Colca Canyon

In Arequipa hatten wir ja erste Eindrücke unseres Gastlandes sammeln können - für uns schöne, erlebnisreiche Eindrücke. Um 4.00 h klingelte dann der Wecker, was für ein erwachen, so lange vor dem Aufstehen. Aber unsere Neugier auf mehr von Peru weckte uns. Es gab tatsächlich schon ein Frühstück und um 5.00 h nahmen wir ein Taxi zum Busterminal. Wow - war hier ein Trubel. Diesem Trubel ein wenig zuschauen, dann hat man einen kleinen Überblick. Wir mussten noch die "Steuer" für das Terminal bezahlen und wir bekamen mit, es hat noch ein wenig Zeit, bis der Bus kommt. Also schlenderten wir durch das Terminal. Unzählige Verkaufsstände, mit allem, was man als Reisender so benötigt. Wir nahmen dann noch einen Kaffee - dann war es Zeit, noch einmal ein "stilles Örtchen" aufzusuchen. Erstaunlich - aber sehr sauber, dieses "Örtchen". Dann gingen wir durch das angesagte Gate und der Bus kam vorgefahren. Alles mögliche wurde mit dem Bus transportiert und musste erst einmal verladen werden. Dann ging es los - der Bus hatte eine Art "Oberschaffner" der auf Spanisch eine ellenlange Ansage machte. Was ich mitbekam, war soviel wie: "Auf der Fahrt über den Pass müsst ihr keine Angst haben. Wenn Euch nicht Wohl ist, dann sagt Bescheid, wir haben hier guten Coca-Tee." Die Fahrt führte zunächst durch die Randbezirke von Arequipa, die dann auch nicht mehr so schön waren, wie der Stadtkern - so ist es halt in allen Städten. Es ging dann immer weiter bergauf, durch weite Ebenen. Auf gut 4.000 Metern eröffnet sich dann die Pampa de Canahuas, die zusammen mit der Laguna de Salinus als Nationalpark ausgewiesen ist. An einer Gabelung bogen wir dann links ab und es ging einen 4.690 Meter hohen Pass hinauf. Immer wieder sahen wir große Herden von Lamas und Alpakas. Nach diesen ersten Pass ging es dann immer weiter bergauf durch diese beeindruckende Landschaft. Die schneebedeckten Berggipfel kamen immer näher und nach guten 3 Stunden Fahrt waren wir am höchsten Punkt der Strecke,auf 4.910 Meter, angekommen. Der Himmel war sonnenklar und man hatte eine fantastische Sicht zu den Vulkanen Ampato (6.310 m), Hualcuhualca und dem aktiven Subancaya.

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Ein großer Nachteil des Linienbusses, es gibt keine Pausen. So langsam machte sich meine Blase bemerkbar (der Kaffee war wohl nicht wirklich eine gute Idee). Unsere Fahrt ging jetzt steil begab. Am Grund des Tales konnte ich eine größere Ortschaft ausmachen. Ein weiterer Blick in den Reiseführer verriet mir, es muss sich um den Ort Chivay handeln, den größten Ort der Gegend und der Eingang zum Colca Canyon. Es dauerte eine ganze Weile, bis der Bus bis ins Tal heruntergefahren war. Meine Blase hielt es nicht mehr aus. Als wir in das Busterminal einfuhren, war mir alles egal. Unser eigentliches Ziel war Cabanaconde, ich aber stürzte aus dem Bus. Was allerdings nicht gerade als Elegant bezeichnet werden kann. Wir befanden uns auf einer Höhe, so um die 3.900 Metern. Kaum war ich aus dem Bus, bekam ich eine anständige "Schnappatmung". Ich kam mir vor, als hätte ich die Strecke ab Arequipa im Dauerlauf gemacht. Sogleich wurde ich auch noch von fleißigen "Touristenführerinnen" angesprochen. Die sahen aber, ich bekam wirklich kaum Luft und meinten nur: "Du brauchst dringend Coca-Tee." Egal - erst mal ließen sie mich in Ruhe. Dann kam Rolf: "Sind wir in Cabanaconde". Kurze Antwort: "Nein!" Die Blase machte wirklich nicht mehr mit, so stürzte ich, ohne weitere Kommentare, in das Terminal hinein und schaute nach der Toilette, die ich dann auch fand. Allerdings - ich hatte kein Kleingeld! Leute, das Leben kann hart sein. Der gute Mann am Toiletteneinlaß sah allerdings, ich war am Rande der Beherrschung. So durfte ich passieren - was für ein Glück, auf Reisen habe ich grundsätzlich Klopapier in der Hosentasche und Seife (so für ohne Wasser zu gebrauchen). Das Wort Erleichterung trifft meine Empfindungen nicht wirklich. Zurück auf dem Terminal, wo ich Rolf samt unseres Gepäcks fand. Schlau, wie mein Rolf nun einmal ist, hat er gemerkt, bis der Bus weiterfährt bin ich nicht zurück und hat das Gepäck rausgenommen. Der Bus ist weiter gefahren, aber wir waren noch lange nicht am Ziel unseres Ausflugs, wir wollten ja nach Cabanaconde. So die Frage von Rolf: "Und nun?"

