Am Strand von Kovalam

Nach den fantastischen Erlebnissen in den Backwaters sollte jetzt der Teil des Strandurlaubes beginnen. Wir fuhren Richtung Kovalam. Aber in Kovalam selbst wollten wir nicht bleiben. Wir hörten, der Ort sei total verbaut und überlaufen mit viel Trubel. So sind wir einige Kilometer weiter Richtung Süden gefahren, das Hotel Coconut Bay Beach Resort wurde empfohlen. Wir fanden wirklich ein tolles Resort vor. Nach unserer Erkundung stellten wir dann aber fest, wir sind in einer reinen Ayurveda Tempel gelandet. Fast ausschließlich von deutschen Kurgängern genutzt. Oh je - hier passten wir so richtig gar nicht hin! Die Gesprächsthemen gingen um die eigenen Krankheiten, was der Arzt so sagte oder auch nicht, wie es denn genau mit der Verdauung sei usw., usw. - wahrlich nicht die Gespräche an denen wir uns so beteiligen. Nicht, dass wir keinen Respekt vor dieser alten und bewährten Heilkunst und Lebensart hätten. Aber wir wollten nur entspannen und ein wenig Spaß haben. 

So machten wir am nächsten Tag erst einmal einen ausgedehnten Spaziergang Richtung Norden, in Richtung Kovalam. In der Ferne sahen wir eine große Kirche, eine schöne Moschee und ganz weit hinten den Leuchtturm von Kovalam. Wir kletterten über die Felsen, direkt rechter Hand des Hotels. Hier fanden wir die ersten Stoffwechselendprodukte des menschlichen Körpers - dachten uns aber noch nichts dabei. Weiter ging es entlang der Steilküste. Eine wirklich hübsche Gegend. Irgendwann war die Steilküste zu steil, wir mussten ins Inland und durch ein Dorf. Dort wo man hätte klettern können, war alles mit Müll bedeckt, scheinbar einfach vom Dorf herunter geschmissen. Oh je! So viel Dreck! Also weiter durch das Dorf. Das die Abwasserentsorgung in asiatischen Ländern nicht so funktioniert wie bei uns, das ist uns von den anderen Reisen ja schon bekannt gewesen. Aber durch Pflege und Sauberkeit hatten wir noch nicht gesehen, besser gerochen, was hier im Dorf abging. So in der Mitte des Dorfes stand denn auch der Konfirmationskaffee ungefähr an der Oberkante der Unterlippe - das Luft holen wurde zur Qual. Wir erreichten dann die Kirche - wirklich hübsch - mir war aber derart schlecht, so sind wir gleich weiter. Wir fanden wieder einen Weg zum Meer hinunter, die Rettung - frische Luft - schien nahe. Doch weit gefehlt! Am Strand angekommen stellten wir fest, hier war wohl das WC des Dorfes mit all den Hinterlassenschaften die man ohne Spülung so vorfindet. Der Steilhang war durchgehend als Mülldeponie genutzt worden. Also, schnell weiter in das nächste Fischerdorf. Wir kamen zu einem Hafen, voll mit Fischerbooten. Die Fischer boten ihre Ware auch gleich an. Tja, Fisch muss geschlachtet werden. Uns wurde beigebracht, man macht danach sauber. Aber der Fisch wurde inmitten der Überreste von wer weiß wie vielen Schlachtungen feil geboten. In praller Sonne - der Geruch - einfach unbeschreiblich. O.k. - natürlich riecht es auf einem Fischmarkt nicht nach Rosen - klarer Fall. Aber was wir hier erlebten - danke! Es wurde zwar mal eine tolle Hafenanlage gebaut, inkl. einem überdachten Umschlagplatz - aber darum hätte man sich vielleicht einmal gekümmert. Die überdachte Anlage wurde nicht genutzt, das dazugehörige Hafenbecken war total versandet. Hoffentlich sind das keine Entwicklungsgelder gewesen, bzw. hätte sich der Investor vielleicht einmal mit den Fischern vor Ort austauschen sollen. Ein Paradebeispiel für eine Fehlinvestition, oder ein Paradebeispiel für maßloses Desinteresse derjenigen, denen das alles zugute kommen sollte. Wir wissen es nicht. Noch ein Stückchen weiter kamen wir dann zur Moschee, aber zwischen all dem Dreck und Müll fanden wir diese nun auch nicht mehr interessant. Also weiter Richtung Kovalam. Nach einer Weile kamen wir an ein die Hawah Beach, an dem Fischer sich versammeln um ein riesiges Netz von Hand an Land zu ziehen, diese Arbeit wird mit rhythmischen Gesängen begleitet. Ein wahres Bild der Idylle. Oberhalb des Dorfes schauten wir dem Treiben zu. Leider kamen nach ein paar Minuten des Innehaltens die ersten Bettler. Ach ja, auch während unserer Wanderung kamen so alle 50 Meter irgendwelche Leute und meinten wir könnten doch mal ein paar Rupien geben. Rolf ging etwas die Treppe zum Strand hinunter. Gerade als ich ihm folgen wollte, kam er zurück und meinte nur: "Du willst doch nicht schon wieder durch eine Müllhalde laufen. Das sieht hier nur von oben schön aus." O.k. - haben wir es sein gelassen. Nachdem uns dann noch jemand mit Drogen versorgen wollte, setzten wir uns wieder in Bewegung.

