Borgarnes - Umgebung

Gegen späten Nachmittag (Ortszeit) landeten wir in Keflavik. Und gleich wurden wir mit einer Besonderheit konfrontiert. In Keflavik kann man vor der Einreise schon zollfrei einkaufen. Unsere Planung war, mit dem Geländewagen einmal die Insel zu umrunden, da braucht man für "lauschige" Abende dann auch mal das eine oder andere Bierchen. Ich passte auf das Gepäck auf, Rolf besorgte so das Eine oder Andere, was gemäß den Reiseführern im Land recht teuer ist. Normalerweise schiebt "ER" mit dem Gepäck durch den Zoll, "SIE" trottet hinterher. In Keflavik schiebt "SIE" das Gepäck - "ER" schiebt den voll geladenen Einkaufswagen. Ein witziges Bild - trotzdem raten wir aber allen, sich an die Zollvorschriften zu halten. Dann auf zum Schalter des Autovermieters. Alles ging recht schnell und reibungslos vonstatten, schon saßen wir in unserem Wagen und auf ging es. Ziel - ein Hof in der Nähe von Borgarnes - zu unserem ersten Ferienhaus. Wir nahmen die Umgehungsstraße um Reykjavik herum, Richtung Arkanes. Es ging durch den langen Tunnel unter dem Hvalfjörður durch, immer weiter auf der Ringstraße. Linkerhand hatten wir die Berge, rechterhand sahen wir Schären und Sandbänke. Dann die Abzweigung nach Borgarnes über eine lange Brücke. Jetzt noch einmal so um die 38 km - dann waren wir an unserem Ziel. Ein wirklich sehr schönes Ferienhaus wartete auf uns - mit eigenem Hot Spot.  Natürlich hatten wir am Flughafen nichts für ein Frühstück eingekauft, zu Abend gegessen hatten wir auch noch nicht. Also - 38 km zurück nach Borgarnes. An einer Tankstelle, die in Island scheinbar der Treffpunkt aller sind, fanden wir etwas zum Abendessen und so etwas wie einen Supermarkt. Alle Bedürfnisse wurden gedeckt, für ein tolles Frühstück am nächsten Morgen war gesorgt. So ging unser erster Tag zu Ende.

Oh Gott - was für Betten!!! Ich bin kaum aus dem Bett gekommen. Hingelegt und irgendwie in einer tiefen Kuhle versunken, versuchte ich zu schlafen. Eigentlich bin ich froh - die Nacht ist zu Ende. Der Himmel war grau und es hat geregnet. Ich hatte es doch gesagt - nur Regen! O.k. - erst einmal ein ordentliches Frühstück. Wir ließen uns Zeit und besprachen, was wir denn so machen wollten. Rolf hatte mir Wasserfälle versprochen - also sollte unser erstes Ziel der Glymur sein. Der Glymur ist einer der höchsten Wasserfälle Islands, gute 198 Meter stürzt sich dieser Wasserfall zu Tal. Man muss schon etwas wandern, aber was für eine Landschaft. Durch eine Höhle hindurch, dann den Berg runter. Im Tal der Botsná überquerten wir den Fluss auf einem Baumstamm. Zum Glück, etwas präpariert, so dass der geneigte Tourist nicht sofort Gefahr läuft ins Wasser zu fallen. Auf der anderen Seite dann wieder Bergauf - recht steil. Aber was für Ausblicke - trotz Regen, der immer mal aufhielt, ich war besänftigt aufgrund des spektakulären Ausblicks. Sobald man ein paar Schritte gemacht hatte, eröffnete sich ein weiterer, traumhafter Ausblick. Mal vernebelten die Wolken die Umgebung, dann klarte es wieder etwas auf - alles sah anders aus. Gute drei Stunden krabbelten wir durch die Gegend und möchten keine Sekunde missen.

