Arequipa

Arequipa liegt in den Anden, im Süden von Peru. Auf dem Flugplatz angekommen, steigt man auf dem Vorfeld aus und geht zu Fuß bis zu dem Terminal. Begrüßt wird man hierbei von drei mächtigen Vulkanen, die die Stadt förmlich umringen. Man erblickt den 5.822 m hohen kegelförmigen Misti , den 6.057 m hohen Chachani und den kleineren und entfernteren Pihu Pichu. Die Stadt selbst liegt auf einer Höhe von 2.300 Metern, somit gut geeignet sich an die Höhe zu gewöhnen. Viel zu sehen gibt es in Arequipa, einer Stadt, die wegen ihrer kolonialen Architektur von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Die fruchtbaren Felder am Rande des Rio Chili ließen schon die Inkas hier eine Stadt errichten. 1540 gründeten dann die Spanier an dieser Stelle die Stadt Arequipa, die aufgrund der ergiebigen Landwirtschaft bald zu Reichtum und Wohlstand kam. Viele Kirchen und Paläste wurden aus dem weißen Tuffstein (sillar) gebaut und mit der Zeit entwickelte sich eine der schönsten Städte des Kolonialreiches. Trotz der vielen Erdbeben macht die Stadt auch heute noch einen imposanten Eindruck und hat von ihrer Schönheit nichts verloren (sieht man von den Autoabgasen einmal ab). In der Nähe der Plaza de Armas fanden wir ein hübsches, kleines Hotel, das La Hosteria. Die Leute waren überaus freundlich und hilfsbereit, die Zimmer sauber und ordentlich.

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Natürlich wollten wir die Umgebung erkunden und es zog uns erst einmal zur Plaza de Armas. Der Platz wird beherrscht durch die riesige Kathedrale, die die gesamte Seite der Plaza de Armas einnimmt. Mit dem Bau dieser Kathedrale hat man schon 1629 begonnen. Dann wurde alles durch einen Brand zerstört und 1844 wieder aufgebaut. Aber schon 1868 wurde die Kathedrale wieder zerstört, dieses Mal durch ein Erdbeben. Aber die Gläubigen ließen sich nicht unter kriegen, es wurde wieder alles aufgebaut. Im Jahre 2001 stürzte dann der Glockenturm bei einem Erdbeben ein und wurde 2004 wieder aufgebaut. Die Kanzel der Kathedrale wurde aus Frankreich importiert und die Orgel aus Belgien. Die Kathedrale von Arequipa ist zudem eine der weniger als 100 Kirchen weltweit, denen es erlaubt ist, die Flagge des Vatikan zu hissen. Von der gegenüberliegenden Seite aus hat man einen guten Blick auf die Kathedrale, inklusive der Vulkane im Hintergrund.

Gleich an der Ecke des Platzes dann die nächste Sehenswürdigkeit, die Kirche La Compañía (17. Jh.). Die Kirche besticht durch die Barockarchitektur. Innen und Außen finden sich Motive mit erstaunlich, verschlungenen Pflanzen- und Tierdarstellungen sowie abstrakte Indianermotive. Das Portal ist auf diese Weise kunstvoll verziert, aber auch der Kreuzgang, während das Hauptschiff mit vollständig vergoldeten, kunstvoll verzierten Altären und Gemälden im Stil der Schule von Cuzco geschmückt ist. Viel weiter sind wir dann an diesem Tag nicht mehr gekommen. Einmal kurz in die Fußgängerzone geschaut, dann trieb uns der Hunger zum Abendessen. Wobei die Auswahl eines Restaurants hier wirklich nicht einfach ist - es gibt einfach zuviele. Mit sicherer Hand fanden wir dann eines, wohl das schlechteste am Ort. O.k. - es war nicht so schlecht, als das wir das Restaurant wieder verließen, aber auf der kulinarischen Genussskala rangierte es am unteren Ende.

Der nächste Tag begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein. Früh wachten wir auf, den Jetlag hatten wir noch nicht so ganz hinter uns gelassen. Nach einem einfachen, reichhaltigen und guten Frühstück machten wir uns auf den Weg. Zunächst ging es Richtung Plaza de Armas - dabei kamen wir am Kloster Sta. Catalina vorbei, welches wir besichtigen wollten. Leider war noch nicht geöffnet - stand war dran, es ist geöffnet, aber war halt nichts. Wir sollten später wieder kommen. Gut, weiter zum Platz, vielleicht kann man ja noch einen Kaffee zu sich nehmen. Kaum ein Auto war unterwegs, mehr Polizei als sonst auf den Straßen. Mir viel auf, auch sehr viel Militär war auf den Straßen - merkwürdig. Dann kamen wir zum Platz und alles war voll Militär, aller Waffengattungen. Dann viel es uns ein - wir hatten den 1. Mai. Dem ganzen Spektakel des Aufmarsches sahen wir eine ganze Zeit lang zu. Einige Zeit später gingen wir dann wieder zum Kloster - jetzt war alles perfekt und wir starteten mit der Besichtigung.