Nun kamen wir direkt an den Hauptort Kovalam an. Meine Güte, waren wir froh nicht hier Unterkunft gefunden zu haben. Wir wären hier nicht geblieben, sondern sofort weiter gefahren. Bis auf den Strand Hotels, dicht an dicht gebaut. Jede Menge Restaurants und viel Jubel und Trubel. Beim schlendern, immer wieder irgendwelche Leute die einem irgendeinen Müll verkaufen wollen, abwimmelnd, gingen wir die "Promenade" entlang. Schnell stellten wir fest, die meisten der Restaurants hatten keine Lizenz für Alkohol. Machte aber rein gar nichts. Dann wird das Bier halt in großen Teebechern serviert, die Flasche kommt unter dem Tisch. Auf alle Fälle hatten wir uns erfrischt und sind dann mit einer Motor-Trikscha wieder zu unserem Kurhotel gefahren. Das Coconut Beach Resort liegt wirklich ganz schön abseits. Aber direkt am Strand vor dem Hotel hat sich Harry etabliert. Bei Harry darf eine Zigarette rauchen und bekommt, auf Bestellung, fantastisches Essen. Natürlich hat er auch ein Bier parat. Am ersten Abend probierten wir das Essen im Hotel. Bestimmt eine sehr gute Qualität - aber aufgrund der zumeist etwas älteren deutschen Gäste total auf deren Geschmacksnerven zubereitet. Das ganze hatte mit indischer Küche also so gut wie nichts mehr gemein. Der Morgenkaffee entsprach mehr lauwarmen Wasser, also auch dieser trug nicht zu unserem Aufbau bei. Harry hat das aber alles gerichtet. Gegen Mittag wurde abgestimmt, was es zum Abend zu Essen geben sollte. Er fuhr dann zum Markt und kaufte ein. Alles wurde uns im Rohzustand gezeigt und nur zubereitet, wenn wir es für Gut befunden hatten. Ehrlich - wir aßen nicht einmal mehr im Hotel. Zwischendurch brachte Harry immer wieder mal kleine Snacks - alles vom Feinsten. Das allergrößte aber war der Kaffee. Unbeschreiblich - ein Hochgenuss. Gerne wiederholen wir, das Hotel ist Super - da wir auch in den folgenden Tagen feststellen mussten, das Hotel war wirklich eines der Besten, blieben wir hier doch den Rest unseres Urlaubs. Das Personal stets aufmerksam, freundlich und hilfsbereit. Die Zimmer groß und sauber. Nach drei Tagen kam auch jemand vom Restaurant zu unserem Bungalow. Es war aufgefallen, wir waren hier nie Essen. Höflich fragte man, ob man denn irgendetwas für uns tun könne. Wir dankten höflich, angetan von dieser Aufmerksamkeit. Dank Harry, genossen wir denn auch unseren Aufenthalt. Gewiss, dann und wann sind wir Abends auch mal nach Kovalam gefahren, aber das Speisen direkt auf dem Strand unter dem Sternenhimmel - einfach Idylle pur. 