Mittlerweile war es Mittag und nach der Kletterei hatten wir Hunger. Man hatte uns vorab schon gesagt, in Island sind Restaurants etc. nicht immer als solche zu erkennen. Wir machten uns also auf den Weg. Natürlich kamen wir so an der einen oder anderen Tankstelle vorbei, aber auf Hamburger und Co. hatten wir keinen Appetit. So fuhren wir durch die unglaubliche Landschaft ... und fuhren ... und fuhren - nur zum Essen kamen wir nicht. Mit einmal tat sich schon wieder ein Highlight auf. Wir landeten bei den Hraunfossar - den Lavawasserfällen. Auf einer Breite von fast einem Kilometer quellen unzählige, kleine Wasserfälle aus einem Lavafeld und bilden richtig gehende Kaskaden, die sich in die Hvitá ergießen. Staunend wanderten wir umher, um dieses Schauspiel aus allen möglichen Perspektiven betrachten zu können.

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Ganz in der Nähe, der Barnafoss - der Kinderwasserfall. Mit bemerkenswerter Geschwindigkeit schießt hier das Wasser durch ein Loch und bildet eine tosende, gurgelnde Stromschnelle. Die traurige Geschichte zum Barnafoss geht wie folgt: Als die Bewohner des Hofes Hraunsás zur Weihnachtsmesse fuhren, ließen sie zwei Kinder zurück. Als sie zurückkehrten, waren die Kinder verschwunden, aber ihre Spur führte zum Fluss. Sie sollen von einem natürlichen Steinbogen abgestürzt, in den Fluss Hvítá gefallen und ertrunken sein. Daraufhin ließ die Mutter den Steinbogen zerstören, damit sich eine ähnliche Tragödie nicht mehr ereignen kann.

Leider gab es auch hier nichts Essbares, so fuhren wir, mittlerweile doch stark Hungrig, weiter und schauten, was uns noch so zu entdecken gab. Wir hatten von Lavahöhlen gelesen, die hier ganz in der Nähe sind. Einige Male den Reiseführer studiert, weiter ging es. Die Straße als solche hörte auf und es ging auf Schotter weiter. Das waren wir ja aus anderen Ländern schon gewohnt. Dann kam ein Abzweig - war dieser gemeint? Es ging weiter auf die Berge zu. Wo sonst sollten Höhlen sein. Also nahmen wir diesen Weg und entdeckten so manches. Das Hinweisschild bei der nächsten Abzweigung versprach ja so einiges. Nur - wir waren nicht im Winter unterwegs. Rolf meinte aber, lass uns mal schauen, was es in dieser Richtung so gibt. Ich erwähnte es noch nicht - anderen Autos zu begegnen gehört in Island zu den Ausnahmen. Zumeist ist man allein auf den Straßen unterwegs. Wieder eröffnete sich eine urige Landschaft. Unterwegs hielten wir dann einmal an und wanderten ein wenig abseits der Straße. Was soll ich sagen, gleich tat sich wieder ein kleiner Wasserfall auf. Die Steine waren mit Moos bewachsen und recht hübsche Blumen gab es auch. Leider bin ich in der Botanik nicht so bewandert, so habe ich keinen Schimmer, um was es sich handelte - aber es sah hübsch aus. Rolf baute dann noch eine Steinpyramide. Während der kleinen Wanderung gesellten sich nur noch ein paar Schafe zu unserem Wagen. Am Horizont konnten wir sehen, schlechtes Wetter zog auf. Gleichzeitig kam aber an einer anderen Stelle die Sonne durch und wir erblickten zum ersten Mal den Gletscher Langjökull. Jetzt wurden wir erst richtig Neugierig und fuhren auf den Gletscher zu.