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Erst einmal erkundigte ich mich, wann denn der nächste Bus fuhr. Antwort: "So gegen 13.00 h." Toll, wir hatten es gerade mal 9.30 h, was sollte man so lange machen. Rolf war ein wenig verstimmt. Wenn "Mann" verstimmt ist, am besten in Ruhe lassen. So bat ich ihn, auf das Gepäck aufzupassen und ging Richtung Ort. Ich hatte ja gelesen, Chivay ist so etwas wir der Hauptort der Gegend. Ich hatte mitbekommen, jeder Ort in Peru hat so etwas wie eine Plaza de Armas, da wollte ich hin. Natürlich ging ich in die verkehrte Richtung. Alles nicht so einfach, wenn man die Höhe des Ortes bedenkt. Etwas, was ich so nicht für möglich gehalten hatte. Aber letztendlich fand ich den Hauptplatz und siehe da - es gab dort so etwas wie ein Reisebüro. In der Hoffnung, hier jemanden zu finden, der Englisch sprach, trat ich ein und hatte Glück. Ich sagte, wo ich hin wollte und das ich auf der Strecke die Schönheiten des Canyons sehen möchte. Der gute Mann hatte eine Lösung - ein Auto (ehrlich, fast wäre ich selbst nicht draufgekommen). Schnell wurden wir uns Handelseinig und er besorgte das Auto. Ich fischte währenddessen Rolf mittels Motor-Rikscha vom Busbahnhof auf. Als ich ihm sagte, ich habe eine Lösung und ihn dann zu dieser "Rikscha" führte, wollte er vom Glauben abfallen. Ich versicherte ihm, die Fahrt geht nur in den Ortskern, dann haben wir ein richtiges Auto. Das fuhr dann auch nach einer Weile vor. Weil der Fahrer kein Englisch konnte, musste eine Angestellte, des dem "Reisebüro" angegliederten Hotels, uns begleiten. Ja - eine sehr nette Person mit ein paar Worten Englisch.

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So konnten wir unseren Weg so gegen 11.00 h fortsetzen. Gleich nach der Chivay kamen wir nach Yanque. Der Ort war so klein, schnell waren wir auf der Plaza de Armas, welcher durch eine schöne, schneeweiße Kirche verschönert wurde. Wir erfuhren, die Kirche wurde 1702 erbaut. Wir wollten schon zum Auto zurück, da hörten wir so etwas wie eine Kapelle spielen. Aus einer Nebenstraße kam ein kleiner Aufmarsch, mit Figuren, die wie der Teufel aussahen. Man versuchte uns die Prozession zu erklären, aber so ganz erschloss uns der Sinn nicht. Es schien aber das ganze Dorf mit zu machen und alle waren bester Laune. Ein klein wenig bezog man uns mit ein, ich komme nicht umhin zu meinen, wir waren Anlass für so einiges Gelächter. Warum auch nicht, wenn es denn die Leute glücklich macht. Wir hatten auf alle Fälle auch unseren Spaß.

Der Ort Maca war unser nächster Halt. Das Dorf wurde 1991 von einer Schlammlawine fast total zerstört. Viele Einwohner leben nicht mehr hier. Die Lawine überstanden hat die Kirche des Ortes, die zuvor schon zahlreiche Erdbeben überstanden hat. Das Innere ist sehr schön. Vor der Kirche gab es eine Menge Andenken zu kaufen, eine andere Möglichkeit Geld zu verdienen haben die Dorfbewohner kaum - die Felder sind nach der Schlammlawine weiterhin kaum fruchtbar. Einer der Dorfbewohner hat einen Adler gezähmt und Touristen dürfen diesen Fotografieren und auch auf die Schulter nehmen.

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Was für ein Glück, dass ich in Chivay zwecks Toillette ausgestiegen bin. Immer weiter ging die Fahrt über unbefestigter Straße. Die Landschaft, mit den vielen, wahrscheinlich durch die Inka angelegten, Terrassen - unglaublich schön und nicht zu beschreiben (auf jeden Fall nicht durch mich). An einem tollen Aussichtspunkt der nächste Stopp. Aber wir sollten nicht in das Tal schauen, obwohl hier sehr schön, fängt hier der eigentliche, sehr schmale Colca Canyon an. Aber die Attraktion hier waren hoch oben im Fels, direkt über uns. Lauter "Höhlen", die wie zugemauert aussahen. Angeblich hat man hier Mumien gefunden. Es könnte sich aber auch um Getreidesilos handeln. Genau haben wir es nicht heraus gefunden.