Harry bekam unsere Eindrücke des ersten Spazierganges mit und musste uns zustimmen, Richtung Norden ist wirklich kein schöner Eindruck. Wir sollten doch mal in die andere Richtung gehen. Gesagt, getan - ab ging es am nächsten Tag Richtung Süden. Wieder kletterten wir über Felsen (immer mal wieder über menschliche Hinterlassenschaften hinweg). Traumhafte Buchten eröffneten sich uns. Zwar immer mit einem Luxushotel im Hintergrund, aber wirklich schön. Nach so ca. 8 km eröffnete sich dann ein Strand, wie aus einem Bilderbuch ausgeschnitten. Strand, soweit man sehen konnte. Auf dem Strand, tausende von Fischerbooten. Am Anfang des Strandes waren noch so einige Hotel, aber wir wanderten weiter. Leider wurde auch diese Wanderung abrupt gestoppt, merkten wir, wir sind wieder auf einer öffentlichen Toilette. So ca. alle 10 Meter hockte jemand - na ja - und machte das was die Natur dem Menschen so entringt. Weiter wäre es am Strand nur hüpfend und springend gegangen. Also schnell ins Landesinnere. Hier eröffnete sich uns eine Gegend, ähnlich den Backwaters. Wir gingen dann noch durch ein Dorf, halbwegs sauberer Natur. Da es mittlerweile früher Nachmittag war, ich nicht mehr laufen konnte, nahmen wir uns dann wieder eine Motor-Trikscha, die uns zurück zum Hotel brachte. Fazit des Tages, nicht nur in großen Städten ist es dreckig bis dort hinaus, nein, leider auch auf dem Lande. Überbevölkerung, Armut hin oder her - Sauberkeit kostet nicht die Welt. Wie sagte meine Mutter: "Du kannst arm sein wie eine Kirchenmaus, aber sauber kannst Du Dich halten." In anderen, weit noch ärmeren Ländern ist uns so etwas auch noch nicht unter gekommen.

An einem Tag sind wir dann auch nach Thiruvananthapuram gefahren, der Hauptstadt Keralas. Laut und dreckig empfing uns die Stadt. Wir gingen dann in den Publick Garden und besuchten zuerst einmal den dortigen Zoo. Eigentlich eine schöne Anlage. Vom nahen sahen wir noch einmal so fast alle Tiere, die wir schon in freier Wildbahn gesehen hatten. Nur - hier konnten wir viel bessere Fotos machen. Natürlich gab es auch allerlei Getier, die nicht hier beheimatet sind. Ein schöner und erholsamer Spaziergang, der Zoo wurde sauber gehalten. Gleich nebenan kann man dann noch den Kanakakunnu Palace besichtigen und ins das Napier Museum gehen. Aber irgendwie verließ uns an diesem Tage die Entdecker-Laune. Wir hielten noch bei dem Sri-Padmanabhaswamy-Tempel. Dieser war aber geschlossen, so machten wir einige Fotos von außen. Dann ging es wieder ins Hotel.

Wir machten dann noch einmal einen Tagesausflug an die Südspitze Indiens. Auf dem Weg hielten wir bei dem Padmanabhapuram-Palast der ehemaligen Rajas von Travancore. Ein wahres Schmuckstück der Holzarchitektur ist dieser Palast. Mehrere Holz- und Granitgebäude, verbunden durch lange Korridore und Gänge, gruppieren sich um diverse Innenhöfe. Kunstvoll geschnitzte Giebel verzieren die Ziegeldächer. Der älteste Teil des Palastes stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Decke der Eingangshalle ist mit 90 verschiedenen, fein geschnitzten Blumenmotiven verziert. Der Fußboden in der Versammlungshalle im 1. Stock ist eine Besonderheit. Dieser wurde aus eine heute nicht mehr gebräuchlichen Mischung aus Kokosnuss, Rohrzucker, Eiweiß, Kalk und medizinisch wirkenden Pflanzensäften hergestellt. Auch das reich verzierte Bett des Herrschers, das im Schlafzimmer geradezu thront, ist aus 16 verschiedenen, medizinisch wirkenden Hölzern gezimmert. Wirklich - ein prachtvoller Palast. Kaum außerhalb wird man allerdings sofort wieder von hunderten von Bettlern - wie immer, die meisten haben es nicht nötig zu betteln - in Empfang genommen die aggressiv versuchen an Rupien zu kommen. Ein Verweilen ist absolut nicht möglich.

