unterbrechung Wochen und Monate in den unterirdischen Stollen. 

Heute sind zwei Sektionen renoviert und für Besucher zugänglich. Dabei hat man die Tunnel so erweitert, daß auch ausgewachsene Mitteleuropäer und amerikanische Vietnam-Veteranen einige Meter weit hindurchkriechen können. Feldküchen, Lazarette, OP-Räume, Kommandostationen sind derart "benutzerfreundlich" rekonstruiert, daß man das Tageslicht heute kaum verlassen muß. Die längste Strecke, die man als Besucher an einem Stück durchkriechen kann, beträgt keine 100 Meter. Das ganze Areal wirkte auf uns bedrückend, trotz der eindeutig für Touristen ausgelegten Darstellung.