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Am frühen Nachmittag erreichten wir dann den Cruz del Condor. Von hier aus soll man die besten Chancen haben Condore zu beobachten. Entsprechend touristisch aufgebaut ist das Areal. Da die Condore aber eher am frühen Morgen ihre Flugkünste zur Schau stellen (der besseren Thermik wegen), war am frühen Nachmittag nichts mehr los. Wir genossen aber die Ruhe und schauten uns die wirklich atemberaubende Gegend an. Immerhin spricht man beim Colca Canyon von der tiefsten Schlucht der Welt. Wobei die Literatur immer wieder den Hinweis bereit hält, es kommt auf den jeweiligen Standpunkt an. Vom höchsten Berggipfel bis zum Grund, dem Rio Colca, sind es 3.269 Meter. Misst man das Ganze vom Rand der Schlucht aus, sind es 1.200 Meter. Zum Vergleich - der Grand Canyon hat eine Tiefe von 1.800 Metern. Vergleichen kann man die beiden Canyons aber nicht, jeder für sich ist einmalig, die Natur zeigt sich in beiden von einer ihrer schönsten Seiten.

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Dann kamen wir endlich in Cabanaconde an. Ein kleines Dorf, aufgrund der Nähe zum Cruz del Condor gut für die Übernachtung geeignet. Ein kleiner Spaziergang führte uns durch das Dorf bis zum Rand des Canyons und wir genossen den Ausblick. Auch von hier aus soll man die Condore recht gut beobachten können. An diesem Nachmittag aber nicht. Noch immer waren wir ganz schön hoch, Cabanaconde ist auf ca. 3.290 Meter und sobald die Sonne untergegangen war wurde es bitterkalt. Leider gibt es keine Heizungen, man war das kalt beim Abendessen, welches im übrigen man gerade mal mäßig war. Müde und erschöpft vielen wir aber auch bald ins Bett. Was soll ich sagen, da die Condore ja früh fliegen mussten wir auch entsprechend aufstehen.

Der Tag fing also wieder sehr früh an. Wir fuhren direkt zum Cruz del Condor. Eine Menge Menschen waren schon da, jeder mit gezücktem Fotoapparat. Wir gingen bis zum Rand des Canyons, mit einem Mal war Rolf verschwunden. Auf einen Felsvorsprung entdeckte er zwei Jungvögel - keine vier Meter entfernt und gut an den braunen Federn zu erkennen. Dann kamen aber schon die ersten älteren Vögel, die mit den schwarzen Federn die auf dem Rücken mit weißen Federn durchsetzt sind und eine weiße Halskrause haben. Der Andenkondor hat eine Flügelspannweite von bis zu 3,20 m und ist damit der Vogel mit der größten Spannweite. Die Länge beträgt ungefähr 1,10 m. Geschickt nutzt er die Thermik und kann Höhen von bis zu 7.000 m erreichen. Dabei kann der Vogel ein Alter von 70 Jahren erreichen. Seinen Lebensbereich hat der Kondor im Gebirge, da er hier die besten Luftströmungen vorfindet, die er elegant und geschickt für seine Flüge ausnutzt. Obwohl der Kondor in der Mythologie Perus und der anliegenden Staaten eine wichtige Rolle spielt (er gilt als Mittler zwischen Himmel und Erde), ist er vom aussterben bedroht. Man darf dabei nicht vergessen, die Kondore legen nur alle zwei Jahre ein bis zwei Eier, wobei die Brutzeit 65 Tage dauert. Beide Elternteile kümmern sich dann um den jungen Vogel, bis er Flügge ist (also fähig zu fliegen), was auch noch mal 6 Monate dauert. Dabei sind die Vögel monogam und leben ihr Leben lang zusammen. Aber auch die Paare sind sehr gesellig, so trifft man eigentlich immer eine größere Gruppe von Kondoren an, bis zu 10 Vögel. Die Kondore gehören zur Gruppe der Geier und sind Aasfresser, wobei ihr Speiseplan aus toten Seelöwen, Haustieren und Lamas besteht.

Wir sahen wirklich viele Kondore und es war eine Wucht, diese eleganten Tiere bei ihren Flügen zu beobachten. Von weitem der Anflug, mit Teleobjektiv holte man sich den Vogel ran, dann zog man immer weiter das Objektiv runter, mit einmal war der Vogel größer als der Bildausschnitt. Den Fotoapparat von den Augen genommen, knappe fünf Meter über einem schwebte der Vogel. Was für ein Wahnsinn! Irgendwann kamen dann keine Vögel mehr und wir wanderten eine ganze Weile am Rande der Schlucht entlang. Atemberaubende Ausblicke eröffneten sich.