Wir kamen an ein Hinweisschild - aber da ging keine Straße lang. Einige hundert Meter später gab es dann eine Straße die rechts ab ging. Da also durch, über eine Brücke und dann wieder geradeaus. Rechterhand sahen wir wieder einen wunderschönen Wasserfall. Rolf meinte aber, wenn Du jetzt jeden Wasserfall besuchen möchtest, dann sind wir noch mindestens zehn weitere Leben hier unterwegs. So ging es dann direkt an den Rand des Gletschers. Hier war auch die Station der Mounteneers, die mit großen Geländewagen die Touristen auf das Eis fahren. Muss eine spaßige Sache sein, aber zu dieser Zeit war hier kein Mensch mehr. Es ging also wieder zurück - wir suchten ja noch immer die Lavahöhlen. An der ursprünglichen Abzweigung wieder angekommen schauten wir noch einmal in den Reiseführer. Da soll eine Brücke kommen und vor der Brücke rechts abbiegen. Die Brücke fanden wir dann und bogen ab. Aber weit und breit keine Höhle. Langsam wurde es ganz schön spät - aber aufgeben zählt ja nicht. Wir überquerten besagte Brücke, noch einige Meter - da kam dann ein Hinweisschild. Schön blöde waren wir, der Reiseführer ist von der anderen Richtung ausgegangen. Aber wir kamen dann doch zu unserem Ziel - den Höhlen Surtshellir und Stefánshellir. Die Lavahöhlen von Surtshellir und Stefánshellir entstanden, weil sich die Oberfläche eines Lavastromes schnell abkühlte. Die Oberfläche bildete dann eine feste Kruste, unter der die flüssige Lava weiter floss. Zurück blieben lange Fließkanäle, die dann unterirdische Höhlen bildeten.

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In beide Höhlen kann man hinein klettern. An verschiedenen Stellen ist die Decke eingebrochen. Aber es ist eine mühselige Kletterei. Man sollte schon ein sehr gute Helmlampe und vernünftiges Schuhwerk anhaben. Regendichte Kleidung ist auch ratsam, es tropft ziemlich von den Decken. Ich erwähnte ja schon die Helmlampe, diese setzt einen Helm voraus. Den hatte ich natürlich nicht, dafür eine schöne Beule. Vorsicht! Surtshellir hat eine Länge von 1.900 Metern - immer mal wieder durch die eingebrochene Decke unterbrochen. Stefánshellir ist gute 1.600 Meter lang. Innen haben die Höhlen eine Höhe von ungefähr fünf bis zehn Metern. Wie gesagt, es ist ganz schön anstrengend über die Felsen zu klettern. Teilweise ist der Rand ganz glatt. Irgendwie erinnerte uns die Szenerie an eine eingestellte U-Bahn-Baustelle. Man sagt, früher haben sich hier auch Geächtete versteckt. Da die Steine, gerade im Inneren der Höhle, in allen möglichen Farben quasi leuchten, ist der Fantasie natürlich jeglicher Freiraum gegeben. Dann sieht man auch neben Kobolden auch Geächtete.

Für diesen Tag hatten wir nun wirklich genug erlebt. Trotzdem blieben viele Interessante Orte der Gegend von uns unentdeckt. Der Tag war einfach zu kurz. Da es aber langsam dunkel wurde, ging es zurück Richtung Borgarnes. Ach ja - wir hatten ja noch immer nichts gegessen. Aber die vielen Eindrücke haben uns glatt den Hunger vergessen lassen. An der Tankstelle machten wir wieder halt und haben dort, endlich, etwas zu Abend gegessen. Ich hatte einen ganz schönen Muskelkater von der ganzen Kletterei. Rolf meinte, dafür ist der Hot Spot gerade gut. Ich zierte mich aber ganz gewaltig, denn es war draußen ganz schön kalt. Aber er überredete mich. Erst einmal im warmen Wasser, wollte ich nicht wieder raus kommen, es war da draußen ja immer noch kalt. Aber drinn bleiben, ging ja auch nicht. Es war dann auch gar nicht so schlimm. Und der Muskelkater - tatsächlich - den habe ich kaum noch gespürt. Wir ließen den Tag dann noch einmal Revue passieren, dann ging es ab in die Schlafkuhle, anders kann ich das Bett nicht beschreiben.