Das Kloster wurde 1580 von den Dominikanern gegründet. In der Regel kamen die Mädchen aus den Familien reicher Spanier in dieses Kloster. Ungefähr 4 bis 7 Jahre lebten die Mädchen als Novizinnen im Kloster, dann mussten sie sich entscheiden, ob sie den Rest ihres Lebens hier verbringen wollten. Die Aufnahmegebühr für das Kloster war seinerzeit schon beträchtlich, es ist angeblich nicht bekannt, das eine Novizin die Aufnahme ablehnte. Galt doch die Aufnahme auch als eine Ehre und man hätte die Familie total blamiert. Nach der Aufnahme im Kloster mussten die Familien weiterhin voll für die Lebenskosten der Tochter aufkommen. Nach ihrem Tod wurde von jeder Nonne ein Gemälde angefertigt. Die Bilder hängen auch heute noch im Kloster und können besichtigt werden. 1579 wurde mit dem Bau des riesigen Klosters begonnen. Hierfür wurde einfach ein Teil des damaligen Arequipa ummauert. Die riesige Klosterfläche mitten in Arequipa beträgt insgesamt 20.426 m². Eine Stadt in der Stadt mit kleinen Gassen und eigenen Straßennamen, mit Gärten und Werkstätten. Die eigene Wasserversorgung machte das Kloster weitestgehend autark. Fast jede Nonne hatte dort ihr eigenes Haus, oft genug mit Dienstmädchen. Viele Häuser wurden auch durch mehrere Nonnen bewohnt, dann zog die Schwägerin, Tante oder ähnliches mit ein. So lebten dort etwa 150 Nonnen und 400 Dienstmädchen, abgeschottet von den Augen der Öffentlichkeit.

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Die Dienstmädchen besorgten den Haushalt und durften auch das Kloster für Besorgungen verlassen. Nach der Rückkehr mussten sie sich dann erst mal waschen, damit alles Ungute von ihnen ging. Selbst der Priester durfte nur durch einen Vorhang von den Nonnen getrennt, die Messe lesen. Die Nonnen selbst durften das Kloster nicht verlassen und auch kein Besucher von draußen durfte sie zu Gesicht bekommen. Bei besonderen Anlässen war eine kurze Unterhaltung durch ein hölzernes Gitter möglich. Hierfür gab es für die höher gestellten Nonnen einen richtigen Raum, für die "gewöhnlichen" Nonnen gab es einen Durchgang mit mehreren Gittern. 1871 reformierte und liberalisierte die damalige Leiterin des Klosters Santa Catalina in Arequipa, Josefa Cadena, das Kloster. Andere erzählten uns, der Orden wollte die dekadente Art und Weise des Klosters nicht mehr akzeptieren. Auf alle Fälle ist seit dem die Aufnahme kostenlos, die Nonnen mussten ihre Häuser aufgeben und in Gemeinschaftsschlafsälen nächtigen und auch die Küchenarbeit wurde gemeinsam besorgt. Natürlich wurden auch die Dienerinnen verboten. Merkwürdig, seit dem waren die Frauen des Geldadels nicht mehr so Christlich und wollten sich nicht mehr für ihren Gott aufopfern. 1970 lebten dann noch 17 Nonnen in dem Kloster und öffneten es für die Allgemeinheit. Derzeit wohnen noch knapp 30 Nonnen im Kloster.

Am Nachmittag machten wir dann noch eine Stadtrundfahrt mit. Es ging in einen weiter weg gelegenen Stadtteil, mit tollem Blick über die Stadt und natürlich auch auf die Vulkane. Hier gab es, mal wieder, ein hübsche Kirche. Am Stadtrand dann der Rio Chili, der sich scheinbar von den Vulkanen abwärts, durch das Tal schlängelt. Eine der nächsten "Attraktionen" war dann eine Verkaufsshow von Alpaka-Kleidung. Wir fuhren noch ein wenig mit, dann verließen wir die Stadtrundfahrt. Zurück zum Plaza de Armas - dann in die Fußgängerzone. Aber vorher, nochmal ein Prozession - scheinbar soetwas wie eine Marineprozession. Auf alle Fälle wurden irgendwelche Figuren aus der Kirche durch die Stadt getragen.

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Wir fanden für Rolf noch eine tolle Hose, so richtig zum wandern, und einen Pullover. Zu Hause lachte er mich ja aus, von wegen dicker Pullover. Aber nachdem die Sonne untergegangen war, wurde es bitter kalt. Ich freute mich über meinen warmen Pullover - auch wenn ich ihn die ganze Zeit schleppen musste. An diesem Tag fanden wir auch ein wirklich tolles Restaurant, das Essen war einfach super. Ein perfekter Tag mit perfekten Abend. Wir gingen dann auch bald ins Bett, unser Bus Richtung Colca Canyon sollte schon um 6.00 h vom Busterminal ab gehen.