Dann war es Zeit, zurück nach Cabanaconde zu fahren. Unterwegs hielten wir dann noch an einem weiteren Aussichtspunkt. Hier passierte es, ich knickte mit dem Fuß um und legte mich ordentlich lang. Dabei stieß ich mir gehörig den Ellenbogen. Zum Glück hatte ich Wanderstiefel an, so sind die Bänder nur überdehnt worden. Ein Indianer kennt ja aber keinen Schmerz, so humpelte ich erst mal weiter. Eigentlich wollten wir ja von Cabanaconde aus in den Canyon absteigen, zur Oase Sangalle. Ich hatte ja aber doch ziemlich mit der Höhe zu kämpfen und noch immer Kopfschmerzen. Daher hatten wir das unterfangen schon am Vortage aufgegeben. So schauten wir uns die Gegend am Rande des Canyons an. Die Natur ist hier einfach nur schön, je nachdem wo man steht, sieht die ganze Umgebung immer anders aus. Gut, ich humpelte mehr als das ich wanderte, aber es machte uns großen Spaß. Am Schluchtrand angekommen trafen wir dann einen Ranger von der Bergrettung. Der erklärte uns so einiges über die Gegend, die Pflanzen und die Dörfer, die am gegenüberliegenden Teil der Schlucht sind. Er fand es unheimlich toll, das wir unsere Grenzen so kennen und führte uns dann zu einem wirklich schönen Aussichtspunkt.

Gegen Abend waren wir dann wieder im Hotel und ich ruhte mich ein wenig aus. Wie es anständige Menschen so tun, zog ich natürlich meine Schuhe aus. Eigentlich schade - danach bekam ich den vom kaputten Fuß nicht mehr an. Der Inhaber des Hotels gab mir dann ein Salbe, sagte aber, erst in der Nacht auftragen, die riecht ein wenig streng. Na ja - später - wir sind dann in die Pizzeria des Ortes gegangen. Schön mollig warm war es hier, der Holzofen stand mitten im Gastraum und wir genossen eine wirklich gute Pizza. Dann ab ins Bett - aber - die Salbe noch auftragen. Ich öffnete die Dose, ein atemberaubender Gestank schlug mir entgegen. Mutig strich ich die Salbe auf den Fuß, die sehr schön kühlte und allein deshalb schon gut tat. Der Gestank verteilte sich im ganzen Zimmer. Wir waren aber so müde, so schliefen wir bald ein.

Der Bus fuhr erst gegen 9.00 h zurück nach Arequipa, so konnten wir tatsächlich bis 6.30 h schlafen - dann wachten wir von alleine auf. Tatsächlich war der Fuß soweit abgeschwollen, ich kam wieder in den Schuh. Die Bushaltestelle befand sich direkt in der Dorfmitte, am Dorfplatz. Eine Menge Menschen hatten sich schon eingefunden. Ein lautes Hupen signalisierte: "Einsteigen!" Wenn man bei uns meint der Bus sei voll, dann würde ein Peruaner sagen, halb voll fahren wir noch lange nicht. Wir hatten zwei Sitzplätze reserviert, was für ein Glück. Fast die gesamte Fahrt hingen mindestens zwei Menschen fast auf unseren Schoß, zur anderen Seite sah es nicht besser aus. Irgendwann rief eine Frau ganz aufgeregt irgendetwas. Nach einiger Zeit wurde sie etwas gefragt und alle fingen an zu lachen. Ein Hund wurde vom hinteren Ende des Busses nach vorne durchgereicht. Aber die Frau fing wieder an zu rufen. Nach einiger Zeit und Gelächter durch den ganzen Bus kam dann ein zweiter Hund zum Vorschein. Samt ihrer drei Kinder stieg sie dann aus. Es zeigte sich, das Aussteigen auf der Hinfahrt hatte sich gelohnt. Dank des unfreiwilligen Stopps sahen wir wirklich alle interessanten Dinge des Canyons (na ja - zumindest fast alle). Nach guten 6 Stunden Fahrt, währenddessen es nicht gerade nach Rosen duftete, kamen wir dann Nachmittags in Arequipa an und gingen zurück in das Hotel das wir zuvor schon hatten. Unser Hauptgepäck hatten wir hier deponiert. Der Fuß war ein wenig blau, der Ellenbogen schillerte in allen Farben, aber das Erlebnis werden wir nie vergessen - diese majestätischen Vögel - Super!