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Also ging es gleich weiter nach Kanniyakumari, den äußersten Süden Indiens. Dieser bei den Indern heilige Ort wirkte wie so viele eher schmuddelig. Außer die absolut weiß strahlende Kirche inmitten all der Hütten. Unser Fahrer brachte uns direkt zum Fähranleger, wo die Fähre zum Vivekananda Memorial ablegt. Er entließ uns erst hinter der Absperrung aus dem Wagen. Nachdem ich etwas unachtsam war, wusste ich auch warum. Kaum 1 Meter vor der Absperrung war ich umzingelt von sog. Händlern und Bettlern. Nur durch kräftiges ziehen von Rolf und unter Zuhilfenahme des Sicherheitsdienstes der Fähre, gelang ich wieder hinter die Absperrung. Dann ein kurzes Stück hinunter zur Fähre. Tja - Auftrieb ist schon ein Wunder, nur daran kann es liegen, das die Fähre noch schwamm. Man gut, wir können beide schwimmen und die Ansage war auch nur - immer am Rand der Fähre aufhalten. Das Vivekananda Memorial ist eine Gedächtnisstätte für den Philosophen Swami Vivekananda und wurde 1970 auf einer Felsinsel ca. 400 m vor der Küste errichtet. Der gute Mann hat auf dieser Insel meditiert, darum gibt es auch eine Meditationshalle. Außerdem kann man noch die angeblichen Fußabdrücke der Göttin Kanniyakumari bewundern, die hier Buße tat. Wenige Meter westlich erhebt sich auf einer weiteren kleinen Felsinsel die Statue des tamillischen Gelehrten und Heiligen Thiruvalluvar. Wie schon erwähnt, ein schlendern durch die Gassen war hier an diesem Ort schier unmöglich. So fuhren wir dann wieder Richtung Kovalam, aber nicht ohne noch bei dem Suchindaram Tempel zu halten. Es handelt sich hier um einen ziemlich großen und lebendigen Tempel. Die Herren haben sich der Oberbekleidung zu entledigen, Fotos machen ist strikt verboten. Es handelt sich hier um einen Shiva-Tempel, der auch eine riesige Statue des Affengottes Hanuman beherbergt. Ein wirklich schöner Tempel, er erinnerte uns ein wenig an den Meenakshi Tempel in Madurai. Mit diesen Eindrücken ging auch dieser Tag zu Ende.

Wir machten uns noch ein paar schöne Tage am Strand, beobachteten die Fischer, die in ihren aus Kokosnussholz zusammen gebundenen Booten ihrer Arbeit nachgingen. Eventuelle Kolibakterien tapfer ignorierend gingen wir auch Schnorcheln. Eine felsige Landschaft, voll mit Muscheln eröffnete sich uns. Es gab auch viele Fische und wir versuchten Fotos zu machen. Gar nicht so leicht, die Strömung war nicht schlecht und durch die Welle war das Wasser ganz gut aufgewühlt. Ein paar sind aber doch so halbwegs gelungen. Das Schnorcheln hielt zwar keinen Vergleich mit dem Schnorcheln im südchinesischen Meer oder auch an anderen Orten stand, war aber eine schöne Abkühlung und Abwechslung. Lange Spaziergänge machten wir nicht mehr.

Dann ging es, morgens um 1.00 h los zum Flughafen nach Thiruvananthapuram. Wie auch schon vor großen Sehenswürdigkeiten, war der Flughafen durch Militär, verbarrikadiert hinter Sandsäcken gesichert. Der Flughafen selbst entspricht eher einem kleinen Landflughafen. Das "Highlight" dieses Flughafen ist aber der unglaubliche Dreck an jeder Stelle. Hier wurde wieder alles getoppt, was wir bisher auf unseren Reisen gesehen haben. Was für ein Ausklang.